WER STIRBT SCHON GERNE UNTER PALMEN

„Der dreht noch vollkommen durch…“

Wer stirbt schon gerne unter Palmen ~ BRD 1974
Directed By: Alfred Vohrer

Bei einem Segeltörn vor Ceylon sinkt die Yacht des wohlhabenden Playboys Werner Becker (Thomas Hunter). Dieser kann sich als Einziger auf ein einsames Eiland retten, bleibt dort jedoch nicht lange allein: Fast zeitgleich stürzt ein Flugzeug ab, an dessen Bord sich der bärbeißige Polizist Cerdan (Glauco Onorato) und seine Gefangene, die unter dem Verdacht des Gattenmordes stehende Anna Pineaud (Maria Gudy) befinden. Die beiden landen auf derselben Insel wie Becker. Er und Anna verlieben sich bald ineinander und Anna kann Becker von ihrer Unschuld überzeugen. Cerdan hat derweil nur Verachtung für die beiden übrig, lässt sich nicht von seiner Mission, Anna der Gerichtsbarkeit auszuliefern, abbringen und wird dabei zusehends aggressiver. Auf dem Festland spüren derweil Annas Jugendfreund Heller (Sieghardt Rupp) und Cerdans Kollege (Robin Fernando) dem wahren Mörder von Pineaud nach…

Diese Verfilmung des gleichnamigen, in den Frühsiebzigern in mindestens jedem zweiten bundesdeutschen Bücherregal auffindbaren Erfolgsromans von Heinz G. Konsalik, entledigte sich auch noch der letzten Reste existenzialistischer Schwermut der Vorlage und wurde unter Vohrer zum nochmals leichter konsumierbaren Abenteuerkrimi umgebaut. Im Buch ist Werner Bäcker (mit ‚ä‘) ein Aussteiger, der sich mit seiner Familie nach Polynesien zurückgezogen hat und bei dem Schiffbruch seine Frau und zwei Kinder verliert. Daraus entspinnt sich dann zunächst die tragische, einsame Robinsonade eines Lebensmüden, dessen Geister sich nurmehr langsam wieder regenieren und sich mit der Ankunft von Polizist und Gefangener neuen Tragödien ausgesetzt sehen. Der von Thomas Hunter gespielte Film-Bäcker hat erst gar keine Familie, die er betrauern müsste und gibt sich entsprechend frohgemut und gut drauf. Die zusätzliche Einführung des von Sieghardt Rupp gespielten Hobby-Detektivs, der später dabei hilft, Annes Unschuld zu beweisen, ist nötig, um dem im Roman bestenfalls tertiär bedeutsamen Krimi-Subplot Gewicht zu verleihen. Kongenial erhalten bleibt indes die sowieso interessanteste Figur des fanatischen Polizisten Paul Cerdan (im Buch ‚Shirley‘), ein ruppiger, obrigkeitshöriger Zeitgenosse, der irgendwann den Verstand und darüberhinaus das Leben verliert. Vohrers Film reduziert sowohl diese triviale Kolportagegeschichte als auch ihre besonders einprägsam beschriebenen, naturalistischeren Momente auf einen harmlosen Unterhaltungsrahmen, bleibt jedoch durchweg ansehbar. Als die adäquatere (und bessere) mediale Transponierung erweist sich dennoch das alte Europa-Hörspiel mit Uwe Friedrichsen, Gottfried Kramer und Karin Eickhold, das mittlerweile nicht mehr ganz billig zu haben ist, sich aber dennoch, zumal im Vergleich mit Vohrers Film, sehr lohnt – vor allem, so man sich verständlicherweise nicht gleich den ganzen Roman (nebst Fortsetzung, die gibt’s nämlich auch noch) antun möchte.

6/10

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