BREAKOUT

„We should all be so lucky…“

Breakout (Der Mann ohne Nerven) ~ USA 1975
Directed By: Tom Gries

Weil sein millionenschwerer Großvater (John Huston) ihn aus dem geschäftlichen Weg haben möchte, landet Jay Wagner (Robert Duvall), unschuldig wegen Mordes verurteilt, in einem mexikanischen Gefängnis. Wagners Gattin Ann (Jill Ireland) möchte ihren Mann unbedingt aus seiner misslichen Lage befreien und sucht ausgerechnet Hilfe bei dem verlotterten Tagelöhner Nick Colton (Charles Bronson). Nachdem der erste Befreiungsversuch völlig danebengeht, sind Nicks Ehrgeiz und auch seine notorische Geldgier geweckt. Zwar misslingt auch der zweite Ansatz mit Pauken und Trompeten, doch aller guten Dinge sind bekanntlich drei…

Launig-knackiges Actionabenteuer, wie man es sich ebensogut mit Clint Eastwood und Sondra Locke in den Hauptrollen hätte vorstellen können. Tatsächlich war ursprünglich Kris Kristofferson für die Colton-Rolle vorgesehen, doch auch diese, finale Konstellation sitzt vorzüglich. Bronson, ausnahmsweise mal in einer etwas sonnigeren, unbeschwerten Rolle zu bewundern, genießt offensichtlich die Freiheiten, die ihm Script und Performance bereitstellen und wirkt, ein Jahr nach „Death Wish“, erstaunlich gelöst. Dass er mit Jill Ireland eine ganz bezaubernde Frau sein Eigen nennen durfte, beweist „Breakout“ aufs Neuerliche und auch in den Nebenrollen glänzt mit Robert Duvall, Randy Quaid, Sheree North und dem gewohnt fiesen Emilo Fernández eine weithin vortreffliche Staffage. Die Regie übernam Tom Gries in einem frühen Produktionsstadium von dem zuvor engagierten Michael Ritchie, eine offenbar glückliche Fügung, die Gries und Bronson nebst Jill Ireland noch im selben Jahr ein weiteres Mal für „Breakheart Pass“ zusammenbrachte.
Interessanterweise fußt die Hubschrauberflucht auf authentischen Begebenheiten: Nur vier Jahre vor der Entstehung des Films wurde Joel David Kaplan, Erbe eines US-amerikanischen Zucker- und Sirup-Imperiums, auf ganz ähnliche Weise aus einem mexikanischen Knast befreit. Wie der von Duvall gespielte Jay Wagner im Film wurde auch Kaplan mutmaßlich Opfer einer ferngelenkten Intrige, in die anscheinend sogar die CIA verwickelt war, die um die Preisgabe geheimer Informationen durch Kaplan fürchtete. Kaplan hatte vor seiner Flucht allerdings deutlich länger einzusitzen denn sein Film-Pendant. Da die mexikanische Regierung infolge ihrer bisweilen unvorteilhaften Darstellung mögliche Verunglimpfungen fürchtete, erhielt das Team keine Drehgenehmigung jenseits der Grenze und musste daher auf Spanien und Frankreich ausweichen.
Die von „Breakout“ präservierte Atmosphäre um Hitze, Schweiß und Staub passt vortrefflich in die gegenwärtigen Tage. Ein veritabler Hochsommerfilm somit. Unterstützt wird der überwiegend lockere Ton des Ganzen in der deutschen Fassung zudem durch eine famose Berliner Schnoddersynchro, die, wie ich annehme, Arne Elsholtz vom Stapel gelassen hat, und die zumindest für den Chronisten zum „Mann ohne Nerven“ gehört wie Ketchup auf Fritten.

8/10

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