SIEBEN TAGE FRIST

„Ein schönes Internat, dieses Internat.“

Sieben Tage Frist ~ BRD 1969
Directed By: Alfred Vohrer

In einem elitären Jungeninternat an der Nordseeküste läuft einiges quer zum Unterrichtsalltag: Der renitente, aufmüpfige Kurrat (Arthur Richelmann), Sohn eines einflussreichen, hiesigen Großindustriellen (Otto Stern), betreibt am Strand einen kleinen Privatclub mitsamt Alkohol und Stripaktionen für seine exzessbedürftigen Mitprimaner. Was dem jungen Lehrer Hendriks (Joachim Fuchsberger) etwas seltsam vorkommt, ist für den alteingesessenen Kollegen Fromm (Konrad Georg) derweil längst nichts Aufregendes mehr. Dennoch gerät er eines Tages mit Kurrat aneinander, als er diesen fälschlich verdächtigt, seinen Hund gequält zu haben, und versetzt ihm öfentlich ein paar Ohrfeigen. Daraufhin folgt ein ernstes Gespräch mit der Schulleitung und Kurrat Senior, worin sich jedoch die Konsequenz für Fromm erschöpft. Kurze Zeit später verschwindet Kurrat spurlos und die Leiche des Lehrers Stallmann (Paul Albert Krumm) wird am Strand gefunden. Für Hendriks und en ermittelnden Inspektor Klevenow (Horst Tappert) ein Mysterium, dass sich erst mit Kurrats baldigem Wiederauftauchen lösen lassen wird…

Ein überaus feiner Kriminalfilm, der sich irgendwo zwischen die Stühle atmosphärisch verkehrter „Pauker“-Filme, der späten Wallace-Adaptionen und Verangenheitsbewältigung setzt und dort ein recht exklusives Plätzchen belegt. Nicht von ungefähr mutet das Handlungskonstrukt an wie stark von „Fünf unter Verdacht“ beeinflusst, wenngleich eine unmittelbare Beziehung, etwa als inoffizielles Remake, sich nicht herstellen lässt, da beide Filme auf unterschiedlichen literarischen Vorlagen fußen. Nichtsdestotrotz fühlte ich mich stark an Hoffmanns Film erinnert, denn auch hier geht es um eine Privatschule in Küstennähe, an der er zu kalter Jahreszeit brodelt und rumort und wo sich hinter den Kulissen wesentlich Ärgeres abspielt als postpubertäre, bourgeoise Unflätigkeiten. Zudem lehnt sich Tapperts Figur des Zigarrenstummel spuckenden, belesenen Ermittlers sehr direkt an die des einst von Hans Nielsen gespielten Kriminalers an.
Doch wie dem auch sei, „Sieben Tage Frist“ katapultiert des Publikum in mehrfacher Hinsicht in die Gegenwart. Eine homosexuelle Schüler-Lehrer-Beziehung gibt es da und unter der Internatsschülerschaft wundersamerweise (jedoch von der Produktion mit Sicherheit gezielt dort platziert) einen Farbigen. Die Auflösung bzw. Aufdeckung und Motivation des Täters sind in „Sieben Tage Frist“, dessen Titel sich am Ende als eminent für die Lösung des Falles erweist, ferner gänzlich anderer Natur und begeistern in ihrem Einfallsreichtum, abseits von der vortrefflichen Photographie von hochnordwinterlicher Küste nebst Hafenstädtchen (Ernst W. Kalinke) nochmal zusätzlich. Der Lehrer Fromm, der einem mit seinem kleinen Hund und als in die Jahre gekommener Zyniker so gar nicht unsympathisch vorgezeichnet ist, muss sich also als eines unserer ungeliebten Vergangenheitsphantome entpuppen lassen. Ganz schön perfid, ganz schön progressiv in jedem Falle aber: ganz schön! Deutscher Kino-Kanon, nichts darunter!

9/10

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