THE HATEFUL EIGHT

„Got room for one more?“

The Hateful Eight ~ USA 2015
Directed By: Quentin Tarantino

Der Kopfgeldjäger John „The Hangman“ Ruth (Kurt Russell) ist in einer Kutsche durch das verschneite Wyoming auf dem Weg zum Städtchen Red Rock, um dort seine Gefangene Daisy Domergue (Jennifer Jason Leigh) abzuliefern. Unterwegs liest er einen Berufsgenossen, den Ex-Unions-Offizier Marquis Warren (Samul L. Jackson) nebst drei bereits dahingeschiedenen „Klienten“ sowie den neuen Sheriff von Red Rock, Chris Mannix (Walton Goggins) auf, der auf dem Weg zu seinem Amtsantritt ist. Um einem heraufziehenden Schneesturm zu entgehen, sucht das Quartett Zuflucht in dem kleinen Lädchen von Minnie Mink (Dana Gourrier), die man jedoch nicht daheim vorfindet. Stattdessen befinden sich der alte Konföderierten-Veteran Smithers (Bruce Dern), ein Mexikaner (Demián Bichir), ein Engländer (Tim Roth) und ein Cowboy (Michael Madsen) in Minnies Haus an. Die folgende, bluttriefende Nacht wird keiner von ihnen überleben…

Wenn ein neuer Film von Quentin Tarantino die Leinwände der Welt heimsucht, dann geschieht dies niemals ohne bombastisches Trara, und ebensowenig ohne Aussparung des Jubilierens seiner umfassenden Anhängerschaft, die sein im Prinzip eindimensionales Rezitationskino regelmäßig und nach wie vor zur tollsten Angelegenheit seit Erfindung der Butterbrotdose verklärt. Diesmal hat Q.T. sich Ennio Morricone gekrallt, der schon seit einer halben Ewigkeit keine US-Produktion mehr vertont hatte und seinen dp Robert Richardson zudem mit dem seit fast fünfzig Jahren nicht mehr verwendeten Kameraformat Ultra Panavision 70 arbeiten lassen, das eine extrem breite Cadrage (im Seitenverhältnis 2,76:1) ermöglicht und zuvor lediglich für zehn Filme zu Zeiten von Hollywoods Silver Age (der letzte davon war Basil Deardens „Khartoum“) benutzt wurde. Der Grund für die schon damals seltene Verwendung dieses Aufnahmeverfahrens lag vor allem in der fehlenden technischen Ausstattung der Filmtheater: Um in den vollen Genuss der 70mm-Projektion mit all ihren bildästhetischen Vorzügen zu kommen, bedurfte es einer entsprechenden technischen Ausstattung. Da über diese weltweit nur wenige, große Kinos verfügten, erwies sich der sehr exklusive Aufnahmeprozess bald als allzu unökonomisch. Kommt jedoch ein querulanter Rotzlöffel vom Schlage eines Q.T. daher, selbstbekokst und narzisstisch wie man ihn kennt, dann wird plötzlich auch dies wieder ermöglicht – allerdings müsste man sich zu einem der wenigen, von der Roadshow beehrten Theater aufmachen, um wirklich etwas von dem 70mm-Vergnügen „The Hateful Eight“ haben zu können. Ob der Film, der noch mehr kostenlose PR dadurch erhielt, dass sein Script vorab geleakt wurde und der infolge dessen zunächst erst gar nicht mehr entstehen sollte, all jenen Aufwand rechtfertigt, kann ich ehrlich gesagt nicht sicher beurteilen. Er präsentierte sich mir als über weite Strecken passabel und zumeist unterhaltsam, ohne jemals in den Verdacht auch nur annähernder Brillanz zu geraten. Sicher erscheint mir vor allem, dass der Film durch Tarantinos Hang zur dialogischen Geschwätzigkeit etliche Minuten länger geworden ist, als er hätte sein müssen, können oder dürfen und somit vor allem ein neuerliches Zeugnis für die grenzenlose Selbsträson seines Autors geriert. Die angestrebte klaustrophobische Atmosphäre aus Carpenters „The Thing“-Remake, als dessen spezielle Avance „The Hateful Eight“ dem Vernehmen nach gedacht ist, erreicht der Film jedenfalls zu keiner Sekunde. Dafür muss Tarantino erstmal erwachsen werden und lernen, sich seine nicht selten aufdringlichen Hommages zu verkneifen sowie sich seinen unablässig bemühten, selbstreferenziellen Humor abzuschminken, der im Grunde jeden einzelnen seiner Filme zugleich immer auch zur Groteske und damit gleichfalls zur Komödie macht. Immerhin kann man Q.T. eine Eigenschaft nicht vorwerfen: die der kreativen Heterogenität.

