AVENGERS: AGE OF ULTRON

„Nothing makes sense.“

Avengers: Age Of Ultron ~ USA 2015
Directed By: Joss Whedon

Nachdem die Avengers in dem osteuropäischen Kleinstaat Sokovia den „Hydra“-Kopf Baron von Strucker (Thomas Kretschmann) in seiner Festung ausfindig gemacht, besiegt haben und ihm Lokis magisches Zepter abgenommen haben, erwachsen ihnen in den Zwillingen Wanda (Elizabeth Olsen) und Pietro Maximoff (Aaron Taylor-Johnson) zwei gefährliche neue Feinde. Genetisch durch von Struckers Menschenexperimente verändert, besitzt Wanda gewaltige telepathische und telekinetische Kräfte, derweil Pietro über Supergeschwindigkeit verfügt. Eine von Wanda über Tony Stark (Robert Downey Jr.) ausgeschüttete Vision vom Ende der Welt lässt den eigenwilligen Wissenschaftler mithilfe des eroberten Zepters an einer neuen, künstlichen Intelligenz arbeiten, die im ausgereiften Zustand als Friedensbewahrer über die gesamte Erde wachen soll. Doch es kommt zu einer Fehlfunktion und „Ultron“ macht sich selbstständig. Wie weiland Frankensteins Monster sieht der wahnsinnige Android in seinem Schöpfer die persönliche Nemesis und in der Menschheit in ihrem gegenwärtigen Zustand die größte Bedrohung des Planeten. Ein erster Schlag Ultrons mithilfe der sich auf seine Seite schlagenden Maximoffs entfesselt den Hulk, der beinahe eine ganze afrikanische Stadt zerstört und bringt die Avengers an den Rand der Teamauflösung. Mithilfe Nick Furys (Samuel L. Jackson) jedoch rauft man sich wieder zusammen. Unerwartete Unterstützug kommt durch den disintegriert geglaubten Computer Jarvis, der als Android Vision (Paul Bettany) wieder aufersteht und die beiden Zwillinge, die, nachdem sie Ultrons wahre Pläne durchschaut  haben, zu den Avengers stoßen. Jetzt heißt es gemeinsam die Welt zu retten, den Ultrons teulischer Plan sieht vor, die gesamte menschliche Existenz zu vernichten.

