DER UNHEIMLICHE MÖNCH

„Erlauben Sie mal, mein Fräulein – wer verhört eigentlich wen?“

Der unheimliche Mönch ~ BRD 1965
Directed By: Harald Reinl

Ein als Mönch maskierter Irrer verschreckt die über die Ferien im Hause verbliebenen Schülerinnen des Mädcheninternats Darkwood. Mit einer genickbrechenden Peitsche rückt er seinen Opfern zuleibe. Doch wer verbirgt sich unter der finsteren Kutte? Einige Lumpen kämen dafür in Frage, denn dass etwa die hübsche, junge Gwendolin (Karin Dor) als Alleinerbin des verstorbenen Schlossherrn eingesetzt wurde, wurmt ihre beiden Onkel (Siegfried Lowitz, Dieter Eppler) sowie ihren schmierigen Vetter Ronny (Hartmut Reck) ungemein. Doch dann ist da noch ein Mädchenhändlerring, der seine gekidnappten Opfer nach Südamerika verschifft und mit dem der mentalkrause Schlossmieter Alfons Short (Rudolf Schündler) in Verbindung steht. Sir John (Siegfried Schürenberg) und Inspektor Bratt (Harald Leipnitz) haben alle Hände voll zu tun…

Etwas weniger albern als der zuletzt geschaute „Grüne Bogenschütze“ mit seiner hier und da übertriebenen Selbstreferenzialität gab es hier, passend zu den sich diesbezüglich zuspitzenden sechziger Jahren, einiges mehr an Kolportage zu bewundern. Der perversen bis misogynen Irren hat es hier gleich mehrere; Menschenhändler, die hübsche, junge Damen entführen, um sie in exotische, für den bundesdeutschen Wirtschaftswunderbiedermann in etwa mit fernen Planeten gleichzusetzende Kulturkreise zu verschachern, bildeten seinerzeit eine vielfach benutzte Erscheinung im Kriminalfilmgenre. Ein paar in London angefertigte on-location-shots beschwerten das wie bei der Wallace-Serie üblich angestrebte, britische Flair und ein ungewöhnlich brutal und offensiv vorgehender Gruselmörder schlug nette Brücken zum internationalen gothic horror. Die Entlarvung des Mönchs kommt schließlich relativ überraschend und unvorhersehbar daher, wobei der Titelverbrecher trotz seiner Opferliste vermutlich noch derjenige ist, der von allen sich im Film tummelnden Gaunern den geringsten Dreck am Stecken hat. Aber so war es ja häufiger mal beim „Wallatze“. Neben Reinls versiert-flotter Inszenierung, deren in Farbe kredenzte Titelsequenz gewissermaßen bereits die kommende Richtung vorweg nahm, darf man vor allem die Herren Schündler und Lowitz sowie die imposante Ilse Steppat hervorheben – ganz exzellentes Personal war da am Werke.

7/10

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