STAR IN THE DUST

„The Sun’s setting for me. It’d be a shame to miss it.“

Star In The Dust (Noch heute sollst du hängen) ~ USA 1956
Directed By: Charles F. Haas

Der Revolverheld Sam Hall (Richard Boone) wird zum Tode durch den Strang verurteilt, nachdem er drei Farmer in der Nähe des Städtchens Gunlock erschossen hat. Sheriff Jorden (John Agar) weiß allerdings, dass Hall im Auftrag der hiesigen Viehzüchter handelte, die um ihr Weideland fürchten und eine Prämie für jeden erschossenen Farmer ausgesetzt haben. Hall jedoch hält dicht, trotz seiner prekären Situation. Derweil rotten sich die Rancher, allen voran der reiche George Ballard (Leif Erickson), zusammen, um Sam Hall die Flucht zu ermöglichen. Jorden bereitet sich auf den Angriff der Übermacht vor, denn Halls Hinrichtung ist für Sonnenuntergang angesetzt.

In der Western-Super-Doppelsaison 1956/57 konnte jedes der großen Studios mindestens einen Achtungserfolg landen, der sich zudem oftmals vom Gros des Genreausstoßes abhob. Psychologische Momente hatten sich im Western bereits als tragfähige Narrationszugabe etabliert und so vermochte selbst die für einen inflationären Konfektionsausschuß berüchtigte Universal mit Glanzlichtern wie „Star In The Dust“ Vortreffliches zu kredenzen. Aus dem Œuvre des B-Filmers und später vor allem für TV-Serien aktiven Routiniers Charles Haas sticht der Film außerdem hervor. Nicht nur, dass hierin ein aktives genealogisches Bindeglied zwischen den beiden Contrawestern „High Noon“ und „Rio Bravo“ zu finden ist, schafft es „Star In The Dust“ dennoch, als eigenständiger, formaltechnisch durchaus innovativer Film zu überzeugen. Der Rahmen der Erzählten Zeit ist als zwischen Morgen- und Abenddämmerung angesiedelte Episode bewusst gesteckt beziehungsweise korsettiert und wird darin auch sorgfältigst ausgespielt; die Kamera (John L. Russell) zeigt ein eindrucksvolles, sehr frisches Gespür für Farbe und Licht, das besonders innerhalb des verhältnismäßig ungewöhnlichen Kadrageformats (exakt 2:1) hervorragend zur Geltung kommt. Natürlich muss auch der Protagonist scharf konturiert werden: Bill Jorden wird von den Bürgern Gunlocks nicht allein infolge seiner Jugend noch nicht recht ernst genommen. Dereinst war sein Vater Sheriff der Stadt und bekannt sowie beliebt dafür, dass er alles und jeden im Griff hatte und Interessenskonflikte stets mit straffer Hand aber friedlich zu regeln pflegte. Große Stiefel, in die Bill erst noch hineinwachsen muss, was er denn auch mit einiger Verbissenheit nachhält. Dabei gestaltet sich der von Richard Boone gespielte Charakter des Sam Hall [der von einem inmitten der Szenerie herumlungernden Gitarrero (Terry Gilkyson) ähnlich einem antiken Kommentatoren-Chor besungen wird] wohl noch als wesentlich interessanter – ein gebildeter Dandy und Connaisseur der feinen Lebensart ist er, der keinen Hehl daraus macht, dass er dem Kuhdorf-Sheriff Jorden in jeder Hinsicht überlegen ist, der sogar als romantischer Held glaubhaft bestehen kann [Halls love interest (Coleen Gray) ist denn auch zigmal reizvoller und interessanter als Jordens platinblondes Dummchen (Mamie van Doren)] und lediglich den Fehler hat, als Auftragskiller am falschen Ende des Moralspektrums zu stehen. Natürlich gewinnt Sheriff Jorden am Ende alle gegen ihn eingegangenen Wetten und sieht Hall doch noch baumeln. Wie schön hätte ich es gefunden, wenn dieses eine Mal alles anders gekommen wäre…

8/10

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