6/10

THE LONG KISS GOODNIGHT

„The last time I got blown, candy bars cost a nickel.“

The Long Kiss Goodnight (Tödliche Weihnachten) ~ USA 1996
Directed By: Renny Harlin

Trotz einer retrograden Amnesie, die ihr gesamtes Leben bis vor acht Jahren völlig vernebelt, lebt die brave Hausfrau Samantha Caine (Geena Davis) glücklich mit Lebensgefährten (Tom Amandes) und Töchterchen (Yvonne Zima) in einer beschaulichen Kleinstadt in Pennsylvania. Ein Autounfall sorgt für erste, bruchstückhafte Erinnerungen an ihr früheres Dasein, parallel dazu findet auch der von Samantha beauftragte Privatdetektiv Mitch Hennessey (Samul L. Jackson) Hinweise auf ihre tatsächliche Biographie. Als ein einäugiger Verrückter (Joseph McKenna) Samantha in ihrem Haus attackiert, macht sie sich mit Mitch auf die Suche nach ihrem früheren Selbst. Die Wahrheit erweist sich als bleihaltiger denn befürchtet: Samantha ist in Wirklichkeit eine CIA-Killerin namens Charly Baltimore (Geena Davis), die einst während der Erfüllung eines Auftrags ins Meer stürzte und die Erinnerung verlor. Ihr damaliges Zielobjekt „Daedalus“ (David Morse) arbeitet jetzt mit der CIA zusammen. Diese plant, zu Zwcken der Budgeterhöhung durch den Kongress, einen islamistischen Terroranschlag vorzutäuschen. Samantha/Charly, die zwischenzeitlich wieder ganz ihre alte, knallharte  Persönlichkeit wiederentdeckt hat, und dem verdutzten Mitch bleiben nurmehr Stunden, um das „hausinterne“ Attentat zu verhindern…

