LOVELY MOLLY

„It wasn’t me…“

Lovely Molly ~ USA 2011
Directed By: Eduardo Sánchez

Nach ihrer Heirat mit dem Fernfahrer Tim (Johnny Lewis) zieht Molly (Gretchen Lodge) in das rural gelegene Haus ihrer verstorbenen Eltern zurück. Durch Tims mitunter tagelanges berufliches Engagement bleibt Molly häufig allein. Ihre tragisch verlaufene Vergangenheit – ihr Vater hatte sie selbst und auch ihre ältere Schwester Hannah (Alexandra Holden) nach dem Tod der Mutter als Kinder sexuell missbraucht und war daraufhin von Hannah ermordet worden – beginnt, sie wieder heimzusuchen und die seit langem cleane Molly greift wieder zu harten Drogen und macht unheimliche Persönlichkeitsveränderungen durch. Doch ist es tatsächlich der ruhelose Geist des Vaters oder eine andere dämonische Kraft, die sie terrorisiert oder zerbricht Mollys ohnehin fragile Psyche nach und nach?

Mit „Lovely Molly“ hat Eduardo Sánchez einen ungewöhnlichen Horrorfilm gefertigt, dessen Wurzeln im höchst realen Schrecken einer zertrümmerten Kindheit liegen. Zwar manifestieren sich auch fraglos übernatürliche Erscheinungen im Haus des frischgebackenen Ehepaars – selbst Tim wird nächtens nicht lokalisierbarer Geräusche in dem alten Gemäuer gewahr – doch Mollys rückkehrloser Niedergang in den Wahnsinn und schließlich in eine Rolle als rächende, männerhassende und geistesgestörte Mörderin könnte ebensogut auf ihre eigene, furchtbare Biographie zurückzuführen sein. Sánchez und sein Coautor Jamie Nash sind immerhin freimütig genug, zumindest einen Teil der Interpretationsoptionen dem Rezipienten und seiner Mündigkeit zu überlassen. Zudem finde ich den Gedanken begrüßenswert, „Lovely Molly“ in der Traditionslinie ähnlich gestalteter „Wahnsinnsfrauen“-Filme wie etwa Polanskis „Repulsion“, dem Nash und Sánchez ohnehin Einiges verdanken, zu betrachten. Abseits vom Subgenre der inflationär vertretenen haunted house movies erscheint eine wenig bis kaum mit phantastischer Motivik angefüllte, bodenständige Horrorstory ohnehin überaus erfrischend. Einen feisten Strich durch diese Gedanken machen dann allerdings die bonus features der Blu-ray, die in bewährter „Blair Witch“-Manier als Co-Viralmarketing für den Hauptfilm gestaltet und direkt der Homepage zum Film entnommen sind. Darin wird die Geschichte des Elternhauses von Molly als eine von langer, ebenso blutiger wie grauenhafter Entwicklung geprägte verkauft, die darüberhinaus bereits Jahrhunderte währen und etliche andere Familien und Einzelpersonen ins Unglück gestürzt haben soll. Diese bewusste Mystifizierung einer normalerweise ganz wunderbar solipsistisch funktionierenden Geschichte ist dem Endresultat eigentlich bloß abträglich und beraubt es eines nicht eben geringen Teils seiner Kraft. Insofern sollte man nicht denselben Fehler wie ich begehen und erst gar nicht in die nebulösen Erklärungsversuche um „Lovely Molly“ herum eintauchen. Sie nehmen einem allzuviel vom Film.

7/10

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