THE DARK AVENGER

„Where we goin‘?“ – „Scaring some Englishmen!“

The Dark Avenger (Der schwarze Prinz) ~ UK 1955
Directed By: Henry Levin

Frankreich im 14. Jahrhundert: Nach einem mehr oder weniger erzwungenen Friedensvertrag hinterlässt der englische König Edward (Michael Hordern) seinen Sohn Prinz Edward (Errol Flynn) als Herzog von Aquitanien auf dem Kontinent. Einige hiesige Edelleute, allen voran der hitzige Comte De Ville (Peter Finch), mögen sich mit der ihnen auftroktoyierten Okkupation jedoch nicht zufrieden geben. Als die störrische Lady Joan Holland (Joanne Dru) von England herüberkommt, um in das Haus ihres verstorbenen Gatten zu ziehen, bietet sich De Villes Chance: Er entführt Lady Joan und zwingt Prinz Edward somit zu Gegenmaßnahmen. Unerkannt mischt sich der mutige Prinz als „Schwarzer Ritter“ unter die Söldner des Comte…

Für seinen letzten swashbuckler bequemte sich der bereits etwas steife Errol Flynn nach England, wo er „zu guter Letzt“ dann doch noch einmal vor „echter“ mittelalterlicher Burgkulisse agieren konnte, statt wie gewohnt immer bloß in Atelier und Studio. Entsprechend gewinnt das Geschehen an authentischem Flair, nicht jedoch an innerer Glorie. Man muss wissen, dass die settings bereits in Richard Thorpes „Ivanhoe“ zu sehen waren – lediglich eine von mehreren Maßnahmen, das Projekt kostengünstig zu halten. Und da stößt man auch bereits zu des Pudels Kern vor: die berühmte Flamboyanz, die Flynns Filme mit seinen drei Warner-Hausregisseuren Michael Curtiz, Raoul Walsh und William Keighley auszuzeichnen pflegte, findet sich in „The Dark Avenger“, dessen US-Titel „The Warriors“ möglicherweise der etwas bekanntere ist, aus mehrerlei Gründen vernachlässigt. Neben dem verhältnismäßig sparsamen Budget wäre ein diesbezüglich vordringlicher Flynn höchstpersönlich, mit 45 Jahren nicht mehr der Jüngste und, nicht zuletzt seinem exzessiven Lebensstil geschuldet, ohnehin kaum mehr für Actionrollen zu gebrauchen. Seine spürbar arg vom Ausbrennen bedrohte Bequemlichkeit und der schwindende spitzbübische Charme von anno dazumal lassen sich schlichtweg nicht länger fortleugnen. Der Grund für Flynns Engagement war zudem ein überaus unromantischer: Er war insolvent und benötigte dringend eine Kontosanierung. Schließlich war da Henry Levin – ein eher mediokrer Handwerker, der sich oftmals ins Spektakuläre flüchtete, obwohl ihm das Bescheidene besser zu liegen schien. Eine mediävistische Abenteuergeschichte mit Rittern und zumal mit Errol Flynn, bedurfte in jenen Tagen umso mehr eines fachlichen Kenners und Könners und die waren im Königreich eben wenn überhaupt rar gesät. „The Dark Avenger“ markiert somit auch eine Art Finalpunkt; die Zeit für Filme seiner verspielten Gattung war längst im Dämmern begriffen. Ironischerweise veranschaulicht dies kaum etwas so plastisch wie ausgerechnet „The Dark Avenger“ selbst.

6/10

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