FLOWERS IN THE ATTIC

„We’re the children of the bride!“

Flowers In The Attic (Blumen der Nacht) ~ USA 1987
Directed By: Jeffrey Bloom

Nachdem ihr geliebter Vater (Marshall Colt) verstorben ist, ziehen die vier Kinder Cathy (Kristy Swanson), Chris (Jeb Stuart Adams), Carrie (Lindsay Parker) und Cory (Ben Ryan Ganger) gemeinsam mit ihrer Mutter (Victoria Tennant) in das altehwürdige Anwesen der Großeltern. Der „Plan“ der Mutter sieht vor, sich einen Platz im Testament ihres sterbenskranken Vaters (Nathan Davis) zurückzuerschleichen, nachdem sie vor Jahren in Ungnade gefallen ist. Die Großmutter (Louise Fletcher) jedoch erweist sich als hartherzige, bigotte Frau, die ihre eigenen Enkelkinder verachtet, einsperrt und hart bestraft. Das Quartett richtet sich derweil auf dem großzügigen Dachboden ein, sieht das Tageslicht jedoch nurmehr durch Gitterstäbe. Als Cory, der Jüngste, krank wird und stirbt und selbst darauf die Reaktion der immer längere Zeiträume abwesenden Mutter verhalten bleibt, entschließen sich Chris und Cathy zu einer längst überfälligen Maßnahme: raus aus dem Haus!

„Flowers In The Attic“ ist der bekannteste Roman der amerikanischen Trivialliteratin V.C. Andrews, dessen Erfolg, wie die meisten anderen ihrer Werke auch, gleich vier Fortsetzungen nach sich zog, zu einer „Saga“ ausgebaut und mitunter von einem Ghostwriter verfasst wurde.
Der Roman lässt sich wohl umreißen als „Erwachsenenmärchen“, angesiedelt irgendwo zwischen gothic horror und Kitschbelletristik, das allerdings nicht ohne konservatives Echo blieb. Die Geschichte beinhaltet nämlich eine inzestuöse Beziehung zwischen Bruder und Schwester, die sich im Laufe ihrer rund dreijährigen Zwangsgefangenschaft ineinander verlieben, sowie Anklänge an sadomasochistische Gelüste, die in Verbindung mit den Peitschenhieben der Großmutter stehen. Eine starke Koloratur also, die Blooms Erstverfilmung (im letzten Jahr wurde noch eine weitere fürs Fernsehen inszeniert) in „geschmackvoll“ austarierte Bahnen lenkt. Hier werden jene beiden pikanten Aspekte nurmehr angedeutet und in vager Schwebe belassen, wobei der Kenner der Vorlage natürlich bereits eines Besseren belehrt ist. Allerdings entwickelt Bloom eine wirklich horrible, gräuliche Atmosphäre, der die Abschwächung der sexuellen Motivik eher gut tut und die nunmehr hervorragend als Transponierung der grimm’schen Märchen auf die Moderne gelesen werden kann: Die – sowohl durch das plötzliche Ableben des liebenden Vaters als auch durch den Verrat der habgierigen Mutter – im Stich gelassenen Kinder, die in der obersten Etage eines Hexenschlosses überleben müssen, wobei das Schwächste von ihnen vergiftet wird und stirbt, das ist nicht erst bei näherer Betrchtung von ebenso finsterem wie kinderschrecklichem Albtraumgehalt. Zudem finden wir in Blooms Werk ein schönes, kleines Revival des vergessen geglaubten Hag-Horror vor; von elder ladies in distress. Louise Fletcher beweist einmal mehr, dass sie böse Frauenzimmer zu personifizieren vermag wie kaum eine andere. Diese Großmutter ist so eine widerliche, alte Hexe, dass man ihr qua von Minute Eins an das Fegefeuer an die Textilien wünscht.
Ein sehenswerter, auf seine spezifisch-bizarre Weise schöner Film, der es nicht verdient hat, so aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden zu sein.

8/10

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