LE FABULEUX DESTIN D’AMÉLIE POULAIN

Zitat entfällt.

Le Fabuleux Destin D’Amélie Poulain (Die fabelhafte Welt der Amélie) ~ F/D 2001
Directed By: Jean-Pierre Jeunet

Spätsommer in Paris, 1997: Lady Di und Dodi Al-Fayed hatten gerade ihre tödlichen Unfall, da stößt die etwas spleenige Bistro-Kellnerin Amélie Poulain (Audrey Tautou) in ihrer Wohnung auf ein dort vor langer Zeit verstecktes Zigarrenkistchen, das die wichtigsten Besitztümer eines kleinen Jungen enthält. Von diesem Moment an weiß Amélie: Sie will Leuten helfen, glücklich zu sein. Sie verkuppelt zwei griesgrämige Zeitgenossen (Dominique Pinon, Isabelle Nanty), verwöhnt ihren zurückgezogen lebenden Nachbarn (Serge Merlin) mit bezaubernden Video-Aufzeichnungen, schickt den Gartenzwerg ihres vereinsamten Vaters (Rufus) auf eine vermeintliche Weltreise und rächt den traktierten Gemüsehändlersgehilfen Lucien (Jamel Debbouze), indem sie seinem bösartigen Chef (Urbain Cancelier) fiese Streiche spielt. Doch als es dann darum geht, das eigene, ganz persönliche Glück in Person des Sexladen-Angestellten Nino (Mathieu Kassovitz) nicht aus den Händen gleiten zu lassen, braucht auch die brillante Strategin Amélie einmal Hilfe.

Filme, die jeder liebt, haben natürlich ab einem gewissen Punkt auch ein Problem: Es schickt sich irgendwann nicht mehr, sie zu lieben, eben, weil sie ja jeder liebt. Und wie steht man als bekennender Filmliebhaber da, wenn man sich vorbehaltlos einem – oder, noch schlimmer – dem Konsens anschließt? Als Konformist, Simplifizierer, schlimmstenfalls als stromlinienförmig gar! Aber „Le Fabuleux Déstin D’Amélie Poulain“ kann man nicht anders als lieben, auch, wenn seine Bilder und noch viel mehr seine Musik mittlerweile Massenkulturgut sind, man vor ihm auch jetzt, da er sozusagen nach 14 Jahren bereits das Alter der Strafmündigkeit erreicht hat, sozusagen gar nicht mehr weglaufen kann. Die Gefahr der akuten Überzuckerung besteht fort, weil Audrey Tautou so hübsch und bezzaubernd ist mit ihrem verschmitzten Kleinmädchenlächeln und ihre Stahlkappen-Doc-Martens wohl vornehmlich deshalb trägt, damit sie nicht einfach wie eine Elfe abhebt in den grün eingefärbten Pariser Sommerhimmel mit all seinen Kaninchen- und Teddybären-Wölkchen. Aber so ist sie, die Amélie, notre Amélie, und so wird sie wohl auch auf ewig Bestand haben. Und, na ja, der Film, der ist eben so erzfranzösisch, witzig, verschroben und kreativexplosiv, wie es nur eben geht, und er transportiert vor allem das, was wir uns alle wünschen und nur höchst selten bekommen: le vrai savoir-vivre. In der Depressionsforschung gibt es nämlich unter den vielen Ratschlägen, wie man zumindest einer leichten depressiven Phase vorbeugen kann, auch den, seinem Alltag möglichst altruistisch zu begegnen. Der eigentliche Kniff liegt nun darin, nicht zum Altruisten aus Selbstzweck zu werden, sondern zum echten, wirklich uneigennützigen Altruisten. Andere glücklich zu machen, ohne dabei an die eigene Befriedigung zu denken, das macht, zumindet kurzfristig, auch den Glücksstiftenden glücklich. Für zwei Stunden ist das dann Jean-Pierre Jeunet, der eigentlich immer recht Eigenwilliges vorlegt, sich über die Erzähldistanz von“Le Fabuleux Déstin D’Amélie Poulain“ und auch darüber hinaus kurzerhand selbst zum Altruisten deklarieren konnte (und kann). Denn es macht unverhohlen und überaus glücklich, Amélie für jene zwei Stündchen beim Glücklichmachen beizuwohnen und vor allem auch, sie selbst am Ende so verdientermaßen glücklich zu sehen. Daran kann nichts falsch sein, trotz verwerflicher, millionenfacher Einigkeit.

10/10

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