THE BOYS NEXT DOOR

„They’re anarchists, man. It means they’ll fuck anything!“

The Boys Next Door (Blind Rage) ~ USA 1985
Directed By: Penelope Spheeris

Die Highschool ist beendet, als nächstes steht die Maloche an: Für die beiden besten Freunde und Einzelgänger Roy (Maxwell Caulfield) und Bo (Charlie Sheen) nicht die attraktivsten Aussichten. Natürlich muss diese Lebenszäsur ergo von einem großen Knall begleitet werden und der eröffnet sich in Form eines kurzerhand eingestielten Kurztripps nach L.A.. Doch Bo und besonders Roy sind Psychopathen. In der Schule waren sie stets missachtete Außenseiter, vor denen man ob ihrer Unberechenbarkeit andererseits jedoch ein gehöriges Maß an Respekt zu wahren hatte. Für Bo sind Liebe und Zärtlichkeit unnachvollziehbare Regungen, was er in unterdrücktem Hass und Gewaltphantasien kanalisiert. Roy derweil besitzt keinerlei Respekt oder Toleranz gegenüber Andersdenkenden und betrachtet Frauen und Mädchen als reine Sexualobjekte. Kaum in Los Angeles angekommen, entfacht das Duo einen Reigen der Gewalt, an dessen Ende allseitige Verständnislosigkeit steht.

Mit filmischen Psychogrammen innerlich motivierter Gewaltverbrecher ist es so eine Sache: Oftmals verwechseln sie ihr ursprüngliches Anliegen mit der Bedienung von Genrestandards, driften in Klischees ab oder formulieren ihre Intention zur umfassenden Gesellschaftskritik um. Dennoch ist dieses Subgenre voll von packenden, erschütternen und nachhaltigen Werken. Dazu gehört auch „The Boys Next Door“, der mit Maxwell Caulfield und Charlie Sheen zwei potenzielle Kino-Sunnyboys der achtziger Jahre vorführt, nur um sie zum ersten und einzigen Serienkillerduo des Brat Pack zu deklarieren. Penelope Spheeris, California-Chronistin und Detektivin juveniler Befindlichkeiten, beginnt ihren Film mit der Vorstellung einiger bekannter Seriengewalttäter, deren notorisches „Renomee“ es mittlerweile auch zu uns geschafft hat: Henry Lee Lucas oder David Berkowitz etwa kennt man. Am Ende stehen acht Porträts neben- und untereinander, von denen zwei noch unbesetzt sind und umgehend wird klar: der nachfolgende Film wird die entsprechenden Antlitze liefern. Die Ursachenforschung, also das, was man über Roy und Bo erfährt und was sie letztlich zu ihren Taten treibt, bleibt eher diffus. Bos Eltern lernt man nicht kennen, man ahnt jedoch, dass man sich wenig bis gar nicht füreinander interessiert. Roys Vater ignoriert seinen Sohn kurzerhand zugunsten des Fernsehens. Anlass für Spekulationen, woher diese unzweideutig kaputten Verhältnisse rühren, geben diese Andeutungen zwar, jedoch lässt Spherris einem dafür kaum Zeit. In L.A. angekommen kommt es dann zu ersten handfesten Gewalteruptionen und Boshaftigkeiten gegenüber irgendwelchen Passanten, später wird Roy noch mehrfach explodieren und mehrere Menschen aus unterschiedlichen Gründen töten. Bo, der es bis zum gewissen Grad mit seinem besten Freund hält, erkennt am Ende zumindest die Ausweglosigkeit der Situation. Nun, wirkliche Repliken auf seine zu Beginn gestellten Fragen hält der Film nicht bereit, verlangt diese jedoch auch gar nicht von sich. Es geht ihm vielmehr um die abrisshafte Darstellung eines Zustandes, einer Teilmilieuzeichnung mit ihren möglichen Folgen und Auswüchsen. In dieser augenscheinlichen Banalität ist „The Boys Next Door“ erschreckender, als es zunächst den Anschein macht.

8/10

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s