CABOBLANCO

„This here is just the place where legends are born.“

Caboblanco ~ USA/MEX 1980
Directed By: J. Lee Thompson

Im Jahre 1947 kreuzen sich im peruanischen Küstenstädtchen Caboblanco die Wege mehrerer Abenteurer: Da ist zum einen der eigenbrötlerische Hotelbesitzer Giff Hoyt (Charles Bronson), der einst als Mörder verfolgt wurde und nun vor Ort in Ruhe sein pittoreskes Haus am Strand betreibt, dann der britische Agent Clarkson (Simon MacKorkindale), der im Pazifik nach einem mysteriösen gesunkenen Schiff fahndet, und schließlich die Französin Marie Claire (Dominique Sanda), die auf der Suche nach ihrem verschwundenen Freund ist, dessen Spur sich in Cabo verliert. Heimlicher Herr über die Region ist der emigrierte Altnazi Gunther Beckdorff (Jason Robards), der seine Villa in den Bergen praktisch nie verlässt und der sogar den örtlichen Polizeichef Terredo (Fernando Rey) in der Tasche hat. Auch Beckdorff interessiert sich für das versunkene Schiffswrack, dessen geheimnisvolle Fracht offenbar einen beträchtlichen Wert darstellt…

Mit „Caboblanco“ legte J. Lee Thompson in mexikanischer Co-Produktion ein inoffizielles „Casablanca“-Remake vor, in dem Ausgangssituation und Figureninventar sich überdeutlich an ihrem großen Vorbild orientieren. Es gibt den frustrierten Clubeigner, der vor inneren und äußeren Dämonen geflohen ist und in der exotischen Fremde seinen Frieden zu finden hofft, den diabolischen Nazi – hier allerdings a.D. -, dessen Machtradius den aller übrigen Beteiligten übersteigt, die schöne Fremde, deren Romanze mit dem opportunistischen Helen wider Willen sich nunmehr allerdings erfüllen darf, da es keine gemeinsame Vergangenheit gibt, den frauenliebenden Polizeichef, der sein Fähnchen jeweils nach der Windrichtung hält, seine persönliche Integrität am Ende jedoch wiederfindet, sowie den ausländischen Helden mit moralisch einwandfreier Befugnis. Anders als in „Casablanca“ ist die amouröse Situation hier weniger verfahren, da es keine Dreiecksbeziehung gibt und besteht der Ausgangspunkt des sich anbahnenden Konfikts nicht in einem flüchtigen Widerständler, sondern in einem Nazischatz, der aus Enteignungsobjekten besteht – ein traditioneller MacGuffin also. Bronson in der Rolle des romantischen Helden, der immerhin Humphrey Bogart beerbt, funktioniert nur bis zu einem gewissen Toleranzgrad, da sein Spiel kaum die erforderliche Nuancierung besitzt, um die notorische Verbitterung seines Charakters hinreichend zu exponieren. Gelegenheit zu brachialer Aktion gibt es erst im letzte Viertel und selbst darin beschränkt sich Giff Hoyts Art der Verteidigung zumeist auf eine deftige Tracht Prügel. Rey und Robards, ohnehin in der glücklichen Position, den interessantesten Figuren Leben einhauchen zu dürfen, schenken „Caboblanco“ indes ein gehobenes Maß an Schauspielkunst, die dem, was Thompson im Sinn hatte, wohl deutlich mehr zuspielt.
Der Film ist das, was man landläufig als „nett“ oder „sympathisch“ bezeichnen mag; er hat das Herz grundsätzlich am rechten Fleck, kann aus einem facettenreichen Kreativpool schöpfen, der die sich eher mau über die Scriptseiten schleppende Geschichte wohlfeil aufwertet, bleibt dabei glücklicherweise im Rahmen der ihm zukommenden Erzählzeit und spielt seine wenigen Trümpfe so geschickt als möglich aus. Allerdings fände ich es schon etwas verwunderlich, würde jemand wesentlich mehr in ihm ausmachen.

7/10