LES MORFALOUS

Zitat entfällt.

Les Morfalous (Die Glorreichen) ~ F 1984
Directed By: Henri Verneuil

Tunesien, im April 1943: Ein Batallion der Fremdenlegion kommt in El Ksour an, um die milliardenschweren Goldreserven der hiesig angesessenen Nationalbank in Sicherheit zu bringen. Die Truppe wird jedoch von der wohlfeil versteckten Wehrmacht gnadenlos aufgerieben. Bis auf drei Soldaten, Augagneur (Jean-Paul Belmondo), Mahuzard (Michel Constantin) und Boissier (Michel Creton), fallen alle übrigen Legionäre. Ergänzt um den nervösen Regelarmisten Béral (Jacques Villeret) fasst Augagneur den Plan, das Gold aus der Bank an sich zu bringen, zu teilen und mit dem gewonnenen Reichtum zu desertieren. Mahuzard weigert sich jedoch, darauf einzusteigen und es kommt zum Duell zwischen ihm und Augagneur. Der Bankdirektor Laroche-Fréon (François Perrot), seine Frau (Caroline Sihol) und deren deutscher Liebhaber Karl (Matthias Habich) tanzen bald mit im goldgierigen Reigen, den nach wechselnden Allianzen und einigem Hin und Her nur der ausgebuffte Augagneur unbeschadet übersteht. Doch Reichtum und Luxus sind auch ihm nicht vergönnt – dafür jedoch Ruhm und Ehre.

Der freche Kriegs-Actioner „Les Morfalous“ fand nicht durchweg regen Zuspruch. Mit einem zeittypischen Casaro-Kinoplakat garniert, das Belmondo im Zuge seiner achten und letzten Zusammenarbeit mit Henri Verneuil als muskelbepackten Heroen mit riesigem MG im Anschlag porträtierte, suchte man offenbar, sich auf den Zug der militaristischen, langsam die Videotheken flutenden, exotischen Schießprügelabenteuer zu schwingen. Zudem umgibt den gesamten Film eine ätzend-zynische Aura, geprägt von eher unangenehmen Charakterfacetten wie Misogynie, latentem Rassismus und ethischer Desorientiertheit, die in der brandtschen Synchronfassung – jene im Übrigen ein weiteres Meisterstück ihrer Zunft – wohl nochmal potenziert wird. Nun mag man man mit dem Abstand der Jahrzehnte vielleicht reflektionsbegabt genug sein, um Verneuils dreckigen Galgenhumor als durchaus passend zur Gattung zu eruieren und die Figur des Augagneur, ohnehin passend zu Bébels Rollenschema dieser späten Phase seines Schaffens, als eine Art Eulenspiegel der Fremdenlegion zu betrachten, der nach Ansicht von Tod und Zerstörung in all ihren abartigen Variationen genug von der Institution Krieg hat und sich mit dem in Griffbereitschaft befindlichen Goldschatz aus dem Staube machen möchte. Doch selbst wenn man gar kein Held mehr sein und bloß noch weg will, ist man gezwungen, einer zu werden. So war, so ist der Krieg. Er erreicht stets das Gegenteil von dem, was man eigentlich will. In dieser Aussage liegt doch ein ordentliches Pfund Wahrheit, wenngleich „Les Morfalous“ ganz sicher nicht das schlecht gelaunte Werk darstellt, das ein ernstzunehmender Kriegsfilm bitt’schön abgeben sollte. Im Gegenteil, er maßt sich Komik, Spannung und Pyromanie an und ist daher auch garantiert und gänzlich ungeeignet, jedweden Kriegsfilmkanon zu bestücken. Dabei macht gerade das doch seinen höchst ungehörigen Reiz aus.

8/10

2 Gedanken zu “LES MORFALOUS

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