BAD BOYS

„One way or the other, I’m going to get to the bottom of this.“

Bad Boys ~ USA 1983
Directed By: Rick Rosenthal

Nachdem er bei der Flucht vor der Polizei versehentlich einen kleinen Jungen überfahren hat, wird der bereits einschlägig vorbestrafte Mick O’Brien (Sean Penn) zu einer Haftstrafe im Jugendgefängnis verurteilt. Dort arbeitet er sich in der Hackordnung mehr oder weniger gezwungenermaßen flugs nach oben, genießt jedoch die Sympathie des Sozialarbeiters Herrera (Reni Santoni). Derweil verlangt es Paco Moreno (Esai Morales), den Bruder des Jungen, den Mick auf dem Gewissen hat, nach Rache. Er verprügelt und vergewaltigt Micks Freundin J.C. (Ally Sheedy) und muss bald darauf selbst in den Jugendarrest, wegen Platzmangels in dieselbe Anstalt, in der auch Mick einsitzt. Eine Konfrontation der beiden Widersacher ist unausweichlich.

Ein finsterer, unerbittlicher Film, wie es seiner in den noch weniger materialistisch orientierten, frühen Achtzigern, der Prä-Yuppie-Ära sozusagen, einige gab. Der urbane Moloch, Chicago im vorliegenden Falle, findet sich darin oftmals abgebildet als lebensfeindliches, hässliches, schmutziges Areal voller Slums, über dem wahlweise kalte Regenwolken oder Nachthimmel hängen, in denen sich jeder selbst der Nächste ist und in der Zuneigung und Sympathie bestenfalls als letzte Zivilisationsrelikte auftreten. Exakt jene Welt bildet auch Rosenthals „Bad Boys“ ab. Mick O’Brien geht noch zur High-School und kennt dennoch bereits all die unangenehmen Seiten, die das Leben einem Minderjährigen nur bieten kann. Die alleinerziehende Mutter bringt allenthalben einen anderen „Onkel“ mit nach Hause, Kriminalität und äußere Härte bergen die einzigen Erfolgserlebnisse. Als es darum geht, den Latino Paco Moreno und seine Freunde um einen gut bestückten Koffer voller Drogen zu erleichtern, stirbt nicht nur Micks einziger Freund Carl (Alan Ruck) im Kugelhagel, es kommt auch noch zu einer weiteren Katastrophe, der ein Achtjähriger zum Opfer fällt. Dann geht es von der Straße in den Strafvollzug und der ist keinen Deut besser. Au contraire, hier spiegeln sich die Machtverhältnisse in hemmungsloser Gewaltbereitschaft und sexueller Gewaltausübung wider. Wer überleben will, muss die miesesten Typen noch an Bosheit überflügeln – nur so erntet man großflächigen Respekt. Dass Mick O’Brien trotz all jenem noch zur Identifikationsfigur und zum Helden der Story taugt, verdankt man seinem immer noch guten Herzen und Sean Penns nuancierter Interpretation. Wenn Mick mit seiner Freundin zusammen ist oder die Freundschaft zu seinem nerdigen Knastkumpel Horowitz (Eric Gurry) verteidigt, erahnt man den weichen Kern in seinem Inneren, schließlich überwindet er sogar den situativ übermächtigen Todestrieb. Diese Mehrdimensionalität gilt übrigens nicht allein für Sean Penns Figur: Selbst die von Esai Morales und Clancy Brown gespielten Oberekel und Bösewichte erleben eine vergleichsweise differenzierte Charakterisierung. Insofern und wegen der besagten, zeitgebundenen Zeichnung vom großstädtischen Makrokosmos zählt „Bad Boys“ in jedem Falle zum Besseren, das das Genre aufbietet.

8/10

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