PIXELS

„Pac-Man’s faster than I remember.“

Pixels ~ USA/CN/CA 2015
Directed By: Chris Columbus

Eine 1982 ins All geschossene Video-Dokumentation der damaligen Arcade-Weltmeisterschaft hat 33 Jahre später böse Folgen: Das Tape wurde nämlich von einer außerirdischen Zivilisation aufgefangen, die es als Kriegserklärung der Menschheit begreift und sich nun aufmacht, die Erde mit gigantischen Versionen der klassischen Videospiel-Protagonisten rund um Pac-Man, Centipede und Donkey Kong aufzumischen. Um der Invasion Herr zu werden, ruft Will Cooper (Kevin James), der Präsident der Vereingten Staaten, die damaligen Weltmeisterzocker zusammen, allen voran seinen besten Freund, den Fernseh-Installateur Sam Brenner (Adam Sandler). Ihm zur Hilfe eilen Supernerd und Verschwörungstheoretiker Ludlow Lamonsoff (Josh Gad) und Brenners schärfster Ex-Konkurrent Eddie Plant (Peter Dinklage), der mittlerweile im Knast sitzt. Gemeinsam macht man sich daran, die Aliens binnen drei fairen Duellrunden zum Rückzug zu bewegen.

Um „Pixels“ etwas abzugewinnen, muss man ihm streng analytisch begegnen und ihn als Bestandteil des sandlerschen Kinokosmos betrachten. Als herkömmliche Blockbuster-Unterhaltung für den Kinogänger XY versagt er derweil big time, was ihm, wenig überraschend somit, die für Sandler-Vehikel übliche Missbilligung des globalen Feuilletons eingetragen hat. Und tatsächlich sind, insbesondere für Sandman-Verhältnisse, die allermeisten Gags erstaunlich gewöhnlich, eindimensional und flach, hinterlassen allzu häufig einen abgestandenen und flauen Eindruck. Wesentlich interessanter dann das sich erst aus der Distanz betrachtet fügende Gesamtbild: Eine Geschichte, in deren Kern eine Alien-Invasion in Form antiquierter Videospiel- und Atari-Ungeheuer steht, die einzig und allein von ein paar ausgebrannten Relikten ihrer überkommenen Ära aufgehalten werden kann, das ist allerbester Sandler-Stoff. Wobei sein ihm abermals zur Seite stehender Kumpel Kevin James, der auch als US-Präsident vollkommen und rundum Kevin James bleibt, natürlich nicht fehlen darf. Als erklärtes Kind der achtziger Jahre romantisiert Sandler ebendiese Zeit in seinen Filmen immer wieder aufs Neue, offenbart, dass er dem damalig vorherrschenden Kulturgeschehen nebst Film, Musik und Fernsehen gewichtige Teile seiner Persönlichkeits- und Künstlerprägung verdankt und greift infolge dessen immer wieder auf den entsprechenden Einfluss-Pool zurück. „Pixels“ wird eingerahmt von dem Cheap-Trick-Song „Surrender“, holt Queen, Loverboy und Spandau Ballet aus der Mottenkiste. Nicht nur die Ur-Games und Songs von damals geben sich ein Stelldichein, sondern auch zeitgenössische Pop-Ikonen, die jeweils die Videobotschaften der Aliens übermitteln: Ricardo Montalban und Hervé Villechaize aus „Fantasy Island“, die junge Madonna, das stotternde Computerwesen Max Headroom oder das Popduo Hall & Oates. Diese natürlich sehr spezifizierte Auswahl an Kulturrelikten ist ebenso spaßig und liebenswert arrangiert wie sie die damalige Zeit respektvoll verballhornt. Die alten Arcade-Spiele und ihr sozialer Impact auf die damalige Jugend werden den neumodischen Internet-Shootern gegenübergestellt, ohne jedoch die befürchtete, reaktionärpädagogische Message vom Schädling Ballerspiel walten zu lassen. Im Gegenteil, um am Ende den Sieg einzufahren, muss sich Sam Brenner auf das gegenwärtig maßgebende Zocker-Dogma einstellen: Gewinne, weil du ein Kerl bist!
Dennoch empfand ich diesen Sandler, in dem Knalleffekte und audiovisuelle Reize Humor wie Romantik ganz gezielt einzustampfen und zu überlappen scheinen, omnino betrachtet als eher mittelmäßigen Beitrag zu seinem Gesamtwerk, in etwa auf einer Linie mit dem süßlichen „Bedtime Stories“.
Ich hoffe doch sehr, dass der soeben in der Fertigstellung begriffene Netflix-Western „The Ridiculous 6“ da wieder manches geradebiegt. Bin aber recht zuversichtlich.

6/10

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