THE MAN FROM EARTH

„The objective measure of a clock is another clock.“

The Man From Earth ~ USA 2007
Directed By: Richard Schenkman

Professor John Oldman (David Lee Smith) gibt seinen gegenwärtigen Lehrauftrag auf, um weiterzuziehen. Am Tage seines geplanten Umzugs kommen überraschend einige seiner vormaligen KollegInnen vorbei, um seinen Abschied zu feieren. Auf einige ihrer bohrenden Nachfragen hin entschließt sich John, ihnen peu à peu sein Geheimnis beizubringen: Er ist unsterblich und bereits über 14.000 Jahre alt. Seine wissenschaftlich gebildeten Gäste begreifen Johns Schilderungen zunächst als amüsantes intellektuelles Vexierspiel, um ihm widersprüchliche Aussagen oder falsche Fakten zu entlocken. Als John jedoch erklärt, dass er einst als niemand Geringerer denn Jesus über die Erde wandelte, wird es seinen Zuhörern zu bunt…

Als letzte Arbeit des bereits 1998 verstorbenen Science-Fiction-Autors Jerome Bixby, der unter anderem für diverse „Star Trek“-Episoden verantwortlich zeichnete, fand sich „The Man From Earth“ erst recht spät und als kleines Indie-Kammerspiel verfilmt. Eine gewisse Ähnlichkeit zu Iain Softleys „K-PAX“, in dem ein Mann behauptet, ein gestrandeter Extraterrestrier zu sein und sich hernach psychiatrischen Gesprächen und Therapieansätzen stellen muss, lässt sich nicht verleugnen – doch ist es in „The Man From Earth“ weniger die Frage nach der wahren Identität des Protagonisten, die den Film bewegt, denn vielmehr die gewaltige Palette an philosophischen Diskurs-Ansätzen, die sich aus der Frage ergibt, wie ein Mensch, der bereits seit der Frühdämmerung seiner Art auf Erden wandelt, sein Leben führt und die Menschheit vielleicht sogar implizit beeinflusst und lenkt. Philosophische und theologische Topoi werden dabei angerissen, die „The Man From Earth“ zu einem vornehmlich dialogbasierten, sich annährend in Echtzeit abspielendem Drama gerieren, das ebensogut auch ein treffliches Hörspiel abgeben würde. Gedreht wurde mit herkömmlichen Camcordern, was Shenkmans Inszenierung, obschon sie kein originärer Beiträg zum Formkomplex des ‚embedded filming‘ ist, ein gezielt „amateurhaftes“ Aussehen und somit gleichfalls einen leicht dokumentarisch konnotierten Stil verleiht.
„The Man From Earth“ transportiert „kleines“, im allerbesten Sinne bescheidenes Kino, das seinen spezifischen Charme vor allem dadurch entwickelt, dass es bei bester Fabulierlaune kein bisschen kalkulierte Publikumsanbiederung vor sich her trägt – nunmehr fast eine Rarität. Einzige Makulatur ist die Erzählzeit; diese ist nämlich mit nur knapp 90 Minuten allzu kurz geraten. Die Geschichte hätte sicherlich noch Potenzial für mindestens eine weitere halbe Stunde besessen; jedenfalls wünschte ich mir gegen Ende, „The Man From Earth“ wäre nicht so rasch vorbei gezogen.

8/10

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