THE THREE FACES OF EVE

„When I spend eight bucks on a dame, I don’t just go home with the morning paper, y’know what I mean?“

The Three Faces Of Eve (Eva mit 3 Gesichtern) ~ USA 1957
Directed By: Nunnally Johnson

Dr. Luther (Lee J. Cobb), Psychiater in Georgia, wird eines seltsamen Falles gewahr: Seine Patientin Eve White (Joanne Woodward) leidet unter einer gespaltenen Persönlichkeit. Eve White ist eine eher schüchterne Hausfrau, unterwürfig gegenüber ihrem Ehemann Ralph (David Wayne), aufopfernd gegenüber ihrem Töchterchen (Terry Ann Ross). Zuweilen jedoch ändert sich urplötzlich ihr Verhalten und „Eve Black“ kommt zum Vorschein, eine feierwütige Stimmungskanone, die gern in Soldatenspelunken verkehrt und all das auslebt, was Eve White sich versagt. Trotz etlicher Therapieversuche über mehrere Jahre, darunter Aufenthalte in Sanatorien, Hypnose und etliche Gesprächssitzungen, bleibt Eves Zustand unverändert. Dann, Ralph und Eve sind mittlerweile geschieden, weil der eher tumbe Ehemann das nötive Verständnis für den Zustand seiner Gattin nicht aufzubringen vermag, taucht eines Tages noch eine dritte Persönlichkeitsfacette auf: Jane, eine mental gesunde, selbstbewusste und liebenswerte Frau, die die „Schwächen“ von Eve White und Eve Black – also Unterwürfigkeit und provozierendes Verhalten – nicht teilt. Dr. Luther schafft es, bis tief in Eves Vergangenheit vorzudringen und die einstige Sollbruchstelle für Eves multiple Persönlichkeit hervorzulocken. Nach heftigen Ausbrüchen bleibt schließlich nurmehr Jane als singuläre Person übrig und endlich kann die junge Frau ein unbeschwertes Leben führen.

Wenngleich eine gewisse Liebäugelei mit reißerischer Kolportage und auch manch eher hilflos wirkender Versuch, das Geschehen durch komödiantische Sprenkler aufzulockern, dem Gesamtresultat eher weniger gut tun, ist Johnsons „The Three Faces Of Eve“ doch ein wichtiger Beitrag zur Gattung um psychische Störungen und Erkrankungen kreisender Spielfilme. Gerade in den fünfziger Jahren gewannen Psychologie und Psychotherapie als medizinische Disziplinen viel an Aufmerksamkeit, Hinwendung und Akzeptanz, die sich eben auch in unterhaltungsmedialer Aufbereitung niederschlug. Dramatiker wie Tennessee Williams waren plötzlich Stammgäste in Hollywood-Scripts und selbst Genrefilme wie der Western zeigten sich durchdrungen von fundierten, psychologischen Charakterisierungsansätzen. Vor diesem Hintergrund war „The Three Faces Of Eve“ einer der Beiträge, die sich wagten, sogar noch etwas unverschleierter in medias res zu gehen. Script und Film basierten auf einem authentischen Fall, der erst Jahre später von der betroffenen Dame selbst (Christine Costner-Sizemore) adäquater in Buchform aufbereitet wurde. Der Film besorgte dramaturgisch entschlackende Vereinfachungen; so besaß die echte Eve noch wesentlich mehr voneinander abgespaltene Persönlichkeiten, erlebte keinesfalls die gegen Ende des Films geschilderte Radikalkur und auch der tiefenpsychologische Anlass für ihre Erkrankung war in Wahrheit deutlich facettenreicher. An der Brauchbarkeit von Johnsons Film, dessen Komplexitätsreduktion ihm zumindest nicht wesentlich schadet, ändert dies glücklicherweise wenig. Ferner ist der Film darstellerisch über jeden Zweifel erhaben. Wie bereits in Nunnally Johnsons ebenfalls psychologisch konnotierten „The Man In The Grey Flannel Suit“  erlebt man auch in „The Three Faces Of Eve“ den eher auf unsympathische Figuren abonnierten Lee J. Cobb in einer durchweg liebenswerten Rolle und ganz besonders Joanne Woodwards Darstellung bleibt als mehr denn beeindruckend haften.

7/10

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