LE SERPENT

„You’re a liar, comrade.“

Le Serpent (Die Schlange) ~ F/BRD/I 1973
Directed By: Henri Verneuil

Im Zuge einer mehr als komplizierten Aktion läuft der vom Kreml geschasste KGB-Offizier Vlassov (Yul Brynner) in den Westen über. Unter allen Umständen soll vermieden werden, dass Vlassov später als Doppelagent agiert. Daher wird er direkt nach Langley gebracht, wo er unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen etliche Lügendetektortests und psychologische Tests über sich ergehen lassen muss. Als Vlassov einige vorrangige, westeuropäische NATO-Mitglieder als Informanten für die Sowjets denunziert, fallen diese kurz darauf durchweg seltsamen Unfällen zum Opfer. Der stutzende CIA-Direktor Davies (Henry Fonda) stößt mithilfe seines Teams daraufhin auf einige Ungereimtheiten hinsichtlich Vlassovs Angaben und auch betreffs seiner Beziehung zu dem britischen Diplomaten Boyle (Dirk Bogarde)…

Ein etwas umständlich erzählter, in der Wahl seiner Form jedoch sehr präzise ausgearbeiteter Spionagethriller, der vor allem die techokratische Seite des Kalten Krieges beleuchtet. Von 007-Romantik keine Spur hinterlassend, findet die eigentliche Spionagearbeit längst auf heimischem Boden und hinter verschlossenen Türen statt: Mittels penibelst austarierter Technologie werden die gegnerischen Fernseh- und Rundfunksendungen abgehört und auf Chiffres hin abgehört, Funkverkehr analysiert und multilingual untersucht. Mögliche Verräter, Maulwürfe und politische Gegner müssen sich zermürbenden Verhören ebenso aussetzen wie subtiler, psychischer Folter. Repräsentieren sie keinen taktischen Wert mehr, fungieren sie zumindest noch als Austauschspersonal, denn die Gegenseite operiert schließlich mit genau denselben Methoden. So distanziert sich Verneuil auch sehr prägnant von jedweder Sympathiebekundung in eine Himmelsrichtung: Die paranoiden, albtraumhaften Mechanismen, mit denen die CIA ihrer Arbeit nachgeht, werden zwar nicht direkt mit denen des KGB konterkariert, es bleiben jedoch wenig Zweifel daran offen, dass das jeweilige, ursprüngliche politische Credo der Weltmächte längst einem pathologischen Machtstreben gewichen ist, das einzig um Einfluss und territoriale Ausweitung kreist. Das anhaltende Patt der Großmächte veräußert „Le Serpent“ zwar nicht eben als entspannte Situation, eruiert es jedoch als deutlich entspannter als manche dystopische Vision dieser Zeit – wenn alles, Menschen, Sprachen und Länder, irgendwo an Grenzen stößt und seine Ordnung innerhalb bestimmter soziopolitischer und regionaler Limitierungen findet, dann besitzt das auch etwas Tröstliches, denn die Fronten sind, bis auf ein paar umtriebige Doppelagenten, eindeutig definiert.

8/10