JONATHAN DEGLI ORSI

„I’ve seen the pure hatred of people wearing the colur of my skin.“

Jonathan Degli Orsi (Die Rache des weißen Indianers) ~ I/RU 1994
Directed By: Enzo G. Castellari

Der bei Indianern aufgewachsene Jonathan Kowalski (Franco Nero) lebt ein unstetes Leben zwischen tiefer Spiritualität und Rachegelüsten, die sich gegen die Ausbeuter des roten Volkes und vor allem gegen die feigen, weißen Mörder seiner Eltern richten. Mit dem bösen Ölförderer Goodwin (John Saxon) kommt schließlich der letzte noch verbliebene Übeltäter von dereinst in das Städtchen Goldtown und attackiert Jonathans Stamm wegen der Vorkommen Schwarzen Goldes unter ihrer Begräbnisstätte. Jonathan wird schließlich von Goodwin gefangen genommen, kann jedoch durch eine glückliche Fügung entkommen und dem Schurken und seinen Männern den Garaus machen.

Mit der infolge von Costners „Dances With Wolves“ und Eastwoods „Unforgiven“ zwischenzeitlich wiedererstarkten Popularität des Wildwest-Genres meldete sich auch der Italowestern nochmal zu Wort: Ganze achtzehn Jahre nach „Keoma“ taten sich Enzo G. Castellari und Franco Nero wieder zusammen, um einen dem Vorbild thematisch nicht unähnlichen Film auf die Strecke zu bringen. „Jonathan Degli Orsi“ kombinierte nun die dem italienischen Western grundsätzlich zueigene, romantische Naivität nebst putzigen Anachronismen, zu denen etwa noch gesangsbasierte, mit einfältigen vocals versehene Musikstücke zählten, mit dem neuen Naturalismus seiner jüngsten US-Pendants. So konnte neben einigen anderen indianischen Schauspielern mit Floyd „Red Crow“ Westerman jener markante Sioux-Darsteller gewonnen werden, der bereits in Costners Epos eine gewichtige Rolle als Häuptling inne gehabt hatte und es wurde jetzt in originalem Dialekt parliert. Dem eher italo- und exploitationaffinen Zuschauer kredenzte Castellari durch Auftritte von John Saxon, David Hess, Bobby Rhodes (der sogar die schönste Rolle des gesamten Films abbekommen hat) und Ennio Girolami mancherlei erfreuliche  Wiedersehen mit alten Helden.
Filmhistorisch betrachtet also durchaus ein Kuriosum seiner Ära, ist „Jonathan Degli Orsi“ vor allem ein liebenswerter, gut gemeinter Pazifisten- und Ökowestern, der seine eigene Agenda allerdings immer mal wieder denunziert, wenn er Franco Nero (der nebenbei mindestens zwanzig Jahre zu alt ist für seine Rolle) in der einen Minute noch über die Schlechtigkeit und Gewalttätigkeit des weißen Mannes philosophieren und ihn in der nächsten mit einiger Befriedigung ein Dutzend henchmen über den Haufen knallen lässt. Aber das hier ist eben nicht Strindberg, sondern Castellari.

7/10

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