DIDI UND DIE RACHE DER ENTERBTEN

„Sie krieg‘ ich raus, und wenn ich hier’n Studentenwohnheim draus machen muss!“

Didi und die Rache der Enterbten ~ BRD 1985
Directed By: Dieter Hallervorden/Christian Rateuke

Als der alte Gustav Böllemann (Dieter Hallervorden) das Zeitliche segnet, wetteifern seine verbliebenen, durchweg unkoscheren Anverwandten um die beträchtliche Erbschaft. Doch an Gastronomiekritiker Titus, Tante Florentine, Wissenschaftler Albert, Söldner Kongo-Otto und Mafioso Emilio (allesamt Dieter Hallervorden) entfällt leider nichts von den rund dreißig Millionen Märkern. Zum Alleinerben ernennt Gustav via Videotestament hingegen den Sozialfall Dieter Dödel (Dieter Hallervorden), der als Tagelöhner in Kreuzberg dahinvegetiert – weil dieser Gustav nie angeschnorrt habe. Doch von Notar Prätorius kommt ein feiner, aber entscheidender Hinweis: Sollte Dödel unerwartet ableben, entfiele das Erbe doch noch an die Restverwandtschaft. Während Didi also versucht, die letzten Groschen für eine Currywurst zusammenzukratzen, macht sich die liebe Familie auf, ihn mittels ganz unterschiedlicher Methoden um die Ecke zu bringen…

Der Tod und der Didi: Hallervordens schwärzeste Komödie (und wohl gleich nach dem Vorjahreshit „Didi – Der Doppelgänger“ auch seine erfolgreichste – von späten, schweigerschen Alzheimer-Dramödien freilich abgesehen), eine Hommage an Robert Hamers „Kind Hearts And Coronets“ mit Alec Guinness in siebenfacher Rolle, macht wahrlich keine Gefangenen und ernennt die unterschiedlichen Mordversuche der Verwandten zu einer von mehreren Humorbasen. Dabei fallen die Böllemanns und ihre Adlatusowie in aller Regel den selbst gestellten Waffen und verwendeten Waffen zum Opfer. Mindestens ebenso witzig sind jedoch die vielen kleinen, vermeintlichen Nebenepisödchen und Nebenfigürchen, als da sind: die beiden Polizeiermittler Becker (Gerhard Wollner) und sein völlig verpeilter Azubi Langenhagen (phantastisch: Christoph Hofrichter), Tinchens gequälter Ehemann Rüdiger (Gert Burkard), Wolfgang Kieling als gieriger Notar Prätorius (der Rollenname ist hier selbstredend Programm), Gert Haucke als cholerischer Hauswirt, DÖF-Sänger Manfred Tauchen als schmieriger Buchvertreter, Herbert Weissbach als notgeiler Senior Herr Stuckenschmidt und natürlich Karl Schulz als immermüder Killer Alfredo. Erst all diese wunderbar bizarren Klein- und Kleinstcharaktere und die ihnen jeweils anhängenden Szenen vollenden „Didi und die Rache der Enterbten“ in seiner schnippischen bis urkomischen Form als Groteskkomödie. Die Mehrfachauftritte des Hauptdarstellers in ein- und derselben Szene sind technisch häufig so geschickt wie verblüffend gelöst, dafür gibt es manch anderen, vermeidbaren Anschlussfehler, der den Film liebenswert unperfekt erscheinen und mit denen es sich angesichts der sonstigen Güte ganz gut leben lässt.
„Didi und die Rache der Enterbten“ bildete bekanntermaßen ja den letzten Film seiner Art aus hallervordenschem Hause, da der Künstler die Blödelkunstfigur des ‚Didi‘ peu à peu ad acta zu legen und fortan lieber in Sozial- und Politsatire zu machen gedachte. Darüber kann man sicherlich geteilter Meinung sein. Einserseits ist es natürlich schade, dass man mit lediglich zwei filmischen Höhepunkten auskommen muss, andererseits sind „Der Doppelgänger“ und „Die Rache der Enterbten“ wahrscheinlich ohnehin unwiederholbare Kulturdokumente ihrer Ära und verdienen als solche gleichfalls eine monolithische Position im bundesdeutschen Komödienfach.

8/10

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