NARC

„You must be out of your fucking mind! You call up my integrity? My commitment?“

Narc ~ USA 2002
Directed By: Joe Carnahan

Nach einigen Monaten der Suspension wird der wegen eines furchtbaren Dienstunfalls in Ungnade gefallene Cop Nick Tellis (Jason Patric) mit einem Angebot von oberster Seite konfrontiert: Er soll helfen, die Ermordung seines ihm unbekannten Kollegen Michael Calvess (Alan Van Sprang) aufzuklären. Wie einst Nick war auch Calvess undercover in der Drogenszene tätig, wurde schlussendlich jedoch von einem unbekannten Täter gnadenlos hingerichtet. Gemeinsam mit Calvess‘ früherem Partner und Freund Henry Oak (Ray Liotta), einem bärbeißigen Cop, der gern erst drauflos prügelt und dann fragt, macht sich Nick an die Ermittlungen, sehr zum Unwillen seiner Frau Audrey (Krista Bridges), die nicht will, dass Nick wieder auf der Straße arbeitet. Immer näher kommen Nick und Henry der Wahrheit, bis Nick ein paar unschöne Zusammenhänge entdeckt…

Joe Carnahans beachtenswerter Polizeifilm „Narc“ müht sich, atmosphärisch an seine Erbmasse der siebziger und achtziger Jahre anzuknüpfen, in denen die Protagonisten häufig gebrochene, wahlweise in der Korruption strandende oder zumindest mit dieser konfrontierte Typen waren und ihr Einsatzgebiet zumeist ein hässlicher, wahlweise nasskalter oder unter siedender Hitze ächzender, urbaner Moloch. So erinnert Jason Patrics Charakter Nick Ellis mit seinem beinahe hippieesken Auftreten nicht von ungefähr an Frank „Serpico“, den einst Al Pacino in einer seiner ikonischsten Rollen überhaupt für Sidney Lumet interpretierte, derweil sich Ray Liottas Figur Henry Oak an den wiederum von Lumet inszenierten Nick Nolte als Michael Brennan in „Q & A“ anlehnt. Natürlich bildeten auch diese beiden – wenn man so will – Archetypen, die im Prinzip repräsentativ für ganze Phalanxen aus mittlerweile zu symbolischen Abgussformen avancierten Charakteren waren: Einerseits der aufrechte Cop, familiär engagiert aber doch wesentlich intensiver seinem Beruf als eigentlicher Lebensaufgabe verfallen, gern ein etwas schlurriger, ungepflegter Kerl, das Herz jedoch stets am rechten Fleck und, was noch wichtiger ist, garantiert unbestechlich und gesetzestreu. Am anderen Spektralende dann der bärbeißige Reaktionär – sich selbst als moralische Instanz sowie Rollenmodell begreifend und daher gut gekleidet, mit eherner, persönlicher Agenda, die nicht selten die Grundrechte Verdächtiger mit Füßen tritt, gelegentlich sogar korrumpierbar infolge unglücklicher Ereignisketten. „Narc“ holt also diese zwei Genre-Stammväter zurück in den Fokus und kontrastiert sie mit den Mitteln seiner Entstehungszeit, die von der monochromen Bildgestaltung über Shutter-Effekte bis hin zur split screen allerlei formale Extravaganzen versammelt, welche die innere Kraft des Films jedoch glücklicherweise kaum weiter beschädigen. Interessant wird Carnahans Film auch dadurch, dass er am Ende zuvor als gesichert geltende Verdachtsmomente entkräftet und damit die Motivation einer der beiden Hauptfiguren in ein bislang unvermutetes Licht rückt. Dass gewisse Klischees und Stereotypen sich bei aller übrigen Ambition immer wieder einschleichen, mag sich durch die obligatorische Gattungsimmanenz apologisieren lassen, vielleicht hätte der selbstbewusste Verzicht darauf „Narc“ aber auch aufgewertet.

7/10

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