PERFECT

„Somebody’s editing with their elbows.“

Perfect ~ USA 1985
Directed By: James Bridges

Während der New Yorker Rolling-Stone-Reporter Adam Lawrence (John Travolta) an einem Artikel über den ausgebooteten Firmenboss Joe McKenzie (Kenneth Welsh) arbeitet, kommt ihm eine Idee für eine weitere Story: „Der Fitnessclub als Single-Bar der Achtziger“ soll sie betitelt und in Kalifornien, im Land der Hohlen und Schönen, geschrieben werden. Dort lernt Adam jedoch die Aerobic-Queen Jessie Wilson (Jamie Lee Curtis) kennen und die ist zwar mitnichten doof, dafür aber von einer gesunden Abneigung gegen neugierige Journalisten geprägt. Entsprechende Erfahrungen in der Vergangenheit haben sie geimpft. Zwar landen Schreiberling und Körpergöttin bald in der Kiste, Adam rückt jedoch zunächst nicht von seinem geplanten Denunziantentum ab. Erst als er begreift, dass journalistische Integrität und Objektivität nicht zwingend einher gehen müssen und sein Chefredakteur (Jann Werner) ihm übel mitspielt, öffnen sich ihm die Augen und auch die Pforte zu Jessies Herz.

„Perfect“ — ein Film über… ja, über was eigentlich?
Dass die Achtziger zwar Manches zu bieten hatten, im Prinzip jedoch eine Ära des blanken Hedonismus, des Scheins und der geschmacklichen, mentalen und intellektuellen Entgleisungen waren, lässt sich anhand von Filmen wie James Bridges‘ „Perfect“, der nebenbei in keinem aufrichtig typologisierenden Jahrzehntskanon fehlen dürfte, vortrefflich ablesen. Ähnlich wie „Wall Street“, der aufzeigt, in welche Richtung das Yuppietum steuert, so man ihm nicht rechtzeitig Einhalt gebietet, meditiert „Perfect“ über den vergänglichen Wert physischen Perfektionsstrebens. Dies vollzieht der Film jedoch auf eine Weise, dass man zunächst kaum weiß, wo man beginnen soll, sich über ihn lustig zu machen und über sein affektiert flankiertes Weltbild zu ereifern. Da registriert man dann irgendwann, dass das alles der Mühe ja eigentlich doch nicht wert ist und beginnt jenseits dieses Punktes, sich zu entspannen. Hier ist ein Film, der immerhin ganze dreißig Jahre auf dem Buckel hat und der sich immerhin noch auszusprechen traut, was unterdessen vom Exotentum zum Normalstatus gerudert ist: man muss was tun, für sich und seinen Körper. Jamie Lee Cutis als Jessie Wilson wäre es wert, in Marmor gegossen zu werden, vielleicht sogar in Platin. Garantiert kein einziges Gramm unnötiges Fett hat auch nur die geringste Chance, sich an diesem Prachtleib abzulagern, vermutlich gibt es daran auch weder Mitesser noch Muttermale oder ein falsch gewachsenes Härchen und der beim Turnen vergossene Schweiß dieser (- ja, ist es denn überhaupt noch eine?) Frau riecht nach Kokosmilch. Von den ohnmachtsevozierenden Körpermaßen gar nicht zu reden.  Indes wundert sich der Laie, woher die Gute angesichts ihrer permanenten Rumhoppserei vor dem Spiegel ihrer etwa dreizehn täglich stattfindenden Aerobic-Kurse überhaupt noch die Zeit nimmt, eine Zeile zu lesen. Immerhin, man spricht kurz über Emerson und darüber, wie sich seine profunden Erkenntnisse über den Menschen als aktiven Part seines sozialen Umfeldes auf Bodybuilding-Studios übertragen lassen. Überhaupt, Jessie hat ihren eigenen Kopf, der hier und da durch die Wand muss, dem Adam Lawrence jedoch unverdrossen hinterherhechelt. Am Ende bleribt steht folgende, existenzialistisch-bedeutsame Problemstellung: „What’s wrong with wanting to be the best you can be? What’s wrong with wanting to be perfect? What’s wrong with wanting to be loved?“, der verzweifelte Aufruf Jessies an Adams unterdessen muskelverkaterte Adresse, doch bitte Sachlichkeit in seinem geplanten Artikel walten zu lassen und nicht gleich jeden Körperfetischisten als zwingend sexsüchtig zu diffamieren. Zudem ist das Folgerungskonstrukt „Ehrgeiz => Nummer 1 => Perfektion => geliebt werden“ sicherlich von bezwingender Logik, so ähnlich wie ein Paar Wadenstulpen.
Natürlich ist „Perfect“ in Wahrheit nichts anderes denn pure Satire und als solche überaus clever und vor allem exklusiv konstruiert, weil nur die wahrhaft Erleuchteten unter all seinen Zuschauern dies überhaupt zu erkennen vermögen. Behaupte ich jetzt mal. Vielleicht ist er aber auch doch einfach nur der strohdoofe Versuch von Fitnesskultivierung. Ich gebe freimütig zu: ich bin da noch nicht hundertprozentig dahinter gestiegen.

5/10

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