Renny Harlins achte Regiearbeit, nach dem katastrophal gefloppten Piratenabenteuer „Cutthroat Island“ ein abermaliges Geschenk an seine damalige Ehefrau Geena Davis, hatte ich bis dato nur einmal, nämlich bei seinem damaligen Videostart, gesehen und fand ihn ehedem recht albern und blöd. Jetzt bekam ich Lust, ihn mir nocheinmal anzuschauen und gehe doch unerwartet versöhnt aus dem Wiedersehen hervor. „The Long Kiss Goodnight“, den, wie ich vor einiger Zeit in einem Interview mit ihm gelesen habe, Samuel L. Jackson als von all seinen Filmen als seinen ihm liebsten bezeichnet, was ja doch einer mittelschweren Adelung gleichkommt, fiel mir heuer vor allem als Baby des Scriptautors Shane Black ins Auge. Dieser kombinierte seinerzeit ja stets und in der Regel recht erfolgreich explosives und über die Maßen gewalttätiges Actionkino mit obligatorischer Heldenfolter durch die Bösewichte sowie trockenstem Humor und entsprechend knackigem Dialog, der sich hier insbesondere durch eine großzügige Sprüchekaskade seitens Jacksons sympathischer Figur abzeichnet. Dieser Mitch Hennessey, ein korrupter Ex-Cop, der sich nicht entblödet, sein schmales Privatdetektivs-Einkommen durch das eine oder andere krumme Geschäft aufzubessern, ist trotz Geena Davis‘ kaum minder intensiver Darstellung das eigentliche Herz des Films. Gerade aus der Buddy-Partnerschaft dieser beiden höchst gegensätzlichen Charaktere, die zwischenzeitlich sogar Ansätze einer möglichen (im Sinne der Storyline jedoch wiederum unmöglichen) Romanze zum Anklingen bringen, bezieht „The Long Kiss Goodnight“ viel von seinem Reiz. Doch auch sonst darf ich nunmehr konstatieren, dass Harlins Film zu den Vorzeigeexemplaren des im Vergleich zur Vorgängerdekade an Höhepunkten eher bescheidenen Actionkinos der Neunziger zählt, der wohl nicht zuletzt aufgrund der Herkunft des Regisseurs einen gesunden „europäischen“ Touch und damit eine recht spezifische Signatur besitzt und nur selten durch kleinere Redundanzen (damit meine ich den xten Moment, in dem Geena Davis als ihren Gender-Konterparts überlegene, knallharte Superkillerin mit lockerem Mundwerk veräußert wird sowie die eine oder andere rückblickend eher bescheiden in den Bildkader integrierte Kunstexplosion) an Qualität einbüßt. Diese Ausgrabung hat sich durchaus gelohnt.

7/10

CRACK HOUSE

„G for life! G for life!“

Crack House ~ USA 1989
Directed By: Michael Fischa

Der junge Chicano Rick Morales (Gregg Thomsen) hat es geschafft, sich weitestgehend aus den Gang-Strukturen seines Viertels zu lösen, hat einen ordentlichen Job in einem Burger-Imbiss und eine rosige Zukunft mit seiner reizenden Freundin Melissa (Cher Butler) vor sich. Da kommt es, wie es kommen muss: Ricks Vetter Danny (Jacob Vargas) wird von der gegnerischen Clique der „Grays“ erschossen und Rick sinnt auf Rache. Doch just im Zuge des umgehend anberaumten Gegenschlags kassiert ihn Lieutenant Johnson (Richard Roundtree) und buchtet Rick ein. Für Melissa bricht eine Welt zusammen. Von dem schmierigen B.T. (Clyde Jones) lässt sie sich zum Crack-Konsum und dann zum Beischlaf überreden und gerät bald in die Fänge des Gangsterbosses Steadman (Jim Brown), für den Koks und Frauen lediglich Handelswaren darstellen. Als Rick davon erfährt, will er Melissa dringend helfen und bietet Johnson an, für ihn undercover zu arbeiten…

Von der späten Cannon verliehen, ist „Crack House“ ein fürstlich unterhaltender Hybrid aus allem Möglichen, was um die damalige Zeit so an sozialkritischem Ghettokino zusammenkam: Die von kriminellen Banden beherrschte High-School im Slum spielt da eine ebensolch vorrangige Rolle, wie die sich nach Ethnie zusammenfindenden Jugendgangs, familiäres Elend nebst Suchtschicksalen, Knastdrama und schließlich die große Seuche Crack. Aufgepimpt wurde die ganze Soße noch mit einigen aktionstragenden Schusswechseln und einem kleinen Undercover-Subplot. Gepfropft in handliche 86 Minuten Erzählzeit darf man im Falle von „Crack House“ jedoch keiner sonderlich ausdifferenzierten Demographiestudie entgesehen, sondern einem für seine Entstehungsphase schon recht dreist arrangiertem Sleaze-Klopper, für den mit Richard Roundtree und Jim Brown immerhin zwei wohlrenommierte Blaxploitation-Altstars gewonnen werden konnten. Vor allem Brown ist super als alles beherrschender Crackkaiser vom Ghetto, der, wohl leicht dem Größenwahn anheim gefallen, nach eigenen Regeln lebt und seine cracksüchtigen Privathuren irgendwann einfach wegwirft wie einen aufgerauchten Joint. Dass Steadman vornehmlich in seinem „rock house“, einem baufälligen, kleinen Bungalow, in dem Drogenküche, Waffenlager und Hausnutten versammelt sind, verkehrt, passt zwar nicht unbedingt zum großtuerischen Gestus des ghetto superstar, wird aber wohl dem merklich schmalen Budget des Films geschuldet sein. Trotz dessen insgesamt etwas stupider Story gewährt dieser eine ganze Menge authentischer wirkenderer Eindrücke in die porträtierten Subkulturen als manche wesentlich ernster und vermeintlich ambitionierter gefertigte Produktion und entpuppt sich beinahe als ein kleiner Geheimtipp, der das Wiederhervorkramen lohnt.

