LATE PHASES

„Goodbye, son.“

Late Phases ~ USA 2014
Directed By: Adrián García Bogliano

Der erblindete Vietnam-Veteran Ambrose McKinley (Nick Damici) kommt mit seinem Hund Shadow in die kleine Seniorenresidenz Crescent Bay, ein von der Außenwelt abgeschottetes, idyllisch gelegenes Dörfchen. Gleich in der ersten Nacht im neuen Heim attackiert und zerfetzt ein Werwolf Ambroses nette Nachbarin (Karen Lynn Gorney) und tötet außerdem den armen Shadow, der sein Herrchen beschützen will. Ohne den Angreifer gesehen zu haben, geschweige denn, seine Vermutung nach außen zu tragen, ist Ambrose klar, welch übernatürliches Wesen Crescent Bay bei Vollmond unsicher macht. Also nutzt er eifrig die Monatsfrist bis zum nächsten Zyklus, um sich auf die zweite Begegnung mit der Kreatur sorgsam vorzubereiten.

Heuer einen ordentlichen Werwolffilm auf die Beine zu stellen, ist kein leichtes Unterfangen im Horrorgenre: Geisterspuk und Dämonenunwesen bestimmen das Panorama, der Zombie hat sich vom schundigen Untergrundschlurfer zur weitflächig akzeptierten TV-Format gemausert und hier und da verheiratet sich ein Vampir mit der Arthouseschiene. Da tut „Late Phases“, der sein lykanthropes Sujet überaus erflgreich mit einem Geriatriedrama vermischt, sehr wohl. Trotz seines sanften Humors nimmt Bogliano, dessen erste US-Produktion dies ist, seine Geschichte hinreichend ernst und entgeht geschickt sämtlichen Fallschlingen, die zur Denunziation seines Protagonisten führen könnten. Ambrose McKinley ist über den verlorenen Krieg hinweg ausgebrannt und hat sein schleichendes Erblinden als moralische Strafe akzeptiert.Von seinem Sohn (Ethan Embry) hat er sich schleichend entfremdet und er weiß, dass Crescent Bay für Menschen wie ihn oftmals die letzte irdische Station darstellt. Kurz: Ambrose hat keinen Grund, zu lächeln, was er ergo auch niemals tut. Dennoch verkneift er sich keinerlei sardonische Zynismen, die mit seinem Alter und seiner Behinderung zu tun haben und macht sich somit unter den Tee trinkenden Seniorinnen seiner Nachbarschaft in höchstem Maße unbeliebt. Doch urplötzlich ist da eine letzte Mission, sogar mit ganz privater Agenda: Ein Werwolf will ausgeschaltet werden und dazu einer, der ausgerechnet Ambroses besten Freund, nämlich seinen Hund, auf dem Gewissen hat. Doch die Bestie ist nicht dumm: Sie holt sich für das finale Duell weibliche Verstärkung, denn auch Werwölfe nehmen gewisse Dinge persönlich. Wie vielschichtig und klug Bogliano und Autor Stolze daraus dieses kleine Kammerspiel fertigen, das besitzt genau das Maß an Originalität, dass der sich immer rarer machende Werwolffilm heuer benötigte. Vielen Dank dafür.

8/10

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