NEBELMÖRDER

„Die waren alle bloß neidisch auf Erwin.“

Nebelmörder ~ BRD 1964
Directed By: Eugen York

Der bedrohliche Schatten eines Serienmörders schwebt über dem beschaulichen Kleinstädtchen Hainsberg in Hessen. Bereits nach dem ersten Opfer, einer jungen Frau, schlägt Kommissar Hauser (Hansjörg Felmy) vom Morddezernat seine Zelte in Hainsberg auf und sucht fieberhaft nach dem Täter. Doch können auch er und seine eifrigen Leute ein zweites Verbrechen nicht verhindern. Dabei läuft in Hainsberg noch so Manches schief: Einige Pennäler rund um den altklugen Heinz Auer (Ralph Persson) feiern insgeheim verruchte Scheunenpartys, wobei der schüchterne Erwin Lindemann (Lutz Hochstrate) mehr und mehr ausgegrenzt wird. Als Erwin Kommissar Hauser einen Verdacht bezüglich Hauser anträgt, nehmen dieser und seine Kumpel Erwin böse in die Mangel. Möglicherweise weiß auch Erwins Kumpel, der zurückgebliebene Schundromanleser Franz Ritzel (Jürgen Janza), mehr als er sagt…

Skandalöses in Hainsberg: Ein vermeintlich sozial kontrollierter Mikrokosmos gerät aus den Fugen, als ein offenbar gestörter Gewaltverbrecher beginnt, seine Obsessionen auszuleben. Besonders in nebligen Nächten schlägt der Täter mit Vorliebe zu und neblige Nächte gibt es einige in und um Hainsberg. Allerdings werden diese nicht nur für willkürliche Mordtaten genutzt, die Jugendlichen treffen sich außerdem privat, um Jazzmusik zu hören, Alkohol zu trinken und ungeschützte koitale Kontakte zu betreiben. Dabei kommt es, wie es kommen muss – ausgerechnet Franziska (Elke Arendt), die Tochter des aufrechten Gymnasialrektors Hillebrand (Wolfgang Büttner), „erwählen“ der Klapperstorch respektive der zwielichtige Heinz Auer, um, höchst unfreiwilligst versteht sich, für die Ankündigung von Nachwuchs zu sorgen. Natürlich soll Franziska zu einem Arzt, der sich „des Problems annimmt“.
Damit nicht genug verprügelt man den als Denunzianten verschrieenen Lindemann und flößt ihm massenhaft Hochprozentiges ein, was dessen schmaler Körperbau nicht verpackt: ein weiterer Toter, diesmal aufgrund reiner juveniler Willkür. Der leicht schwachsinnige Gartenarbeiter Ritzel versteckt derweil indizierte Groschenheftchen rund um sex & crime („Schüsse aus Puerto Rico“ und ähnlich Zersetzendes) in einem Geheimfach, was ihn für Hauser zwischenzeitlich zum Hauptverdächtigen macht. Immer wieder in den Bildkader gerückte Kakerlaken dienen als metaphorisches Vexierspiel und liefern Hauser schließlich doch noch den entscheidenden Hinweis. Allerhand los also im „Nebelmörder“, einem ausnahmsweise nicht von den vorherrschenden Moguln Wendlandt oder Brauner produzierten Reißer mit liebenswert-verfilzt populistischer Glasur, für dessen gegenwärtige Verfügbarkeit man nurmehr dem Zufall danken kann. Schön.

8/10

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