CONQUEST OF SPACE

„I volunteer!“

Conquest Of Space (Die Eroberung des Weltraums) ~ USA 1955
Directed By: Byron Haskin

In nicht allzu ferner Zukunft sind die Staaten der Erde zusammengewachsen und schielen nach den Möglichkeiten, die ihnen das Weltall bietet, um durch interstellare Kolonialisation der dräuenden Überbevölkerung Herr zu werden. An Bord einer kreisrunden, im Erdorbit schwebenden Raumstation, überwacht Colonel Merritt (Walter Brooke) den Bau einer Mondrakete und das beinharte Training der dazugehörigen Expeditionsteilnehmer. Von diesen zeigen bereits einige, darunter auch Merritt selbst, gravierende psychische Einbußen: Heimweh, Panikattacken und katatonische Phasen zählen beinahe zum Alltag. Als dann von der Erde die Anweisung kommt, den Mond links liegen zu lassen und stattdessen gleich zum Mars zu fliegen, überschlagen sich die Ereignisse. Dennoch bricht Merritt mit fünf tapferen Männern, darunter sein Sohn Barney (Eric Fleming), zum roten Planeten auf. Die gefahrvolle Reise und auch ihr Ziel bereiten der Besatzung heftige Probleme…

Eine weitere von Haskin inszenierte und George Pal produzierte Raumfahrer-Mär, die sich mit dem Fortschrittsdrang der Menschen und seinen auf etwaiger Überhastung gründenden Schattenseiten befasst. Glaubt man den Zitaten bei Hahn/Jansen, wird „Conquest Of Space“ gemeinhin als schwächstes Werk in Pals SciFi-Zyklus erachtet, was möglicherweise den Tatsachen entspricht, wie in diesen Fällen üblich jedoch kaum etwas wirklich Verwertbares über das Objekt des Anstoßes auszusagen vermag.
Tatsächlich bietet „Conquest Of Space“ sogar Einblicke in einige im Genre bis dato unberücksichtigte Facetten, nämlich in die psychische Anamnese und Konstitution der raumfahrenden Individuen. So wird das Leben der teils Jahre am Stück im All verbringenden Männer als äußerst entbehrungsreich und undankbar gezeichnet. Man ernährt sich ausschließlich von tablettenförmigen Lebensmittelderivaten, muss auf körperliche Zuwendung und Partnerschaft verzichten, ist einem unablässigen Training und der steten Gleichförmigkeit der welträumlichen Zeit ausgesetzt. Die etwas schlichter gestrickten Teilnehmer, wie der Maschinist Siegle (Phil Foster), bewältigen die Situation mit augenzwinkerndem bis zynischem Humor, andere, so der Japaner Imoto (Benson Fong) mit der steten Gewissheit, der Menschheit einen existenziellen Dienst zu erweisen und wieder andere bewegen sich stetig dicht am Zusammenbruch. Dazu zählt pikanterweise ausgerechnet auch der Projektleiter selbst, der sich allein durch stete Medikation aufrecht zu halten im Stande ist. Mit dem Verzicht darauf, den die Reise zum Mars mit sich bringt, verliert der unterdessen zum General beförderte Merritt Senior bald auch den Verstand, er wähnt sich als Durchkreuzer der göttlichen Ordnung und will schließlich sogar die Mission sabotieren. Im Gerangel mit seinem Sohn verliert er schließlich sein Leben durch einen Pistolenschuss – das Misstrauen unter den verbleibenden Männern, allen voran Merritts Intimus Mahoney (Mickey Shaughnessy), droht umzukippen. Am Ende siegen dennoch Experimentiergeist und Mut und die verbleibenden vier Marspioniere werden eines Tages als mögliche Retter der Menshheit gefeiert werden.
Sieht man von einigen, der trivialistischen Fabulierfreude des Scripts geschuldeten physikalischen Naivitäten sowie Schwächen bezüglich der teils unausgereiften Tricktechnik und hinsichtlich der manchmal etwas stolperhaften Dramaturgie ab, besteht „Conquest Of Space“ dennoch als elementarer Genrebaustein und damit einhergehend als einer der vielleicht zehn großen Mars-Filme.

7/10

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