JURASSIC WORLD

„We need more teeth.“

Jurassic World ~ USA/CN 2014
Directed By: Colin Trevorrow

22 Jahre nach dem Debakel auf der Isla Nublar bei Costa Rica ist das Projekt „Geklonte Dinosaurier als Freizeitparkthema“ vor Ort doch noch Realität geworden. Der Kopf des Ganzen ist Simon Masrani (Irrfan Khan), achtreichster Mann der Welt und mittlerweile Hauptteilhaber von InGen. Geleitet wird ‚Jurassic World‘ (der Wortteil „Park“ ist seit der einstigen Katastrophe ein Nogo) von der emsigen, aber auch furchtbar trockenen Claire Dearing (Bryce Dallas Howard), die übers Wochenende ihre beiden Neffen Gray (Ty Simpkins) und Zach (Nick Robinson) in den Park eingeladen hat. Claires und Masranis momentanes Hauptaugenmerk gilt derweil einem aus verschiedenen Erbmaterialien „zusammengestellten“, neuen Dinosaurier, dem ‚Indominus Rex‘. Als es der nicht nur tödlichen, sondern auch überaus intelligenten Bestie gelingt, aus ihrem Gehege auszubrechen, geraten die Tausende von Besuchern des Parks, darunter natürlich auch die beiden Jungen, in tödliche Gefahr. Glücklicherweise gibt es da noch den Ex-Navy-Infanteristen Owen Grady (Chris Pratt), dem es gelungen ist, eine Gruppe von Raptoren zu trainieren und mit deren Hilfe gegen den Indominus Rex zu Felde zieht.

Ebenso dreist wie liebenswert naiv spult „Jurassic World“, der immerhin Joe Johnstons spürbares, geflissentliches Desinteresse am Franchise im vorletzten Teil desselben wieder vergessen macht, sein denkbar simples Konzept ab. Dreist im Hinblick auf die Intelligenz des sich zumindest mündig wähnenden Zuschauers, naiv in Bezug auf sein Selbstbild. Der Film des im Blockbuster-Inszenierungsgeschäft noch neu situierten Colin Trevorrow atmet gleich von Beginn an aus jeder Pore den verzweifelten Ansatz, ein halbwegs sinnstiftendes Reboot innerhalb des „Jurassic“-Franchise auf die Beine zu stellen, was im Klartext bedeutet, die avisierten Zuschauergenerationen zufrieden zu stellen. Mehr oder weniger geschickt arrangierte, inhaltliche Brückenschläge zum Originalfilm, wie etwa die Rückkehr des Genetik-Experten Dr. Wu (BD Wong; Bezüge zu den Teilen 2 und 3 werden im Übrigen sanft aber bestimmt „überlesen“) als In-Jokes, junges Darstellerblut und vor allem größere und gefährlichere Dinos. Natürlich hat man aus den bisherigen Katastrophen auf den Islas Nublar und Sorna rein gar nichts gelernt; des seligen Ian Malcolms Erkenntnis „Nature finds its way“ sowie seine messerscharfen Konstatierungen zur Chaos-Theorie verhallen nach wie vor angesichts sträflich mangelnder, wissenschaftlicher Ethik und unverhohlenen Profitstrebens. Und weil der Pöbel auch nach Jahrtausenden noch sensationsgierig und dumm ist, reist er gleich in den Scharen zur „Jurassic World“ – einen weiteren Stromausfall bzw. geldgeilen Industriespion wie seinerzeit den dicken Dennis Nedry wird es schon nicht geben. Jedoch, so simpel das Prinzip, kein Unfall, kein neuer Film. Man darf schon jetzt gespannt sein, welche fadenscheinige Inhaltsprämisse die erfolgsverwöhnte Universal für die nächste Installation aus dem Hut zaubert. Doch halt, stimmt ja gar nicht: in einer der hinteren Ecken der Mottenkiste gibt es ja noch den uralten „Alien“-Hut von den missbräuchlerischen Militärs, die die unbedingt Monster als B-Waffen einsetzen wollen. Die könnte man ja noch zusätzlich einflechten. Kurz spekuliert, flugs umgesetzt. Vincent D’Onofrio repräsentiert jene unsäglichen Kommissköpfe, die ebenso lernresistent sind wie alle anderen, die glauben, sie dürften mit unkontrollierbaren Mächten herumpfuschen. Dass er dafür die kongeniale Strafe empfängt, muss wohl kaum erwähnt werden. Der eindeutigste Gegenwartsbezug manifestiert sich jedoch im Inventar des menschlichen Personals: Anstelle sophistisch auftrumpfender Helden wie damals der grandiosen Goldblum und Sam Neill erhält man anno 2015 Chris Pratt. Mehr muss dazu kaum gesagt werden und darin liegt, etwas pointiert formuliert, zugleich die ganze Crux von „Jurassic World“: Ohne Spielberg und seine visionäre Energie auf dem Regiestuhl  sind die Dinos eben doch kaum mehr denn Plastikfigürchen aus dem Spielzeugtruhe. Ziemlich coole Figürchen zwar, mit denen es zwei Stunden durchaus Spaß macht zu spielen, aber danach, wenn das Interesse sich ziemlich rasch und widerhalllos verflüchtigt, verschwinden sie dann doch wieder in ihrer Kiste. Und bleiben da vorläufig auch drin.

6/10

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