THE GUEST

„I’m a soldier, man. I like guns.“

The Guest ~ USA 2014
Directed By: Adam Wingard

Caleb, der älteste Sohn der Familie Peterson, ist bei einem Militäreinsatz im Nahen Osten gefallen. Eines Tages steht sein Soldatenfreund David Collins (Dan Stevens) vor der Tür  der Petersons mit den Worten, er wolle der Familie Calebs letzte Grüße und seine persönlichen Kondolenzbekundungen überbringen. Für Mutter Laura (Sheila Peterson) und Vater Spencer (Leland Orser) nimmt sich der Gast wie ein warmer Seelenregen aus – man bestht darauf, David ein paar Tage zu beherbergen und lässt ihn Calebs altes Zimmer zu beziehen. Die trauernden Eltern sehen in ihm rasch einen Lückenfüller für den Verstorbenen und auch Sohn Luke (Brendan Meyer), der wegen seiner Homosexualität in der Schule von ein paar Bullys gemobbt wird und Tochter Anna (Maika Monroe) lernen David nach anfänglicher Skepsis wegen seiner einnehmenden Eigenschaften bald schätzen. Als Anna jedoch ein seltsames Telefonat mithört, wird sie misstrauisch: Nicht nur, dass bald unerklärliche Todesopfer im sozialen Umfeld der Petersons zu beklagen sind; auf Annas Nachfrage bei der Army nach Davids Person hin reagiert man dort höchst besorgt. Offenbar ist David nicht der, für den man ihn hält, sondern ein völlig entfesseltes Subjekt militärischer Experimente…

Kriegsheimkehrer, die ihre Familie in grausig modifizierter Form wieder aufsuchen, sind ein klassisches Literatursujet: William Wymark Jacobs‘ „The Monkey’s Paw“ oder Dino Buzzatis „Il Mantello“ bilden  zwei  entsprechende Kurzgeschichten, die mir regelmäßig einfallen, wenn es um die Rückkehr verloren geglaubter Söhne geht, die ihr Leben offiziell im Vaterlandsdienst geopfert haben und auf unerklärliche Weise wieder zu Hause auftauchen für einen letzten Besuch, wie, um eine ungetilgte Schuld wieder gut zu machen oder vielleicht, weil sie sich einfach nie richtig verabschieden konnten. Adam Wingards und Simon Barretts Ideenpool bedient sich noch zusätzlich filmischer Vorbilder von „Dead Of Night“ bis hin zur „Universal Soldier“-Reihe und verflechtet aus all diesen Einflüssen eine gemäß Regisseur und Autor treffende, zur Genüge einfallsreiche Revision. Dass dieser David Cooper in Wahrheit der vermeintlich gefallene Caleb Peterson ist, wird zwar nie aufgelöst oder erwähnt; eindeutige Hinweise und Suggestionen innerhalb des Plotverlaufs jedoch deuten unmissverständlich darauf hin: So gilt auch David Cooper offiziell als verstorben; der bald entfesselte Gast sei nicht, für wen er sich ausgebe, berichtet der ihn jagende Major Carver (Lance Reddick). Der mysteriöse junge Mann habe sich einer Gesichtsoperation und anderen identitätsverändernden Behandlungen unterzogen, nachdem er an einer nicht näher beleuchteten Testreihe des Militärs teilgenommen habe. Zudem weiß „David“ neben ein paar ungelüfteten Geheimnissen wie Lukes sexueller Orientierung genau darum, welche emotionalen Knöpfe er bei den Petersons zu drücken hat, um sich unentbehrlich zu machen. Dumm nur, dass all der Familienschutz immer noch von einer Programmdirektive überlagert wird: der, unerkannt zu bleiben und das persönliche Überleben zu sichern.
Adam Wingard und sein Stammautor Simon Barrett beglücken nach „You’re Next“ und einigen Ausflügen in den Anthologie-Bereich wieder mit einer klugen, stimmigen Genregeschichte, deren Kern sich über die gesamte Erzählzeit hinweg nur gemächlich freischält und selbst zum Ende hin die definitive Gewissheit ausspart. Dies trägt den Film neben seinem sonstigen Tempo auf geschickte Weise und beugt jedwedem Durchhänger erfolgreich vor. Erwähnenswert finde ich den im Gefolge von „Drive“ erneut sehr 80s-Synthie-lastigen Score (Steve Moore), der sich ergänzend des Einsatzes ein paar zeitgenössischer Stücke wie DAFs „Der Mussolini“ befleißigt. Sehr cool.

8/10

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