NIEMAND WEINT FÜR IMMER

„Und da wurde die Lou eben verrückt…“

Niemand weint für immer ~ SA/BRD 1984
Directed By: Jans Rautenbach

Für einen Tagungsvortrag kommt der Tierarzt und Großwildschützer Steve Crain (Howard Carpendale) nach Johannesburg. Dort begegnet er der sich widerwillig prostituierenden Suzy (Zoli Marki), die die Schulden ihres Vaters (Siegfried Rauch) bei der Unterweltchefin Karen Swart (Fiona Ramsay) abarbeitet, und verliebt sich in sie. Steve ahnt freilich nichts von dem schmutzigen Gewerbe Suzys und diese setzt alles daran, dass es auch so bleibt. Um bei Steve bleiben zu können, bittet sie Karen, sie gehen zu lassen, doch die eiskalte Frau und ihr Geschäftspartner Nico (James Ryan) kennen kein Erbarmen. Sie prügeln Suzy krankenhausreif, woraufhin deren Mitbewohnerin und Arbeitskollegin Lou Parker (Elke Sommer) das Gesetz in die eigenen Hände nimmt. Steve, der unterdessen glaubt, Suzy habe ihn sitzen lassen, kann das geliebte Wesen nicht vergessen und macht sich auf die Suche nach ihr.

Mit 38 Jahren probierte Schlagerstar Howard Carpendale dann auch mal was Neues und ließ sich für eine der Hauptrollen in dieser in Südafrika spielenden Kitschromanze anheuern. Für den gebürtig aus Durban stammenden Carpendale vor allem eine willkommene Gelegenheit, sich in die alte Heimat zu begeben und dort zu arbeiten ohne sich für seine zumindest in der Öffentlichkeit gepflegte, lokalpolitische Neutralität rechtfertigen zu müssen. So spielt das Thema Apartheid natürlich keine Rolle in „Niemand weint für immer“ und wird sorgsam umschifft. Stattdessen nimmt sich das Ganze wie die Doppelfolge einer der zu dieser Zeit auch und besonders bei uns beliebten Soaps aus den USA aus, ein bebilderter Groschenroman mit Kriminalelementen sowie ein wenig abgehalfterter Starbeteiligung.
Der Film war die letzte Regiearbeit des zur damaligen Zeit renommierten südafrikanischen Regisseurs Jans Rautenbach, entstand aber vor allem durch Unterstützung deutscher Mittel und deutschen Personals, darunter der des umtriebigen Tausendsassas Luggi Waldleitner. Elke Sommer, deren Figur im Laufe der Geschichte verrückt wird und in der Klapsmühle endet und Siegfried Rauch, beide aus derselben Schauspielergeneration stammend und beide jeweils durch vielerlei internationalen Engagements gesegnet, liefen sich hier ein weiteres Mal über den Weg – freilich ohne eine gemeinsame Szene spielen zu können -; die hübsche Zoli Marki dürfte Psychotronik- und Lisa-Film-Enthusiasten vor allem als walkmanbewährte Bikini-Schönheit in „Im Dschungel ist der Teufel los“ in Erinnerung sein. Dass Howie Carpendale nicht sonderlich gut spielt, wird indes niemand ernstlich als Überraschung werten, dass der ja bekanntlich mit einem ehernen Akzent parlierende Musiker sich allerdings selbst synchronisieren durfte, erweist sich als eine recht ungewöhnliche  Kreativmaßnahme (etlichen Schlagerstars, s. Chris Roberts, Christian Anders etc.pp. war dies in der Vergangenheit stets verwehrt geblieben) die dann auch ihre  erwartungsgemäß komische Wirkung nur selten verfehlt („Isch liebe disch.“). Sehr viel prägnanter ist da schon das natürlich von ihm geträllerte Titellied, das allerdings für einen bestialischen Ohrwurm sorgt.
Um eventuell auftretende Risiken und Nebenwirkungen abzuschwächen, empfehle ich den Parallelkonsum von mindestens drei Litern Bier.

5/10

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