THE BROKEN

„Dextrocardia with situs inversus. It’s not uncommon, but it’s pretty rare. One in every thousand.“

The Broken ~ UK/F 2008
Directed By: Sean Ellis

Während einer kleinen Geburtstagsfeier bei dem als US-Diplomat in der Londoner Botschaft arbeitenden John McVey (Richard Jenkins) fällt urplötzlich ein Spiegel von der Wand und zerbricht. Was zunächst keine besondere Aufmerkamkeit erregt, stellt sich bald als Schlüsselereignis für eine Kette höchst seltsamer Vorkommnisse heraus: McVeys Tochter Gina (Lena Headey), die als Radiologin tätig ist, glaubt, auf der Straße sich selbst zu begegnen und hat kurz darauf einen schweren Autounfall nebst amnesischer Episoden. Doch geht es auch den übrigen Gästen des Abends nicht anders: Ginas Freund Stefan (Melvil Poupaud), ihr jüngerer Bruder Daniel (Asier Newman), dessen Freundin Kate (Michelle Duncan) und McVey selbst – sie alle haben bald merkwürdige Begegnungen mit alternativen Versionen ihrer Selbsts, die nicht nur augenscheinlich seelenlos, sondern darüberhinaus auch höchst aggressiv auftreten.

Der Topos des heimlichen Ausgewechseltwerdens, der Substitution durch äußerlich identische Doppelgänger mit invasorischer Agenda ist eine klassische Spielart in der Phantastik. Besonders die berühmten, paranoiden SciFi-Filme der fünfziger Jahre, allen voran „It Came From Outer Space“ und „Invasion Of The Body Snatchers“, variierten die Angst vor der Unterwanderung durch ein geheimnisvolles (in diesen Fällen extraterrestrisches) Kollektiv, das unsere Gesellschaft mit äußerlich identischen Hochstaplern unterwandert und Freund von Feind lediglich durch Verhaltensmerkmale unterscheidbar macht, in zunehmend aggressiver Weise. Waren die Aliens bei Jack Arnold lediglich halbwegs friedliche Durchreisende, die ihr Schiff für die Weiterfahrt reparieren und Doppelgänger (einiger „lediglich“ gekidnappter Aspiranten) stellen mussten, um unerkannt auf der Erde agieren zu können, handelte es sich bei denen von Siegel bereits um unumwundene Eroberer aus dem All, die ihre Opfer duplizieren und selbige im gleichen Zuge „verschwinden“ ließen, um ihrem Reich ganze Planeten einverleiben zu können.
Woher die Duplikate in „The Broken“ stammen, wird nicht gänzlich schlüssig erläutert; offenbar sind sie nichts Geringeres als unsere eigenen Spiegelbilder, die sich aus mysteriöser Ursache heraus zur Rebellion gegen ihr jeweiliges, reziprokes Ich von der anderen Seite entschlossen haben, der „Spiegeldimension“ durch eigenmächtiges Zerbrechen des Mediums entkommen und ihre Gegenstücke beseitigen, um deren Stelle einzunehmen. Auch hierbei handelt es sich, dafür gibt der Film immer wieder Hinweise, offenbar um eine fast unmerklich im Anrollen befindliche Invasion, der immer mehr Menschen zum Opfer fallen. Unsere Gegenstücke kennzeichnen sich dabei – ganz wie ihre Genre-Urahnen – durch ein kaltes, emotionsentledigtes Wesen, dessen erste und wichtigste Amtshandlung darin besteht, sich ihres Ebenbildes auf gewaltsame Art zu entledigen, um sich frei unter uns bewegen zu können. Ein wirkliches Novum bildet dabei lediglich die eingenommene Erzählperspektive. Wie sich erst spät herausstellt, befinden wir uns nämlich die ganze Zeit an der Seite von Gina McVeys Doppelgängerin, die ihr Original längst getötet hat und lediglich infolge des Unfalls nicht um ihre wahre Identität als Spiegelwesen weiß. Am Ende ergibt sie sich dann ihrer ohnehin unumgänglichen Determination als Teil jenes außerdimensionalen Kollektivs. Ihr noch nicht ausgetauschter Bruder erkennt dies und flüchtet verzweifelt in das wahrscheinlich hoffnungslose Ungewisse – eine kleine Reminiszenz an das Finale von Philip Kaufmans berauschendem „Body Snatchers“-Remake. Interessanterweise gab es es just im selben Jahr wie „The Broken“ einen weiteren, allerdings wohl deutlich populäreren Horrorfilm mit dem Spiegel und seinen pandimensionalen Geheimnissen als symbolstarkem Handlungsträger: Alexandre Ajas „Mirrors“.

6/10

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