GET HARD

„Don’t sexually harass me – I’m already sad!“

Get Hard (Der Knastcoach) ~ USA 2015
Directed By: Etan Cohen

James King (Will Ferrell) gehört zu jener Bevölkerungsschicht von 10 Prozent, die den größten Teil der landesweiten Einkommen bezieht: Er ist erfolgreicher Broker mitsamt feinstem Riecher, unverschämt reich und leider auch unverblümt dämlich. Denn über den Rand seines goldenen Tellerchens hat er nie so recht hinausgeblickt und ist der festen Meinung, dass jeder den amerikanischen Traum für sich beanspruchen kann – so er es nur ganz fest möchte. Als er zum Opfer einer Intrige seines Chefs und potenziellen Schwiegervaters in spe (Craig T. Nelson) wird, die James zum Sündenbock für seine krummen Geschäfte stempeln soll, winken zehn Jahre San Quentin. Angsterfüllt sieht James den einzigen Ausweg, mit der unausweichlichen Situation klarzkommen, darin, sich „fit für den Knast“ zu machen. Dazu holt er sich den Autopfleger Darnell Lewis (Kevin Hart), der, James‘ entwaffnender Logik gemäß, als Farbiger natürlich bestens mit dem Innenleben von Gefängnissen vertraut sein muss und ihm daher alles Überlebenswichtige antrainieren kann. Darnell indes, der noch keine Strafanstalt von innen gesehen hat, nutzt James‘ Naivität aus, da er seine Familie dringend aus Crenshaw herausholen will und von James das nötige Startkapital erhält…

Eine neue Ferrell-Komödie ist grundsätzlich immer zu begrüßen. Will Ferrell ist immerhin der US-Komiker, der in Jahren emsiger Kultivierung das Fremdschamprinzip zur darstellerischen Kunstform erhoben hat und für genau diese Sparte immer wieder ideale Rollen auf den Leib geschrieben bekommt. Nun gibt es zum Einen die unschlagbaren Instant-Klassiker, die zumeist in inszenatorischer Verbindung mit Mastermind Adam McKay stehen, der es wie bislang kein Zweiter vermag, Ferrells Humor in kongeniale Kinogewandung zu kleiden. Für „Get Hard“ schusterte McKay – leider, wie man wohl konstatieren muss – lediglich Teile von Idee und Story zu und überließ die Regie dem Langfilmdebütanten Etan Cohen, dessen Namen ich zunächst für ein lustiges Pseudonym hielt. Doch den Mann gibt es tatsächlich und er heißt auch so. Seine Arbeitsweise ist im Direktvergleich mit der von McKay noch ausbaufähig, worin bereits eine recht prägnante Schwäche von „Get Hard“ konstituiert wäre. Die zweite liegt in Ferrells unverzichtbarem Stichwortgeber, denn der Comedy-Gigant benötigt zur ganzen Entfaltung seiner Bandbreite bekanntermaßen stets einen oder mehrere Antagonisten, die erst so richtig deutlich machen, welch sozialdefizitäres Kleinlicht er nun wieder personifiziert. Hier stellt diesen Kevin Hart und der ist – Verzeihung – keine echte Ergänzung für Will Ferrell. Mit eher eng eingezäuntem Sitcom-Humor kann Hart kaum einen Lacher für sich verbuchen, womit nahezu die gesamte Arbeit bei dem wie stets großartigen und den Film auf ganzer Linie rettenden Ferrell liegt. Konnte sich dieser zuvor fast immer auf zumindest nahezu ebenbürtige Größen John C. Reilly, Zach Galifianakis oder Mark Wahlberg stützen, mimt Kevin Hart eher den schlichten Mainstream-Comedy-Typen, und somit einen, der eine andere Humorwellenlänge repräsentiert. Ferrell indes zeigt einmal mehr, was er längst perfektioniert hat: den gänzlich merkbefreiten, kleinen Jungen, der mindestens dreißig Jahre Sozialisation verschlafen hat, im Körper des Mittvierzigers; der wie ein Schlosshund heult, als sich ihm die Realität mit ganzer Härte offenbart und der dazu noch zu blöd ist, sich ihr auch nur halbwegs adäquat zu stellen. Stimmte der Rest auch noch, wäre einmal mehr das Optimum erreicht; so langt es immerhin zu hundert Minuten Hofierung des glücklicherweise fast omnipräsenten Ferrell, dessen Apologeten sich, wie auch ich selbst, von „Get Hard“ bestimmt abermals in weiten Teilen angesprochen fühlen werden.

6/10

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