BACKCOUNTRY

„To us.“

Backcountry ~ CA 2014
Directed By: Adam Macdonald

Das Großstadtpärchen Alex (Jeff Roop) und Jenn (Missy Peregrim) macht sich auf den Weg zu einem riesigen Naturpark, um dort das Wochenende mit Wandern und Camping zu verbringen. Zudem steht Alex‘ seit längerem geplanter Heiratsantrag ins Haus. Alex, der vorgibt, den Park und seine Wege wie seine Westentasche zu kennen, ist belustigt über Jenns Angst vor allen möglichen Eventualitäten und lässt den erfahrenen Hobbyranger heraushängen. Dies ändert sich jedoch abrupt und brutal, als Alex am dritten Tag zugeben muss, sich völlig verlaufen zu haben. Nach einem heftigen Streit rückt man zwar wieder zusammen, doch die Versöhnung ist nur von kurzer Dauer: ein gewaltiger, hungriger Schwarzbär, in dessen Revier sich die beiden aufhalten, stellt ihnen nach und nimmt sich Alex zum Frühstück vor. Völlig auf sich allein gestellt und ohne jedwedes Hilfsmittel versucht Jenn, dem Bären zu entkommen und den Weg zurück zu finden.

Hui, „Backcountry“ hat mich dann doch auf einem anderen Fuß erwischt als ich es zunächst erwartete. In glücklicherweise unstudierter Antizipierung eines gemütlichen, kleinen Survivaldramas mit reizvollen Naturaufnahmen der herbstlichen kanadischen Wildnis beschleunigte sich meine Pulsfrequenz spätestens nach der bereits nicht uninteressanten ersten Hälfte doch merklich. Hier nämlich rückt sich Meister Petz ins Bild, ganz ohne CGI oder sonstwie irrealisierenden Schnickschnack. Tatsächlich wird der erste Auftritt des Bären, der das Zelt mit dem schlafenden Paar von außen beschnuppert, auf perfide Art sogar noch putzig und witzig inszeniert. Man kennt ja auch überaus komische Abenteuer und Episoden mit Bären, etwa aus „Man’s Favourite Sport?“ oder „The Great Outdoors“ und auch bei John Irving sind die Bärchen meistens brav. Ich selbst mag Bären, bin Lehrer der Bärenklasse an meiner Schule und bewundere Ruhe und Kraft der sympathischen Raubtiere. In den meisten Bearploitern seit Girdlers Liebhaberstück „Grizzly“, die sie ja stets möglichst abschreckend zu instrumentalisieren suchen, wirken Bären häufig eher albern und müssen computergestützt werden, um ihren beabsichtigten Schrecken zu entwickeln. Der zuletzt geschaute, neue „Grizzly“ von David Hackl bedient ebenfalls diese Kerbe. Die bislang fieseste Bärenattacke hielt Lee Tamahoris spannender, wenngleich etwas campiger „The Edge“ bereit, in dem Anthony Hopkins und Alec Baldwin noch gegen den legendären Grizzlybären Bart anzutreten hatten. Dass diese mal getoppt werden könne, hätte ich nicht erwartet, aber von dem Angriffsübergang des Schwarzbären in „Backcountry“, den man mit Fug und Recht auch als „rurale Variation“ der Hai- und Krokodil-Belagerungsfilme der letzten Jahre bezeichnen mag und der praktisch mirnichts dirnichts einen von zwei Protagonisten mit Karacho aus der Narration tilgt, musste ich mich eines Besseren belehren lassen. Zwar beschäftigt sich der einer anfänglichen Ankündigung zufolge auf wahren Begebenheiten beruhende Film zwar in der Hauptsache mit Überlebensstrategien, doch das Bärenmahl bildet das eindeutige Zentrum des Films und gehört zum Unangehmsten, was ich in punkto Tierhorror bis dato zu Gesicht bekommen habe. Durch eine unglaublich geschickte Montage und brillante Make-Up-F/X bewerkstelligt Macdonald den, soweit ich das übersehen konnte, völligen Verzicht auf CGI und schafft dadurch eine wirklich heftige Unmittelbarkeit. Gut, dass das Drumherum mit Eric Balfour als zwielichtigem, angepissten Wanderführer und Missy Peregrims abenteuerlicher Rückreise in die Zivilisation sich dem relativ nahtlos anpasst und somit für qualitative Beständigkeit sorgt. Ein überraschend spannender, guter Film, von dem ich allerdings nicht weiß, ob er mehrfacher Betrachtung wird standhalten können.

8/10

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