THE HOMESMAN

„I live uncommonly alone.“

The Homesman ~ USA/F 2014
Directed By: Tommy Lee Jones

Nebraska in den 1850ern: In einem kargen Prärienest drehen drei Ehefrauen und Mütter (Grace Summer, Miranda Otto, Sonja Richter) fast zeitgleich durch, weil sie den desolaten Lebensbedingungen der Region nicht länger gewachsen sind. Die Frauen werden katatonisch, depressiv und gemeingefährlich, so dass es für sie nurmehr die Option gibt, sich in erfahrene Obhut östlich des Missouri River zu begeben. Die altjüngferliche Mary Bee Cuddy (Hilary Swank) erklärt sich bereit, eine Transportkutsche nach Iowa zu fahren, wo das Trio in die Hände der Methodistin Altha Carter (Meryl Streep) übergeben werden soll. Durch Zufall stößt Mary auf den alternden Galgenstrick George Briggs (Tommy Lee Jones), dem sie das Leben rettet und der sie im Gegenzug gen Osten begleitet.

Tommy Lee Jones‘ zweite Kinoregie steht seiner ersten, bereits neun Jahre alten Arbeit, dem einnehmenden „The Three Burials Of Melquiades Estrada“, in nichts nach. Ein guter Western hält partiell Spannendes über seine Zeit oder wahlweise seine Protagonisten bereit, ein sehr guter schafft es womöglich, beides in sich zu vereinen und sich seine Subtilität dadurch nicht verderben zu lassen. „The Homesman“ repräsentiert einen solchen Glücksfall; ähnlich Kelly Reichardts ebenfalls sehr schönem „Meek’s Cutoff“ berichtet er von einer Reise mehrerer Frauen durch unwegsames, unerschlossenes Gelände, in deren Verlauf sich trotz Indianern und mistigen Banditen die mentale Instabilität der Beteiligten als größte zu bewältigende Hürde erweist. So beinhaltet „The Homesman“ manche dramaturgische Überraschung, mit der man so vielleicht nicht gerechnet hätte. Während die Figur der gleich zu Beginn vorgestellten Mary Bee Cuddy das Publikum in die Geschichte einführt und es dann die erste „Wegetappe“ über mitnimmt, wird die narrative Fackel nach einer gemeinsamen erzählzeitlichen Schnittmenge an den erst recht spät vorgestellten George Briggs (dessen wahrer Name dies mutmaßlich gar nicht ist) weitergereicht und von ihm bis zum Ende getragen. Die parallele Entwicklung dieser beiden Gestalten gleicht einer proportionalen Klammer; beide verlassen den Film als ganz andere Menschen als man sie dereinst kennenlernte, gebrochen und gewachsen. Dass Briggs sich einmal selbst zum Racheengel deklariert, nachdem ihm ein versnobter Hotelmanager (James Spader) übel mitgespielt hat, gemahnt indes an Eastwoods Figuren, so etwa den augenscheinlich sanften Bill Munny, der bei falscher Reizung zum unaufhaltsame Vigilanten wird. Die teils episodenhafte Erzählung gewährt eine Reihe schöner Cameos (ein paar davon habe ich weiter oben bereits angerissen) und wer vielleicht glaubt, dass Tommy Lee Jones seit nunmehr fünzehn Jahren stets denselben knarzigen Südstaaten-Einzelgänger gibt, der liegt betreffs seiner Erwartung wiederum nicht ganz falsch, wird sich jedoch sicherlich von ein paar humorigen Ausreißern ebenso überraschet finden wie von ein paar melancholischen.

9/10

2 Gedanken zu “THE HOMESMAN

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