WAR HORSE

„We’ll be alright Joey. We’re the lucky ones, you and me.“

War Horse (Gefährten) ~ USA/UK 2011
Directed By: Steven Spielberg

Devon, 1912. Der junge Farmerssohn Albert Narracott (Jeremy Irvine) kennt das Pferd Joey bereits seit dessen Geburt und seither existiert zugleich eine Verbindung zwischen den beiden. Zwischenzeitlich gelingt es Albert sogar, Joey mit viel Liebe und Geduld vom Reitpferd zum Ackergaul umzuerziehen. Dann jedoch, der Kriegsdonner beginnt das Festland zu erschüttern, wird das Tier von der Kavallerie zu Kampfeszwecken beschlagnahmt und erlebt, stets am Rande des Todes entlanggaloppierend, eine abenteuerliche Odyssee an den Fronten entlang, bis Albert und Joey sich eines Tages wiederbegegnen.

Spielbergs später Versuch, einen John-Ford-Film zu machen. Geht erwartungsgemäß, trotz aller ehrbarer Bemühungen, nie ganz auf. Wenn der Filmemacher, der ja einer der denkbar amerikanischsten ist, versucht, englisches Heimatkino zu machen, dann sieht das nach allem aus, sogar nach Mittelerde – bloß nicht nach Devon. Und das, obwohl sogar vor Ort gefilmt wurde. Das muss man auch erstmal hinbekommen. Die Reise des armen Pferdes Joey durch die Kriegswirren ist natürlich als eine Art abenteuerlicher Analogie gedacht. Wie ein literarischer Simplicissimus wechselt die ebenso edle wie unschuldige Kreatur unfreiwillig Fronten und Seiten, hat einen besten (Pferde!-)Freund, dem es zwischenzeitlich sogar das Leben rettet, hilft einem kaiserlichen Soldaten (David Kross) beim Desertieren, gehört mal einem behinderten, französischen Waisenmädchen (Céline Buckens), wird von einem deutschen Gefreiten (Nicholas Bro) beschützt, und später, nach wildem Lauf eingewickelt in Stacheldraht, im Niemandsland von einem englischen (Toby Kebbell) und einem deutschen Soldaten (Hinnerk Schönemann) gemeinschaftlich losgeschnitten. Das ist weitaus mehr als manch gemeiner Frontsoldat zu berichten hatte. „War Horse“, begleitet von einer durchweg europäischen Hochklassebesetzung, liegen ein britischer Kinderroman und ein wiederum auf diesem fußendes Theaterstück zugrunde, was einiges erklärt, aber nicht alles entschuldigt. Spielbergs Film ist nämlich gar kein Film für Kinder, sondern unübersehbar einer für Erwachsene. Für Erwachsene wie Spielberg. Ein Film somit, der, wie es sich gehört, den Ersten Weltkrieg als von Grauen, Verlust und Tod zeichnet, in dem das Überleben nur durch Wunder geschehen konnte. Die Idee, den Krieg in all seiner Unerbittlichkeit nun aus der Perspektive eines Pferdes zu zeigen, ist nicht schlecht, von Spielberg jedoch einfallslos, weil schlicht zu romantisch, in Bilder übersetzt worden. Um etwas so Schäbiges wie den Stellungskrieg zwischen den Schützengräben oder Senfgasattacken zu zeigen, sieht „War Horse“ nicht nur zu gut aus, er meint es auch zu gut. Verzweifelt will er es allen rechtmachen – den Deutschen, den Alliierten, der Zivilbevölkerung und ganz besonders den bislang noch weithin unbesungenen Tieren, die im Namen der Kriege der Menschen noch vor hundert Jahren vielfach ihr unschuldiges Leben lassen mussten – und ist damit auf eine allzu weiche Weise versöhnlich, unvermeidliches happy end inklusive. Spielberg at his best and even at his better sieht anders aus.

6/10

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