ELVIS

„My mouth is dry. Feels like Bob Dylan slept in it last night.“

Elvis ~ USA 1979
Directed By: John Carpenter

Schon als Zehnjährigem liegt Elvis Aaron Presley (Randy Gray) die Musik im Blut. Verschiedenste Einflüsse von Gospel bis Hillbilly strömen auf ihn ein, aus denen er als junger Erwachsener (Kurt Russell) seinen unikalen Sound formt. Nach den ersten Aufnahmen im Sun Studio nimmt ihn Colonel Tom Parker (Pat Hingle) unter seine Fittiche: Der Beginn einer Weltkarriere. Während Elvis‘ Militärdienst stirbt seine geliebte Mutter (Shelley Winters) und damit auch ein Stück von ihm selbst. Die Ehe mit Priscilla (Season Hubley), so romantisch sie beginnt, kühlt nach einigen Jahren ab. Sein erstes Vegas-Konzert im Hotel International am 31. Juli 1969 holt ihn nach einer längeren Durststrecke wieder zurück ins Rampenlicht.

Kurt Russells Metamorphose zum ‚King‘ dürfte zu den wahrhaft unsterblichen Performances berühmter Musiker in Spielfilm-Bios zählen. Es mutet zwischenzeitlich immer wieder unheimlich an, wie man über die großzügige Distanz von Carpenters TV-Produktion hinweg allenthalben vergisst, dass man hier jenen über die Jahre ja stark an Popularität gewachsenen Darsteller beobachtet und eben nicht ein Abbild oder gar einen Klon der pomadierten Rock’n’Roll-Legende. Mit Elvis‘ persönlicher Entwicklung ändert sich auch Russells Spiel, vom unsicheren Aufsteiger über den immer hungriger werdenden Entertainer bis hin zum öffentlichen Bild der beinahe sphärischen Lichtgestalt, konterkariert durch den einsamen Privategomanen; allein die Stimmung des Films zeigt sich durchweg von starker Melancholie geprägt – verwunderlich angesichts der Tatsache, dass aus der allseitigen, unumwundenen Bewunderung für Presley und seine musikalischen Errungenschaften (seine Hollywood-Engagements, derer es immerhin um die 30 gab, werden lediglich gestriffen und dann geradezu unfreundlich abgewatscht) kein Hehl gemacht wird.
Die Einrahmung des Films bildet Elvis‘ Ankunft in Las Vegas und damit seine letzte große Karriereetappe. In rein musikalischer Hinsicht hatte er zu der Zeit kaum noch etwas zu sagen. Der späte, der „Vegas-Elvis“, war ein Schlagersänger, der sich sein überlebensgroßes Renommee vornehmlich durch seine exaltierten, energetischen Auftritte verschaffte sowie durch jenes beinahe in die Selbstkariaktur mündenden Erscheinungsbild mit den berühmten weißen Glitzeranzügen, den exaltierten Sonnenbrillen und den buschigen Koteletten, das die Legion seiner Imitatoren ja nahezu durchgängig bis heute pflegt. Die frühen, noch rohen Gehversuche als Musiker, die von Sam Phillips (Charles Cyphers) in Memphis produzierten Aufnahmen, bilden dabei eigentlich die wirklichen musikalischen Errungenschaften Presleys, da hier jener epochale Übergangssound vom Blues zum Rock kreiert wurde, den es in auch nur annähernd ähnlicher Form zuvor nicht gegeben hatte. Um diesen popkulturell manifesten Status nicht zu gefährden, zeigt „Elvis“ lediglich den Beginn der Vegas-Session. Wenige Stunden vor seiner Premiere im „International“ schießt Elvis auf einen Fernseher, der eine Reportage über ihn zeigt. Carpenter tut den Teufel, sich darüber auch nur im Mindesten lustig zu machen. Das Ganze wirkt eher bedrückend, wie die hilflose Aktion eines unfreiwillig Sprachlosen. Der Film-Elvis ist weder ein Intellektueller noch im Mindesten fähig zur Selbstanalyse. Dennoch liegt zuweilen ein Hauch Mystik über ihm: er kommuniziert mit seinem toten Zwillingsbruder und seiner verstorbenen Mutter, denen er eröffnet, er werde ihnen bald nachfolgen. Er stammt aus einfachsten Verhältnissen und arbeitet sich mithilfe seines Talents nach oben. Damit ist er ein archetypischer Repräsentant des Amerikanischen Traums. Auch sein späteres Siechtum, seine diversen Süchte und seinen unglamourösen Tod enthält Carpenter uns vor. Sein Elvis, der, den man knapp drei Stunden über Gelegenheit hatte, kennenzulernen, soll in weitgehend strahlender, sauberer Erinnerung bleiben.

8/10

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