RANSOM!

„Now I see why the unemployed have so many children.“

Ransom! (Menschenraub) ~ USA 1956
Directed By: Alex Segal

Der ganze Stolz des wohlhabenden Ehepaars Dave (Glenn Ford) und Edith Stannard (Donna Reed) ist sein kleiner Sohn Andy (Bobby Clark). Als dieser eines Tages nicht von der Schule nach Hause kommt und sein Verbleib sich nicht klären lässt, wird die schreckliche Angst zur Gewissheit: Der Junge wurde das Opfer von Kidnappern. Diese fordern bald eine halbe Million Dollar Lösegeld. Derweil wird das Haus der Stannards zur Ersatz-Polizeistation mitsamt Abhöranlage umfunktioniert, den aufdringlichen Reporter Telfer (Leslie Nielsen) stets in nächster Nähe. Bald bekommt auch die Öffentlichkeit Wind von den Geschehnissen. Dave wird unterdessen zusehends unsicher, ob sein Sohn überhaupt noch lebt bzw. lebend aus der Sache herauskommen kann. Also trifft er einen folgenschweren Entschluss: Er appelliert live im Fernsehen an die Entführer, den Jungen freizulassen, von dem verlangten Geld würden sie jedenfalls keinen Cent sehen. Stattdessen setzt Dave im Falle, dass Andy etwas passieren sollte, die Summe als Lösegeld aus. Als sich Stunden nach der Ansprache immer noch nichts tut und Andys blutiges T-Shirt gefunden wird, beginnt Dave an der Richtigkeit seiner Aktion zu zweifeln.

Vierzig Jahre vor Ron Howards gleichnamigem Remake (auf das spektakuläre Ausrufezeichen im Titel musste dieses allerdings verzichten) gab es Alex Segals weitaus spannenderes, psychologisch fundierteres und intelligenteres Original. Als später film noir beschränkt sich dieses auf eine kammerspielartige Atmosphäre, aus der man ein hervorragendes Bühnenstück hätte zimmern können: Nahezu einziger Handlungsschauplatz (mit Ausnahme zweier Szenen) ist das Haus der Stannards, in dem sich etwa 72 Stunden Wohl und Wehe abspielen. Das liebenswerte, erfrischend bodenständige Ehepaar wird mit der Kidnapping-Nachricht geradewegs durch die Hölle getrieben. Vor allem Mutter Edith scheint aufgrund der Ereignisse einen nachhaltigen psychischen Schaden davonzutragen, während Vater Dave (Glenn Ford wird man selten besser sehen), der im Beruf gewohnheitsmäßig jede komplizierte Lage mit Entschlossenheit und Führungsqualität meistert, vor allem infolge seiner ungewohnt hilflosen Situation zu zerbrechen droht. Die Entscheidung, die Lösegeldsumme schließlich gegen die Kidnapper einzusetzen, verursacht dann den endgültigen Zusammenbruch.
Segals „Ransom!“ ist alles andere als ein greller Actionfilm, sondern ein im besten Sinne kleines, intimes Familiendrama, das sich nicht für etwaige, rachsüchtige Impulsivitäten seiner Protagonisten, sondern für deren alltägliche Angreifbarkeit und deren Folgen interessiert. Über die Kidnapper erfährt man praktisch gar nichts, sie stehen als eine im Grunde austauschbare, ungreifbare Entität im Hintergrund, die dann zwar schlussendlich klein beigibt, jedoch ungefasst bleibt und jederzeit und an anderer Stelle erneut zuschlagen könnte.

8/10

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