LEGENDS OF THE FALL

„Forever turned out to be too long.“

Legends Of The Fall (Legenden der Leidenschaft) ~ USA 1994
Directed By: Edward Zwick

Montana, um 1914: Der alternde Veteran William Ludlow (Anthony Hopkins) lebt mit seinen drei Söhnen Alfred (Aidan Quinn), Tristan (Brad Pitt) und Samuel (Henry Thomas) auf einer abgelegenen Ranch. Nach seinen Erfahrungen in den Indiaerkriegen hat Ludlow den Vertrauen in Staat und Recht verloren und sich mit seinem alten Freund, dem Cree-Krieger One Stab (Gordon Tootoosis) und seiner Familie in die Einöde zurückgezogen. Als Samuel, der Jüngste, von seinem Studium im Osten zurückkehrt, bringt er seine Verlobte Susannah (Julia Ormond) mit, in die sich auch Tristan und Alfred verlieben. Susannah selbst hat bald nur noch Augen für den wildwüchsigen Tristan, einen rechten Naturburschen. Doch alle drei Brüder folgen, zum höchsten Unwillen des Vaters, dem Ruf des in Europa ausgebrochenen, Ersten Weltkriegs und finden sich bald in den französischen Schützengräben wieder. Tristan kann seinen privaten Eid, Samuel wieder gesund heimzubringen, nicht erfüllen: Der Junge stirbt im MG-Gewitter der Deutschen. Anstatt wieder daheim seinen Gefühlen nachzugeben und Susannah zu heiraten, flüchtet sich Tristan in Schuldkomplexe und zieht fortan für viele Jahre als ruheloser Abenteurer um die Welt. Alfred baut sich derweil daheim im Städtchen Helena einen Namen und ein Vermögen auf und gewinnt Susannah für sich. Als Tristan endlich nach Hause zurückkehrt, findet er den Vater von einem schweren Schlaganfall gezeichnet und verarmt. Tristan wird Alkoholschmuggler und gründet mit der Halbindianerin Isabel (Karina Lombard) eine Familie. Doch das Glück ist nicht von Dauer, denn die Ganovenkonkurrenz paktiert mit der Polizei.

Jesus H. Christ, diese gewaltige Kitschoper von Edward Zwick ist ja mal nichts Geringeres als der „Showgirls“ des Neowestern! Erst einmal vor rund zwanzig Jahren gesehen, hatte ich, der ich ja ein unbedingter Liebhaber von – gern auch extraspeziell campigen –  Hollywood-und/oder Historien-Epen bin, Lust, diese großatmige Familienchronik und Americana wieder aufzufrischen. Was ich vorfand, war so ziemlich das Unverfrorenste und Geistesärmste an Klischeetransport, das ich, zumindest in dieser monetären Größenordnung, auf Monate, wenn nicht Jahre zurückblickend zu vergegenwärtigen vermag. Unglaublich! Selbst jeder deutsche Wirtschaftswunder-Heimatfilm veräußert seine Figuren und deren Geschicke subtiler als es Edward Zwick und seine Autoren in „Legends Of The Fall“ praktizieren; selbst Höhlenmalerei erzählt ihr Sujet nunancierter als dieses Pilcher-/Roberts-/Steel-Konglomerat. Die betont pompöse Geschichte gibt sich garantiert mit keiner Verringerung eines ihrer Aspekte zufrieden; jeder einzelne Charakter muss gleich ein Archetypus sein, jede Einstellung ein Gemälde, jede Score-Okatve (Komponist James Horner ist vielleicht sogar der größte Schurke auf diesem opulenten Schurkenbasar — Jessas!) eine Sinfonie, jeder historische Bezug ein Stück Welterläuterung, jeder Racheakt ein Manifest der Vergeltung! Hier wird so dermaßen geklotzt, der Rezipient so überwältigt und durch durch die Mangel gedreht, dass jener sich im Nachhinein dreifach gehirngewaschen wähnt. Größte Attraktion der hochromantischen Liebestunnelfahrt ist natürlich Brad Pitt, der seinen späteren Ruhm, auch, wenn er sich deswegen hoffentlich noch heute in Grund und Boden schämt, vor allem der vorliegenden Schmonzette verdankt. Dieser Tristan Ludlow, den er hier spielt, ist so schön, so männlich, kernig, stark und gefühlvoll, dass selbst die Götter im Olymp noch neidisch zu ihm aufblicken müssen. Ätherischer noch als Rhett Butler, Rick Blaine und Robert Jordan in einer Person durch(sch)reitet und durchleidet er diesen Film, dass jeder andere männliche Mensch, der sich hierher verirrt, nur noch beschämt zu Kreuze kriechen kann. Natürlich hat er auch ein weibliches Äquivalent in der Person der armen Susannah Fincannon (Julia Ormond), der es trotz all ihrer wollüstigen, aber moralisch verdammenswerten Leidenschaft nicht vergönnt ist, den existenziellsten Auftrag der Frau auf Erden zu erfüllen: nämlich ein Kind zu bekommen. Dass sie sich am Ende, im Angesicht des kompletten Versagens, nurmehre eine Kugel durchs Haupt jagen kann, steht außer Frage. Die Beziehung der Brüder zueinander hat ebenfalls Bilderbuch-Charakter, findet sich in ihr doch samt und sonders jedweder Aspekt, der eine Brüderbeziehung wahlweise auszeichnen und zur Privathölle machen kann. Auch der alte Patriarch (und, ganz wichtig, Veteran!), der den Menschen liebt und den Krieg verabscheut, ist der denkbar schmuckste Vertreter seines Figurenstandes. Als Hopkins dann allerdings den vom Schlaganfall Gezeichneten spielen muss, sein Gesicht wie von einer albernen Grimasse verzehrt und ein Täfelchen um den Hals, über das er (auf dem Kopf schreibend) mit seiner Umwelt kommuniziert, da kann man einfach nicht mehr ernst bleiben, dann ist einer der vielen Momente dieses Films erreicht, indem er jede Lächerlichkeitsgrenze erbarmungslos hinter sich lässt und einfach weiter in sein Verderben rennt.
Natürlich macht gerade jene bombastisch dreiste Unverfrorenheit dieses unikale Stück, ebenso wie etwa den erwähnten „Showgirls“, besonders sehenswert. Filme wie diese scheitern so brachial auf ganzer Linie, sind so dermaßen missglückt und voller Fremdschampotenzial, dass es wiederum gleichermaßen Wagnis, Folter und Freude ist, sich auf sie einzulassen. Insofern prallt hier auch einmal mehr die abschließende Punktwertung gegen die Wände der Vernunft: man weiß, dass es totale Scheiße ist, einen Platz im Herzen belegt es aber dennoch, man stellt es sich gar gern ins Regal. Das ändert am Ende aber alles nichts daran, dass es totale Scheiße bleibt.

3/10

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