WORLD WITHOUT END

„The surface of the Earth was meant for man. He wasn’t meant to live in a hole in the ground!“

World Without End (Planet des Grauens) ~ USA 1956
Directed By: Edward Bernds

Im Zuge einer Erkundung des Mars geraten die vier Astronauten Borden (Hugh Marlowe), Galbraithe (Nelson Leigh), Ellis (Rod Taylor) und Jaffe (Christopher Dark) mit ihrer Rakete in einen Zeitstrudel, der sie rund fünf Jahrhunderte in die Zukunft katapultiert. Die Menschheit ist in dieser postatomaren Welt in zwei Lager gespalten: Draußen leben die teilweise durch Strahlung missgebildeten „Bestien“, Mutanten, deren Sprache und aggressives Gebahren sich auf atavistisches Niveau zurückentwickelt hat, und in einem unterirdischen Höhlensystem jene Sprösslinge, deren Vorfahren einst die rechtzeitige Flucht vor dem Fallout gelang. Diese Menschen sind technisch wie ethisch hochentwickelt und gegen jede Form von Kombattanz, trauen sich jedoch aus Angst vor den Bestien nicht an die Oberfläche, weshalb jede ihrer Generationen anfälliger für Krankheiten wird. Die vier Zeitreisenden beschließen, das Höhlenvolk wieder zurück an die Luft und zum Licht zu führen, entgegen den Plänen des eifersüchtigen Intriganten Mories (Booth Colman).

Na sowas! Bereits vier Jahre vor seiner Reise mit der berühmten wells’schen Zeitmaschine zu den Morlocks und Eloi wagte Rod Taylor bereits einen Trip in die etwas nähere Zukunft, und dazu sind die Parallelen zur herrlich viktorianisch geprägten Dystopie des großen Phantastik-Autors hierin gleich noch unübersehbar. Auch in „World Without End“ hat das Armageddon nämlich zwei humane Ableger hervorgebracht – mutierte Neandertaler und anämische Höhlenbewohner, die unter der Kampfeslust ihrer tumben Antagonisten zu leiden haben. Ob die „Bestien“ auch kannibalisch unterwegs sind, lässt sich lediglich mutmaßen, ansonsten bleiben die politischen Implikationen eines H.G. Wells in dem schön spekulativen „World Without End“ ohnehin unbeachtet. Für Bernds zählen dann doch mehr gute Laune und unbedarfte Unterhaltsamkeit, um sein postapokalyptisches Szenario an den sensationslüsternen Autokino-Zuschauer zu tragen: Bunte Riesenspinnen aus Gummi, wie sie auch einen Edward Wood begeistert hätten, wolllüstige Damen, die auf die kernigen Kerls aus der Vergangenheit angesichts ihrer gegenwärtigen, impotenten Pendants geradezu sehnsüchtig gewartet haben und ein Zukunftsbild, so einfältig wie bezwingend. Dass es am Ende mithilfe eines zwangsweise konstruierten Raketenwerfers gelingt, die hässlichen Mutanten zu verbannen und die von ihnen geknechteten, nicht entstellten Außenbewohner mit den vormaligen Tunnelmenschen zu versöhnen, gehört zum guten Ton. Dass erstere allerdings immer noch zottig und in Bärenfelle gehüllt umherschlawinern, derweil ihre „kultivierten“ Zeitgenossen sich gepflegt darüber amüsieren, kündigt bereits die Dämmerung einer neue Zweiklassengesellschaft an: Sklave bleibt eben Sklave und Malocher bleibt Malocher, daran ändern auch fünf Centennien sozialökonomischer Irrungen und Wirrungen nix.

7/10

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