MISSION: IMPOSSIBLE – ROGUE NATION

„Desperate times, desperate measures.“

Mission: Impossible – Rogue Nation ~ USA/HK/CN 2015
Directed By: Christopher McQuarrie

Der IMF wird aufgelöst – just, als dessen Top-Mann Ethan Hunt (Tom Cruise) dicht auf die Spur des von ihm lange verfolgten „Syndikats“ kommt, einer weltweit operierenden Terrororganisation, deren Mitglieder sich ausnahmslos aus als tot geltenden Ex-Agenten der internationalen Geheimdienste rekrutieren. Gleichermaßen gejagt von dem übereifrigen CIA-Beamten Hunley (Alec Baldwin) und dem Syndikatskopf Solomon Lane (Sean Harris) stehen dem nunmehr auf eigene Rechnung operierenden Hunt immerhin seine gestandenen Kollegen Brandt (Jeremy Renner), Dunn (Simon Pegg) und Stickell (Ving Rhames) zur Seite sowie die britische Agentin Ilsa Faust (Rebecca Ferguson). Es gilt, den nächsten großen Coup des Syndikats, die Entführung des englischen Premierministers (Tom Hollander), zu verhindern und Lane dingfest zu machen.

Das „M:I“-Franchise kann es nicht erst seit diesem seinem jüngsten Vertreter locker mit dem großen Vorbild James Bond aufnehmen, dessen bewährter Ingredienzen es sich nicht nur freimütig bedient, sondern diese zudem zu konzentrieren und perfektionieren versteht. An klassisch geprägter Agenten-Action dürfte es im Kino gegenwärtig jedenfalls nichts Besseres geben. Das beweist nach den bereits überaus gelungenen, letzten beiden Installationen des Serials (dessen einzigen Totalausfall in meiner Wahrnehmung ohnehin lediglich John Woos straffällig überkandideltes Erstsequel bildet) wiederum dessen nunmehr fünfter Teil, für den der einfach nicht ruhiger werdende Scientology-Derwisch Tom Cruise sich der mittlerweile vierten Kollaboration mit Christopher McQuarrie zu versichern wusste. Geschichte und Widersacher bilden wiederum lediglich Aufhänger für eine formidable Abfolge ebenso elegant wie tempostark inszenierter, kinetischer Höhepunkte, von denen man sich den liebsten aussuchen darf: Ob es gegen eine ganze Kohorte von Attentätern in der Wiener Staatsoper während einer „Turandot“-Aufführung geht, um den Raub einer Listendatei aus einem von einer Unterwasserturbine (!) geschützten Hochsicherheitskomplex in Marokko, zweier (!!) sich anschließender Verfolgungsjagden per Auto und Motorrädern oder dem im Vergleich dazu beinahe unspetakulären Showdown in London – es gibt wieder Schauwerte satt und diese in ebenmäßigster Tradition ohne störende inszenatorische Sperenzchen oder offensichtliche CGIs, geschmackvoll, launig, hoffnungslos übertrieben zwar, die Intelligenz des Zuschauers dabei jedoch nie beleidigend – kurzum: exzellent amüsierend. Cruise als Privatperson wird nicht wenigen Zeitgenossen (ich nehme mich da keinesfalls aus) gepflegt den Buckel runterrutschen dürfen – als überdimensionierter Actionheros jedoch rangiert er, ohne Wenn und Aber, weiterhin auf den allervordersten Plätzen.

8/10

DRACULA UNTOLD

„Sometimes the world no longer needs a hero. Sometimes what it needs — is a monster.“

Dracula Untold ~ USA/J 2014
Directed By: Gary Shore

Rumänien, um die Mitte des 15. Jahrhunderts: Der das Land belagernde Sultan Mehmed II. (Dominic Cooper) verlangt 1000 männliche Kinder und Jugendliche zur Verstärkung seiner Truppen für den Feldzug gen Westen, darunter auch Ingeras (Art Parkinson), den Sohn des Fürsten Vlad (Luke Evans). Um der Übermacht der Türken zu trotzen, sucht dieser einen im Gebirge hausenden, uralten Vampir (Charles Dance) auf, der Vlad seine Fähigkeiten überträgt. Schafft er es, in den folgenden drei Tagen dem Durst nach menschlichem Blut zu widerstehen, wird Vlad sich wieder zurückverwandeln. Mit seinen geborgten Kräften macht er im Alleingang ein türkisches Heer nach dem anderen nieder, doch Mehmed gelingt es, ihn zu überlisten, Vlads Frau Mirena (Sarah Gadon) zu töten und Ingeras zu entführen. Mit letzter Kraft bietet Mirena ihrem verzweifelten Gatten ihr Blut feil, woraufhin dieser zu ewigem Leben als Vampir verdammt ist.

Unmittelbar nach der Betrachtung von „Vlad Tepes“ wirkt diese von der Universal ganz bewusst als Grundstein für ein neues Franchise, das „Dark Universe“, angelegte Dracula-Origin in höchstem Maße vulgär und komplexitätsreduziert. Die für die Revisionierung Draculas als Vampir-Superheld notwendige Ignoranz der Historizität lässt sich dabei verschmerzen, weniger jedoch der unbedingte Hang danach, den klassischen Blutsaugerfürsten als Konkurrenzprodukt zum just erstarkten MCU umzugestalten, sprich: einen Superhelden aus ihm zu machen. Dass Vampir- und Superheldenmilieu sich gegenseitig nicht zwangsläufig ausschließen, bewiesen bereits lange zuvor etwa die Kreierung der Marvel-Comicfiguren Morbius oder „Blade“ nebst den zu Letzterem gehörigen Filmadaptionen mit Wesley Snipes. „Dracula Untold“ bedient sich ganz ähnlicher Wirkmerkmale und Stilismen für den Verkauf seiner pathetischen Story. Nachdem Vlad, aus dessen ohnehin charakterimmanenter, dunkler Seite Shores Kinodebüt von Beginn an bewusst keinen Hehl macht (als „Pfähler“ genießt er auch hier eine angsteinflößende Reputation), vom Blut des mysteriösen Altvampirs gekostet hat und seine neuen, übersinnlichen Fähigkeiten kennenlernt, fühlt man sich prompt in ein Superhelden-Stück versetzt. Mit wachsender Begeisterung registriert Vlad, dass er superstark und superschnell ist, eine hochsensorische Wahrnehmung besitzt sowie sich in Hunderte von Fledermäusen verwandeln und in deren Gestalt durch die Lüfte fliegen kann. Ansonsten entblödet Shore sich nicht, scheinbar restlos alles, was in den letzten fünfzehn Jahren im publikumswirksamen Monumental- und Fantasy-Sektor etabliert wurde, zu verwursten, ob „Van Helsing“, „The Lord Of The Rings“ oder „Gladiator“ – etliche Vorbilder geben sich mal mehr, mal weniger oberflächlich ein Stelldichein und/oder sorgen für Déja-vus in rascher Abfolge. In Relation dazu bleiben die wenigen schönen, innovativen Momente höchst überschaubar und der Film als Gesamtwerk somit der leidlichen Redundanz und damit einhergehend potenziellen Ignorierbarkeit verhaftet.

4/10