MADONNA OF THE SEVEN MOONS

„Rosanna! You’re back!“

Madonna Of The Seven Moons (Madonna der 7 Monde) ~ UK 1945
Directed By: Arthur Crabtree

Infolge einer Vergewaltigung während ihrer Jugendjahre entwickelt die Italienerin Maddalena (Phyllis Calvert) eine Persönlichkeitsspaltung, die sie immer wieder in ihr „paralleles Ich“, die in Unterweltkreisen umtriebige Rosanna, treibt. Für ihren Ehemann, den wohlhabenden Geschäftsmann Giuseppe Labardi (John Stuart), sind und bleiben die Phasen von Maddalenas Abwesenheit, nach denen sie stets völlig amnesisch zurückzukehren pflegt, ein großes Mysterium, das er jedoch mit großer Nachsicht geschehen lässt. Als Angela (Patricia Roc), die Tochter des Ehepaars, aus ihrer Internatszeit in England zurückkehrt, bricht sich Maddalenas Störung erneut Bahn: Wieder flieht sie in ihr zweites Leben, nach Florenz, wo ihr Liebhaber Nino (Stewart Granger), ein Kleinganove, sie bereits sehnsüchtg erwartet. Doch Angela spürt ihr nach und findet sie, nach eifriger Suche, im Banne ihrer Zweitidentität…

Larmoyantes Psychodrama des Genre-Allrounders Arthur Crabtree, der später ein zweites Heim im Phantastischen finden und einige seiner schönsten Arbeiten vorlegen sollte. Zu diesen gehört allerdings auch „Madonna Of The Seven Moons“, dessen sich bedeutungsschwanger ausnehmender Titel gar nicht mal weit hergeholt ist. Phyllis Calvert, witzigerweise genauso alt wie ihre „Filmtochter“ Patricia Roc, ist absolut wunderbar als Dame der feinen Gesellschaft, die sich ganz ohne mystisches Reagenz allenthalben in eine „Ms. Hyde“ verwandelt und nach Florenz abdampft, wo im wildromantischen Unterweltslum bereits der fesche Stewart Granger ihrer harrt und wo sie all die Beschwerlichkeiten und Zugeknöpftheiten ihres Standes vergessen kann. Als Rosanna, die es so gar nicht mit Christus und Kirche hat (natürlich, weil der Katholizismus eigentlich ihr größtes moralisches Standbein ist), kann sie wild, losgelöst und triebgesteuert agieren; Eigenschaften, die ihr in ihrer Rolle als Maddalena vor allem infolge ihrer persönlichen Maßgaben strikt untersagt sind. Ich mag nicht recht beurteilen, ob dieser Darstellung von zwangsdomestizierter Weiblichkeit eine reaktionäre Dimension innewohnt, aber wenn, dann bleibt sie zumindest geschmackvoll formuliert. „Madonna Of The Seven Moons“ ist wahrscheinlich einer der wenigen echten europäischen films noirs der frühen Periode; ein Film, in dem die Nacht die wahre Tageszeit ist und das echte Leben gänzlich unbelastet nur im Schatten pulsiert.

8/10

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