INSEMINOID

„That’s enough!“

Inseminoid (Samen des Bösen) ~ UK 1981
Directed By: Norman J. Warren

In der Zukunft der bemannten Raumfahrt: Ein mehrköpfiges Team von Wissenschaftlern soll den Verbleib einer vermissten Expedition auf einem fremden Planeten untersuchen. Augenscheinlich ist dessen vormalige Bevölkerung aufgrund bis dato unbekannter Umstände vollständig ausgelöscht worden. Der Grund dafür findet sich offenbar in einem unterirdisch gelegenen Tunnelkomplex, den die Forscher in Augenschein nehmen. Irgendwo darin versteckt harrt eine feindliche Lebensform aus, die nur darauf wartet, einen Wirt für seine Brut ausfindig zu machen. Nachdem bereits das Teammitglied Ricky (David Baxt) unselige Bekanntschaft mit den Kreaturen geschlossen hat und sich nach einer komatösen Phase bedenklich zu verändern beginnt, gerät auch Sandy (Judy Geeson) in die Fänge eines Monsters, das sie schwängert. Binnen kürzester Zeit wächst Sandys unfreiwillig empfangene Leibesfrucht heran und auch sie selbst steht unter dämonischem Einfluss: Um ihre Brut zu beschützen, beginnt sie mit allen Mitteln die anderen Teammitglieder zu dezimieren.

Eines der vier zeitnah entstandenen, recht unverhohlen abgekupferten „Alien“-Rip-Offs, das, diesmal aus England stammend, einmal mehr mit derselben, altbekannten Story hausieren geht, sich jedoch rühmen darf, innerhalb seines flotten Quartetts der visionärste Film zu sein. Immerhin nimmt „Inseminoid“ diverse Ideen des gesamten, noch folgenden „Alien“-Franchise vorweg, insbesondere betreffs der Entwicklung Ellen Ripleys. Wie diese später wird nämlich auch die hierin agierende, unglückliche Protagonistin zur Ersatzmutter und Stammhalterin der (diesmal glubschäugigen) Monstren, wobei sich infolge der Einpflanzung das genetische Material von Mensch und Ungeheuer vermischt und Sandy zu einer superstarken und superbösen Kombattantin und somit gleichfalls zur tödlichen Gefahr für ihre Freunde wird. Zudem findet sich sogar das aus Dan O’Bannons Ur-Script stammende Element der versiegelten Gruft mitsamt verschlüsselten Warnhinweisen aufgegriffen, hinter dessen Eingang sich das Böe verbirgt. Immerhin darf Judy Geeson unter erstaunlich realistisch dargebotenen Geburtswehen ihre beiden Zwillinge auf „klassischem“ Wege gebären und wird nicht wie weiland John Hurt als Kane zum Opfer eines der berüchtigten, kleinen „Chestburster“.
Warrens kleiner, billiger und teilweise ganz schön fieser Film genießt wie die meisten Werke des kostengünstig arbeitenden, Londoner Genre-Wiz keine besonders tolle Reputation. Hauptgrund dafür werden neben dem unverhohlen Plagiatismus wohl die billigen Bedingungen sein, unter denen „Inseminoid“ entstand: Von echter Science Fiction ist in dem nahezu ausschließlich in der Astronautenstation und einem begehbaren Höhlensystem spielenden Film nur selten etwas zu spüren; die Requisiten bestehen aus eilends angepinselten Kunststoffderivaten und auch die Raumanzüge haben eher was von Aerobic-Kluften. Hinzu kommt, dass der Film sich für einen reinen Exploiter besonders in der ersten Hälfte viel zu viel Zeit nimmt, u aus der Hüfte zu kommen. Immer wieder ist von irgendwelchen Entdeckungen und Merkwürdigkeiten die Rede (es werden seltsame Kristalle entdeckt, deren Funktion schleierhaft bleibt; hinzu kommt die Entdeckung eines „Zwillings“-Naturgesetzes, demzufolge Vieles auf dem Planeten – so auch später Sandys Alienbrut – in doppelter Ausführung vorkommt. Warum? Darum!). Dennoch entwickelt „Inseminoid“ einen spezifischen Charme und eine lauernde Unbehaglichkeit. Besonders Judy Geeson, die es schafft, unter dem physischen und psychischen Einfluss der Kreaturen stehend, wirklich glaubwürdig zu leiden, zu heulen und zu kreischen, verdankt der Film einen Großteil seiner sich zum Ende hin entwickelnden Klaustrophobie.

5/10

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