COHERENCE

„Let’s have a drink.“

Coherence ~ USA/UK 2013
Directed By: James Ward Byrkit

Vier Pärchen zwischen Mitte 30 und 50 treffen sich zu einem gemeinsamen Heimdiner und einem Glas Wein. Just an diesem Abend soll in geringer Entfernung ein Komet die Erde passieren, der nur alle hundert Jahre vorbei kommt. Die Auswirkungen des Himmelskörpers zeigen sich bald in verstörender Weise: Die Freunde bemerken nach und nach, dass ein Tor nicht zu einer, sondern gleich zu multiplen alternierenden Realitäten geöffnet wurde, die, wenngleich leicht zeitversetzt, die Begegnung mit diversen Versionen ihrer eigenen jeweiligen Ichs in direkter lokaler  Nachbarschaft ermöglichen. Tatsächlich durchmischt sich bald unweigerlich die Konstellation der Anwesenden mit ganz unterschiedlichen Vetretern aus den Alternativrealitäten. Oder ist an der ganzen Aufregung doch bloß ein kollektiver Rausch infolge einer scherzhaft verabreichten Droge Schuld… ?

Nicht der erste Film, der sich vornimmt, die psychotischen Auswirkungen von paraphysikalischen Ereignissen wie Zeitreisen, Zeitschleifen oder eben geöffneten Türen zu Parallel- oder Spiegelrealitäten auf erzählerisch möglichst clevere Weise zu umreißen. Ottokar Kinofritz nennt sowas dann in Ermangelung etwas analytischeren Vokabulars gern „mindfuck movie“, ein von mir eigentlich wenig geschätzter Terminus, der mir jedoch unweigerlich während der ganzen Betrachtung von „Coherence“ durch den Schädel jagte. Ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, hier mit aller Macht funktionalisiert, instrumentalisiert, zur Marionette besonders schlauer Aktionsverknoter deklariert (oder degradiert?) zu werden. Bevor ich mir ein Foto des dann glücklicherweise  doch nicht unsympathisch ausschauenden Autors und Filmemachers James Ward Bykrit angeschaut habe, stellte ich ihn mir wie einen dickbebrillten Physikstudenten mit fettigen Haaren vor, der sich ob seiner eigenen Genialität unaufhörlich die Hände reibt. Nun, um etwas bodenständiger zu werden: Wirklich gefallen hat mir „Coherence“ nicht und der Hauptgrund dafür ist so banal wie „unprofessionell“: sein Figureninventar. Als der Ensemblefilm, der er abseits von seinem diskursiven Grundriss nicht zuletzt auch ist, steht und fällt Bykrits Werk jedoch nunmal mit der erfolgreichen Veräußerung seines Personals, und genau jene mochte bei mir nicht zünden. Die vier befreundeten Paare und nicht zuletzt ihre jeweiligen persönliche Probleme und Beziehungsschwankungen empfand ich als völlig bedeutungslos und egal, um nicht zu sagen uninteressant. Damit nicht genug, sind genau dies Typen, mit denen mich aber auch gar nichts nichts verbindet; gepflegte, kantenlose Menschen meiner Altersstufe und um sie herum, die sich – ob bewusst oder nicht – seit langem komplett dem Establishment ausgeliefert haben und, ein halbleeres Glas Weißwein in der Hand, über homöopathisch gerierte Psychopharmaka schwadronieren, und das in unaufhörlich-penetranten, nichtssagenden Close-ups und vor wichtig wackelndem Objektiv. Kotz. Doch nicht genug damit, dass mir hier bereits der empathische Teppich unter den Füßen weggezogen wurde, erschloss sich mir die ganze Aufregung um das so hochgejubelte, metaphysikalische Ereignis nicht. Was rennen die Leute mit ihren Leuchtstäbchen nur immmer wieder Dunkeln durch die Gegend, nachdem sie doch längst herausgefunden haben, was Sache ist? Können die nicht einfach an Ort und Stelle sitzen bleiben, ihren verschissenen Chablis schlürfen und warten, bis der Komet weg ist und der nächste Morgen graut – immerhin sind „die Anderen“ doch in exakt derselben Situation!? Nein, hier wird eine brauchbare Idee ideenlos aufgeblasen und vermarktet. Dann doch lieber eine zünftige „Monster-Parallelwelt“ wie neulich in „The ABCs Of Death“. Da ist dann wenigstens was los im Staate Quantenphysik.

4/10

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s