THE GREAT RACE

„He who fights and runs away lives to fight another day.“

The Great Race (Das große Rennen rund um die Welt) ~ USA 1965
Directed By: Blake Edwards

Um die vorletzte Jahrhundertwende: Als der strahlende Sportsmann und Filou Leslie (Tony Curtis) einem Automobilkonzern anbietet, mit einem eigens für ihn konstruierten Modell den Landweg von New York nach Paris zu bewältigen, lässt sich auch sein erklärter Gegner Professor Fate (Jack Lemmon) nicht lumpen: Der ebenso listige wie boshafte Erfinder baut sein eigenes Auto, mit dem er Leslie zu schlagen gedenkt. Ein paar weitere Teilnehmer werden von Fate und seinem Adlatus Max (Peter Falk) schon kurz nach dem Start sabotiert, so dass nurmehr die beiden Kontrahenten und die ehrgeizige Reporterin Maggie Dubois (Natalie Wood) im Rennen sind. Ein paar gemeinsame Abenteuer auf dem Weg sorgen für wechselnde Allianzen und die obligatorische Liebesgeschichte.

Im Gedenken an Jules Vernes „Around The World in 80 Days“ und Michael Andersons herrliche Kino-Adaption desselben kreierte Blake Edwards seine persönliche Variante der kunterbunten Weltreise, ein paar „notwendige“ Modifikationen inbegriffen. Bereits die in der Titelsequenz genannte Widmung, die sich an Laurel und Hardy richtet, verrät, dass „The Great Race“ sich auch als Hommage an die goldenen Jahre der Slapstick-Komödie begreift; das Rennen wird zudem stets mit demselben Verkehrsmittel ausgetragen – nämlich den Spezial-Wagen der sich bereits vor dem eigentlichen Rennen ausführlich vorstellenden (und etablierenden) Widersacher Leslie und Professor Fate. Diese beiden nicht von ungefähr mit den Namen von Cartoonfiguren ausgestatteten Gegner um Sieg und Ehre gemahnen an die etlichen „Jagdpärchen“, die man aus Kurz- und Trickfilmen kennt: Der „große“ Leslie ist ein Tausendsassa mit allen möglichen Talenten und ohne jedwede Angst, seine Gegner Fate ein zerknirschter Fiesling ohne Gewissen, dessen ewige Versuche, Leslie den Garaus zu machen, stets in einen eigenen Fallstrick münden. Ergänzt werden die ohnehin archetypisch angelegten Antagonisten zusätzlich durch ein jeweiliges Faktotum, in Curtis‘ Fall Keenan Wynn und für Lemmon der erwähnte Peter Falk. Natalie Wood muss als das vervollständigende Emanzipationswunder herhalten, im klassischen Figurenrepertoire wie üblich die erfolgs- und gleichberechtigungsorientierte Journalistin, deren feministische Bemühungen sich durch frivole Auftritte in Strapsen und einer Menge Torten im Gesicht quittiert finden.
Ein weiterer Clou liegt darin, die sich bereits wenige Jahre zuvor für Wilders „Some Like It Hot“  balgenden Curtis und Lemmon erneut zu kombinieren und aus ihrer bewährten Paarungsdynamik großen Nutzen zu ziehen.
Die einzelnen Anekdoten wiederum sind von wechselnder Unterhaltungsqualität und erreichen nicht immer die Spitzigkeit, die sie wohl gern transportierten; so wirkt die Wildwest-Episode mitsamt Saloonschlägerei recht abgegriffen und auch die spätere Putsch-Story in einem an die damalige k.u.k.-Monarchie angelegten Kleinstaat, die mit einer hübsch ausgeflippten Doppelrolle für Lemon aufwartet, wirkt in ihrer Gedehntheit nicht immer konsistent. Dafür erfreut ein Eisbär in Alaska und andere kleine Feinheiten, die sich besonders in Detailversessenheit und visueller Sorgfalt manifestieren.
Alles in allem ein ziemlich irrsinniges Werk, das in dieser exaltierten Form auch nur zu jener Zeit entstehen konnte und somit heuer undenkbar wäre – exemplarisches Prä-New-Hollywood, in der die zunehmend die Orientierung verlierenden Studios auf der Suche nach Überraschungserfolgen bereitwillig jede noch so verrückte Idee mit barer Münze unterstützten.

8/10

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