6/10

CREED

„I have to prove it!“

Creed ~ USA 2015
Directed By: Ryan Coogler

Erst im Alter von dreizehn Jahren erfährt der in Heimen aufgewachsene Adonis Johnson (Alex Henderson), dass er das Ergebnis eines Seitensprungs des einstigen Schwergewichtsweltmeisters Apollo Creed ist, der noch vor Adonis‘ Geburt starb. Apollos Witwe (Phylicia Rashad) nimmt Adonis schließlich bei sich auf. Jahre später entscheidet sich der seit eh und je vom Boxsport infizierte Adonis (Michael B. Jordan), das Erbe seines Vaters anzutreten und seinen erfolgreichen Job als Büroangestellter gegen eine Profikarriere im Halbschwergewicht einzutauschen. Da ihn an der Westküste niemand coachen mag, geht Adonis nach Philadelphia, um sich Rocky Balboa (Sylvester Stallone), dem besten Konkurrenten und besten Freund seines Vaters, vorzustellen. Der alternde und einsame Gastronom ist zunächst nicht daran interessiert, einen Nachwuchsboxer zu trainieren, lässt sich dann aber doch von Adonis‘ Hartnäckigkeit überzeugen. Als publik wird, dass Adonis Spross eines berühmten Hauses ist, soll er einen Titelkampf gegen den Briten Ricky Conlan (Tony Bellew) bestreiten. Emsig beginnt Rocky, sein neues Mündel auf den anstehenden Kampf vorzubereiten, da erhält er eine verhängnisvolle Diagnose…

