SERGEANT RYKER

„I could tell you what I wanted – you’d never believe me. And for a good reason.“

Sergeant Ryker (Hängt den Verräter) ~ USA 1968
Directed By: Buzz Kulik

Während des Koreakrieges wird Sergeant Paul Ryker (Lee Marvin) als Überläufer zu den Kommunisten verhaftet. Er soll einem ihm wohlbekannten, chinesischen Offizier nicht nur strategisch wertvolle Informationen zugeschanzt, sondern diesem auch als Adjutant gedient haben. Ryker behauptet indes, keineswegs ein Landesverräter zu sein, sondern in geheimem Auftrag für die Spionageabwehr gehandelt zu haben. Dies kann der betreffende, unterdessen gefallene Colonel jedoch nicht mehr bestätigen. Da Rykers vormaliger Ankläger sich in Ann (Vera Miles), die Frau des Angeklagten verliebt hat, rollt er ihretwillen den Fall nochmal auf – dismal als Verteidiger. Doch der frustrierte Ryker weigert sich, bei dem Prozess, der nach seiner Ansicht nur dazu dient, ihn ein weiteres Mal zu diffamieren, mitzuspielen. Zudem belasten die von seinem Neuankläger (Peter Graves) aufgefahrenen Indizien Ryker schwer…

Warum der trotz seiner schmucken Besetzung überaus karg und schmucklos inszenierte Film sich mit seiner auf Bühnenniveau befindlichen Erscheinung zufrieden geben musste, erschien mir zunächst schleierhaft, erklärte sich jedoch angesichts späterer, kurzer Nachforschung rasch: „Sergeant Ryker“ war ursprünglich überhaupt kein Kinofilm, sondern ein fünf Jahre zuvor für die TV-Show „Kraft Suspense Theatre“ entwickelter Zweiteiler, der infolge von Lee Marvins nicht zuletzt durch „The Dirty Dozen“ sprunghaft angestiegener Popularität zusammengeschnitten und für einen internationalen Kinoeinsatz aufbereitet wurde.
Die gespannte Erwartung, eines bis dato sträflich versäumten Kriegsfilms für die big screen ansichtig zu werden, musste am Ende also der zwangsläufigen Ernüchterung weichen, mehr oder minder routiniert arrangierter Fernsehdramaturgie beizuwohnen. Insofern fielen meine Eindrücke recht enttäuscht aus, weshalb ich mich lieber auf die positiv aufgenommenen Aspekte stützen möchte. Diese richten sich folglich  nicht auf Regisseur Kulik, der mir ohnehin stets besser beim TV aufgehoben schien, sondern auf die besonders in dieser Kombination spannende Darstellerschaft sowie die vergleichsweise ungewöhnliche Conclusio. Lee Marvin fehlt noch etwas die altersabgeklärte Coolness der kommenden Jahre; er breitet sich noch in der damals gewohnten Rolle des zynisch-unnahbaren, rotzigen Rebellen aus, was eine abrupte Einstufung seiner Figur andererseits schwierig gestaltet. Am Besten gefiel mir Bradford Dillman als ethisch gefestigter Dreh- und Angelpunkt der Geschichte, der in seinem ganz privaten Gefühlschaos den Überblick zu behalten hat und dies dann auch mit einiger Bravour meistert. Schließlich wäre Murray Hamilton erwähnenswert, der als vielleicht tragischster Charakter der Verhandlung um Sergeant Ryker haften bleibt.
Das Ende begnügt sich glücklicherweise nicht mit Eindeutigkeiten, sondern gibt dem Publikum nochmal einen kurzen, geschickten Rezeptionsinput, indem es offen lässt, ob Ryker trotz seines gerichtlichen Erfolges im Sinne der Anklage wirklich unschuldig ist oder doch nur ein geschickter Schauspieler, der dem Tode von der Schippe springen konnte. Wie würden Sie entscheiden?

6/10

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