STARRY EYES

„Appreciate your new companionship!“

Starry Eyes ~ USA/B 2014
Directed By: Kevin Kolsch/Dennis Widmyr

Für die psychisch fragile Nachwuchsschauspielerin Sarah (Alex Essoe) wäre ein Engagement bei einer größeren Filmproduktion die Eintrittskarte zu all ihren Jungmädchen-Träumen. Dennoch kommt sie über Vorsprechen und ihren Alltagsjob in dem etwas merkwürdigen Fetisch-Restaurant „Big Taters“ nie hinaus. Dies ändert sich, als sie ein Vorsprechen für den Horrorfilm „The Silver Scream“ besucht. Jenes läuft gleichermaßen bizarr wie unheimlich ab; die Vorsitzenden nötigen Sarah eine exzessive Performance ab. Obgleich Sarah sich dabei überaus unbehaglich fühlt, lässt sie sich immer wieder mit der obskuren Produktionsgesellschaft „Astraeus“ ein und lernt bald auch deren Vorsitzenden (Louis Deszeran) kennen. Nachdem sie sich auch sexuell nötigen lässt, beginnt Sarah, sich zu verwandeln: Sie zerfällt sowohl physisch als auch psychisch zusehends, hat Visionen von satanistischen Ritualen und Opferungen, bis sie sich selbst zur skrupellosen Mörderin entwickelt. Dennoch hält die Gegenseite, was sie versprochen hat…

Seelenverkauf und Satanismus in Tinseltown: Natürlich ist „Starry Eyes“ vor allem eine bissige Hollywood-Satire klassichen Zuschnitts. Wer in der Filmmetropole etwas werden will, der, so lehrt uns „Starry Eyes“ nicht als erste Bestandsaufnahme jenes Topos, muss bereit sein, alles zu opfern – auch und insbesondere sich selbst. Hinter der auf den ersten Blick wenig sensationellen Story einer Satanistensekte auf Seelenfang in Hollywood, wo es vor jungen, erfolgshungrigen Verzweifelten nur so wimmelt, verbirgt sich ein künstlerisch beachtliches Genrestück, das seine Ursprünge im Horrorfilm der siebziger und achtziger Jahre hat. Die Perzeption sollte sich im Falle „Starry Eyes“ weniger auf das“Was“ denn vielmehr auf das „Wie“ verlagern; nicht unbedingt Sallys Werdegang in Richtung Selbstopferung verlangt nach der rezeptorischen Aufmerksamkeit (zuml dieser sich bei etwas genauerem Hinschauen ohnehin zu einem recht frühen Filmzeitpunkt voraussagen lässt), sondern der eigentliche Verfallsprozess. Der schüchterne Schwan – Alex Essoe erinnerte mich stark an die zarte Jessica Harper in „Suspiria“, die ja in ähnliche okkulte Untiefen vordringt – muss erst eine äußere und innere Transformation durchleben, bevor er im Lichterglanz der Stars zu neuer Illumination gelangen kann. Freilich sind die Grundfesten für Sallys Metamorphose (für ihre „Verpuppung“, ist man beinahe geneigt zu sagen) bereits in ihrer seelischen Determination festgelegt: Die junge Frau leidet unter Magersucht, reagiert auf die Sticheleien und Abspenstigmachungen ihrer Bekannten Erin (Fabianne Therese) mit aggressiver Hysterie und neigt bei allzu hohem Druck zur Selbstverstümmelung, indem sie sich büschelweise die Haare vom Kopf reißt. Im Neupsychiatrischen firmiert ein solches Störungsbild unter „Borderline-Persönlichkeit“ – und wonach suchen gierige Filmproduzenten mit satanischem Hintergrund wohl, um ihre höllischen Heerscharen auf Erden erweitern zu können…? Exakt. Mit Sally haben sie eine Aspirantin mehr; Hollywoods rote Teppiche eine weitere Blitzlicht-Schönheit und, was noch viel wichtiger ist, die Welt noch einen sehenswerten, schönen, im besten Sinne erwachsenen Horrorfilm hinzu bekommen.

8/10

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