Mit dem jüngsten Kapitel der „Rocky“-Saga, die jetzt in ihr vierzigstes Jahr geht, erscheint der Titelheld erstmals nicht mehr selbst im Titel. Es ist Zeit, die Fackel weiterzureichen, nachdem Rocky Balboa der Welt vor rund neun Jahren ein letztes Mal und höchst eindrucksvoll beweisen konnte, dass stets mit ihm zu rechnen sein würde. Die Plotidee, einen unehelichen Sohn von Rockys ehedem totgeprügeltem Freund Apollo Creed, damals, wie wir alle wissen, liebevoll interpretiert von Carl Weathers, in den Fokus zu setzen und ihn nicht nur um sportlichen Erfolg, sondern vor allem um seine Identität und sein Erbe kämpfen zu lassen, erweist sich schonmal als goldrichtig. Michael B. Jordan, der mir just aus „Fantastic Four“ als Johnny Storm/Human Torch in nicht eben allerbester Erinnerung war, macht seine Sache hierin großartig. Mit viel Herzblut changiert er zwischen dem frustrierten Waisenkind auf der Suche nach echter Zugehörigkeit und dem erfolgshungrigen Athleten; die ergänzend hinzugedichtete Romanze mit der halbtauben Sängerin Bianca (Tessa Thompson) ist reizend und sein Zusammenspiel mit Stallone rührend. Dass in narrativer Hinsicht zumindest teilweise der in vielerlei Hinsicht katastrophale fünfte Teil wieder aufgegriffen wird, sollte niemanden scheren; „Creed“ wirkt tatsächlich wie eine überfällige Wiedergutmachung desselben. Ansonsten beschwört Ryan Coogler die alte Magie, ohne sie einfach zu wiederholen: Ein Underdog muss sich nach oben kämpfen und schafft dies, indem er street credibility und Selbstvertrauen gewinnt, freilich nicht ohne die eminente Unterstützung und Freundschaft des väterlichen Freundes. Stallone bedient dabei den Part, den anno 76 noch der bravouröse Burgess Meredith zu bekleiden hatte und macht – phantastischerweise – seine Sache keineswegs schlechter. Die Szenen mit ihm, der darstellerisch in dieser Rolle ohnehin stets das Beste von sich preiszugeben wusste, sind ohne Frage die schönsten des Films. Selten war das Altern eines großen Kinohelden schmerzlicher mitzuverfolgen als in jenen Momenten, in denen Rocky, bleich und schütter geworden von der ihn arg zermürbenden Chemotherapie, gegen den Krebs und für seinen Quasi-Ziehson einstehen muss. Das Ende des Films ist dann ein offenes Versprechen – ob wir Rocky noch ein weiteres Mal zu sehen bekommen werden (was in jedem Falle wünschenswert wäre), steht in den Sternen – für Adonis Creed stehen die Türen nunmehr allerdings ganz weit offen.

8/10

BLACK MASS

„Well, what’s Bulger done?“ – „What’s he done? Everything!“

Black Mass ~ USA 2015
Directed By: Scott Cooper

James „Whitey“ Bulger (Johnny Depp) ist wohl das, was man als ein „Bostoner Original“ bezeichnen könnte: Seine irischen Wurzeln in Kombination mit einem psychopathischen Charakter prädestinieren ihn geradezu, in seinem Viertel die Rolle des Alpha-Tierchens anzunehmen, sprich: Herr über sämtliche krummen Geschäfte zu sein, die innerhalb seiner Ethnie abgewickelt werden. Sein jüngerer Bruder Billy ist derweil in der Politik erfolgreich und bringt es sogar zum allseits angesehenen Senator. Um die Mitte der Siebziger Jahre wendet sich Bulgers mittlerweile beim FBI beschäftigter Jugendfreund John Connolly (Joel Edgerton) an ihn. Whitey soll Information über die Angiulo-Brüder, Mitglieder der Mafia, beschaffen. Nach anfänglichem Zögern erkennt Bulger die Vorteile einer „Allianz“ mit den Gesetzeshütern. Fortan kann er als inoffizieller Informant seine Geschäfte faktisch von der Polizei abgeschirmt durchziehen. Erst Jahre später werden die Beamten gewahr, dass sie mit Whitey Bulger über eine viel zu lange Distanz einen Schwerstkriminellen gedeckelt haben…