Nachdem die Marvel-Verfilmungen und insbesondere die bei Disney lagernden, von Kevin Feige produzierten „MCU“-Abenteuer sich in der Regel großen Zuspruchs erfreuen durften, scheint der regelmäßig auftretende Enthusiasmus jetzt langsam abzuflauen. Josh Tranks „Fantastic Four“ gar wird so gnadenlos niedergemacht wie wohl schon seit Jahren keine Produktion dieser finanziellen Größenordnung mehr. In ihrer Gesamtheit insgesamt eine dennoch erwartungsgemäße Entwicklung; der Effekt des bahnbrechend neuen Blockbustersegments verflüchtigt sich zusehends, die Massen finden sich peu à peu übersättigt und verlangen nach Abwechslung und Alternativreizen. Die Konzeption, die Marvel jedoch vorschwebt, nämlich die Transponierung ihres gewaltigen Comic-Universums mit Tausenden von ausgearbeiteten Charakteren und dekadenlanger Historie auf das Medium Film und somit gleichermaßen heraus aus dem Ghetto der vergleichsweise wenigen Eingeweihten und hinein in das popkulturelle Massengeschehen, verlangt a priori eine gleichsam hochfrequentierte Schlagzahl an Filmen. Mont für Monat veröffentlicht Marvel Entertainment seit Jahrzehnten eine Schlagzahl von um die 50 Hefttiteln mitsamt diversen Crossovern, wechselseitigen Querverweisen, Reboots, Alternativrealitäten und Auswirkungen aufeinander, von den unregelmäßig erscheinenden graphic novels und Miniserien gar nicht zu reden. Eine solche Komplexität auch nur annähernd im Film zu erreichen, ist, zumal mit fetten Dollarnoten anstelle von Pupillen, unmöglich und selbst der noch immer gegenwärtige Versuch, eine halbwegs ebenbürtige Intertextualität im Film zu erreichen, scheint immer lautere, kritische Stimmen zu evozieren. Ein bereits etwas älteres, durchaus diskussionswürdiges Interview mit Alan Moore, der die Gesamtentwicklung im Superheldengenre, dem er selbst immerhin mancherlei Meriten verdankt, unerwartet pessimistisch beurteilt, spricht Bände. Wenn Superhelden und ihr kulturmedialer Einflussbereich überhaupt jemals im Pantheon der Hochintelligenzia angekommen sind, dann bittet man sie jetzt langsam, aber sehr bestimmt wieder zurück vor die Tür. Und ich prophezeie: die Massen werden folgen, das Kinophänomen in spätestens zehn Jahren (die Marvel- und DC-Schedules betreiben momentan cineastische Planungen bis 2028 bzw. 2020) möglicherweise bereits in rauchenden in Trümmern liegen. Wegen Übersättigung geschlossen – man kennt das.
Nun zu mir. Ich bin glücklicherweise nicht der einzige, der prinzipiell erstmal jeden (auch bloß angekündigten) Superheldenfilm mit offenen Armen erwartet und damit wohl tatsächlich einer jener Typen, die Moore als hoffnungslos regressiv und alarmierend gesellschaftskatastrophal denunziert. Muss ich mir deswegen Sorgen machen? Ich glaube kaum. Vielleicht sollte Alan Moore auch einfach bloß seine Dope-Connection wechseln und sich über relevantere „global issues“ den zottigen Kopf zerbrechen. So, jetzt war ich auch mal kurz reaktionär. Tut mir leid, gern geschehen.
Wenn man im MCU auf dem Laufenden bleiben möchte, ist man mehr oder gezwungen, jeden erscheinenden Film konzentriert zu studieren, das beweist jetzt auch „Age Of Ultron“. Das Figuren-Inventar wird nochmals deutlich erweitert, die „Infinity-Steine“ spielen wiederum eine bedeutsame Rolle, Thor muss sich auf „Ragnarök“ vorbereiten, zwischen Bruce Banner (Mark Ruffalo) und Natascha Romanov (Scarlett Johansson) entspannt sich eine zarte Beziehung, der Hulk verschwindet vorübergehend, Quicksilver muss sich just nach seiner Einführung gleich wieder heldenhaft opfern (sein „X-Men“-Pendant darf demnächst derweil weiterkreuchen) und Thanos macht nochmals den Abspann unsicher. Alles weist auf ein „noch größeres Spiel“ hin, dessen Drahtzieher unschwer zu erraten sein dürfte.
Doch halt: „Avengers: Age Of Ultron“ steht ja auch noch in einer mäßig bedeutenden Nebenfunktion als solitärer Film da, stimmt ja. In dieser Funktion, soviel ehrliche Kritik darf gestattet sein, reicht er an den Vorgänger nicht heran. Dieser besaß allerdings auch noch den unduplizierbaren Originalitätseffekt, als erste, große Kinoproduktion ein echtes „Super-Superheldentam“ zu liefern, der mithin zwangsläufig ausbleiben muss. Ein wenig unübersichtlich mutet der Film hier und da durch seine Präsentation zig verschiedener Baustellen an, von denen mehrere offen bleiben; der zentralafrikanische Staat Wakanda wird wie nebenbei eingeführt, der Schurke Klaw taucht auf, Stellan Skarsgård muss sich damit begnügen, verheizt zu werden. Um derlei Abrisshaftigkeiten zu vermeiden, hätte der Filmwahlweise eine gute dreiviertel Stunde Erzählzeit mehr benötigt (man liest jetzt schon von einem deutlich längeren „Assembly Cut“) oder etwas mehr restriktiver Ökonomie bedurft. Zudem erweist sich die sich in der narrativen Schlüssigkeit äußernde Diskrepanz zwischen den unterschiedlichen Kinobaustellen Disney / Fox (Sony entfällt jetzt jawohl zumindest) als zunehmendes Ärgernis. Jetzt müssen wir also zwei Maximoff-Geschwister-Paare akzeptieren, einmal (in ihrer adäquaten Comicform) als Mutanten, einmal als Teammitglieder der Avengers, die von Rechtswegen her mit ihrer korrekten Herkunftsgeschichte, den „X-Men“ und ihrem ordentlichen Vater Magneto nichts zu tun haben dürfen, weil die Marvel-Mutanten bei einem anderen Studio beheimatet sind. Sowas regt mich wirklich auf und tangiert den zehnjährigen fanboy in mir. Der ganze Rest, die luzide, filmische Unperfektion von „Age Of Ultron“ und das ganze Palaver um die Monetenscheffelei und Ausleierung des MCU kann mir gestohlen bleiben. Der Realität gewordene Traum, die gezeichneten Helden aus Kindertagen zum Leben erwacht bzw. erweckt zu sehen, steht alldem nach wie vor weit über.
…assemble!

8/10

2 Gedanken zu “AVENGERS: AGE OF ULTRON

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s