PLAYGIRL

„Juhuu! Berlin!“

Playgirl ~ BRD 1966
Directed By: Will Tremper

Das Model Alexandra Borowski (Eva Renzi) kommt nach Berlin, um ihre Liaison mit dem ihr aus Rom bekannten Unternehmer Steigenwald (Paul Hubschmid) aufzufrischen. Der jedoch setzt seinen Manager Siegbert Lahner (Harald Leipnitz) ein, um Alexandra zu vertrösten. Siegbert verliebt sich – scheinbar auf Gegenseitigkeit beruhend – heftig in die kecke Schönheit, diese jedoch weiß selbst nicht recht, was sie eigentlich will.

Die Alexandra Borowski wäre in Hollywood eine lupenreine Rolle für Audrey Hepburn gewesen, zumal Eva Renzis Porträt einer scheinmaterialistischen, jungen Frau, die ihre geraume Attraktivität bewusst einsetzt, um sich selbst das Mannsvolk zu Füßen zu legen, dabei jedoch eine einsame, verwundete Seele verbirgt und eigentlich einer festen Hand bedarf, um ihr die Flausen auszutreiben, recht unzweideutig an eine gewisse Holly Golightly erinnert.
Anhand von „Playgirl“ zeigt sich somit einmal mehr, wie der autodiktatische Filmemacher Will Tremper klassischen, amerikanischen Erzählstrukturen anhing, wie sehr er Hollywood-Vorbilder bewunderte, um sie dann erfolgreich „einzudeutschen“ und an die hiesigen Befindlichkeiten zu adaptieren. Hier und da schielt Tremper auch hinüber zu den Nachbarn von der nouvelle vague, wenn es im späteren Verlauf von „Playgirl“ darum geht, Alexandras Bindungsangst, Rastlosigkeit und Unstetigkeit darzustellen.
Ansonsten ist Tremper ein weiterer, wunderbarer Berlinfilm gelungen, der Zeit- und Lokalkolorit exemplarisch abbildet und wiederum ein Markstein ist in der zunehmend orientierungsloser werdenden deutschen Filmlandschaft. Diese hätte zu jener Zeit sehr viel mehr Persönlichkeiten vom Schlage eines Will Tremper bedurft; frischer, mutiger Erzählkünstler, die Unterhaltungskino mit Geist und Verve zu schaffen, vielleicht wäre – man verzeihe mir dies ziemlich reaktionäre Bonmot – uns dann die eine oder andere bleierne Zeit erspart geblieben.

8/10

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2 Gedanken zu “PLAYGIRL

  1. Den Film kenne ich nicht bzw. habe ich nicht gesehen, aber Paul Hubschmidt kannte ich persönlich durch seine Rollen im Theater am Kurfürstendamm und verschiedene Abendessen im „Altberliner Schneckenhaus“ zusammen mit seiner ganzen Crew.
    Das ist zwar auch lange, aber soooo lange nun auch wieder nicht her. Aber die Zeiten – sie waren einfach schön. Heutzutage finde ich sie nicht mehr so schön. Aber das liegt anscheinend am Älterwerden.

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  2. Herzlichen Dank für deinen Kommentar, liebe Hildegard. Es freut mich besonders, dass sozusagen jemand aus der „Szene“ meine Eindrücke liest. Wenn du Paul Hubschmid als Schauspieler schätzt, dürfte sich „Playgirl“ für dich sehr lohnen. Wie alle Tremper-Filme zählt er zum Besten, was das deutsche Kino der sechziger Jahre zu bieten hat. Der Film ist mittlerweile in preiswerter Zweitauflage (wieder) auf DVD erhältlich.

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