Dass Boston mit seiner weitflächig irischstämmigen Einwohnerschaft sich im Gangsterfilm gut macht, pfeifen spätestens seit Scorseses Hong-Kong-Remake „The Departed“ die Spatzen von den Dächern. Auch Ben Afflecks „The Town“ machte sich das traditionsreiche Ostküstenstadtbild zunutze, um die Geschichte einer destruktiven Romanze im Kriminellenmilieu zu erzählen. Scott Coopers „Black Mass“ nun zeigt den in jüngerer Zeit etwas aus dem Rampenlicht geratenen Johnny Depp bei der Porträtierung eines abermals authentischen Charakters, gewohnt exaltiert zwar, aber zur Abwechslung von grimmigem Ernst geprägt und unter völliger Aussparung augenzwinkernder Albernheiten. Tatsächlich trägt seine bedrohliche Präsenz „Black Mass“über weite Strecken, ganz so, wie es sich für einen figurenzentrierten Genrefilm ziemt. Glücklicherweise begeht das Script zudem nicht den Fehler, falsche Heldenverklärung zu begehen: Wo andere Filmkriminelle oftmals zu Sympathieträgern verklärt werden oder das Publikum zumindest für sie eingespannt wird und hofft, dass sie am Ende irgendwie davonkommen, gönnt man Whitey Bulger zu keinem Zeitpunkt irgendetwas Gutes. Der Film lässt keinerlei Zweifel daran, dass der Mann ein gemeingefährlicher, sadistischer Gewaltverbrecher war, der hinter weiß Gott wie vielen Morden steckte und jeden über die Klinge springen ließ, der auch nur im Verdacht stand, sein wachsendes Imperium zum Bröckeln zu bringen. Selbst mit der IRA macht Bulger Geschäfte. So kreist die Story auch und vor allem um die sich nach und nach auf den FBI-Beamten John Connolly übertragenden Faszination des Bösen: Connolly avanciert über die Jahre vom vornehmlich an der Verhaftung von Mafiosi interessierten Karrieristen hin zu Bulgers privatem Handlager, der für seinen vermeintlichen Freund sämtliche berufsethischen Grundsätze missachtet, dessen Zuwendungen mehr und mehr genießt und mit Ausnahme seiner Loyalität zu Bulger nach und nach alles verliert.
So weit, so gut, bereichert Coopers Film seine Gattung um einen abermals interessanten, zumal aufgrund seiner authentischen Anbindung sehenswerten Beitrag. Allerdings kann „Black Mass“ (dessen mehrdeutiger Titel mir besonders gut gefällt) dem Gangsterfilm substanziell nichts Neues hinzufügen. So präzis er seine Sache auch macht, so eindrucksvoll belegt er einmal mehr, dass in diesem Genre eigentlich längst alles Wesentliche gesagt worden ist und sich die alten Topoi nurmehr variieren lassen. Kann man sich mit dieser Prämisse arrangieren, wird man an „Black Mass“ sicherlich Gefallen finden.

7/10

SHAUN THE SHEEP MOVIE

Zitat entfällt.

Shaun The Sheep Movie (Shaun das Schaf – Der Film) ~ UK/F 2015
Directed By: Mark Burton/Richard Starzak

Schaf Shaun hat die gloriose Idee, den Farmer für einen Tag schlafen zu schicken und mit seinen Freunden auf dem Bauernhof mal so richtig die Kuh fliegen zu lassen. Dabei kommt es jedoch zu einem unvorhergesehen Malheur, das bei dem Farmer nicht nur eine schwere Amnesie hinterlässt, sondern ihn auch noch zum gefragtesten Starcoiffeur in der großen Stadt macht. Zusammen mit den anderen Schafen muss Shaun den alsbald schwerstens vermissten Farmer zurück von der Urbanität auf den Hof befördern und dabei der vielen unausweichlichen Tücken sowie eines selbstherrlichen Tierfängers Herr werden.

Im Rahmen einer Matinee-Reihe für Duisburger Schulen habe ich mir „Shaun The Sheep Movie“ gestern mit meiner 3. Klasse im Filmforum angeschaut. Von den innerhalb des Programms vorgeschlagenen Filmen erschien dieser mir für als der für meine Truppe und mich attraktivste, obschon ich mit den Arbeiten von Aardman Animations (mit Ausnahme von „Chicken Run“) bis dato überhaupt nicht vertraut war. Offenbar ein Versäumnis, wie ich feststellen musste, denn der „Shaun“-Film erwies sich nicht nur als überaus komisch, sondern zudem als wirklich niedlich, herzig und vor allem von brillanter Machart.
Claymation also, etwas, zu dem mir gerade mal „Luzi, der Schrecken der Straße“, die Ompis aus der „Rappelkiste“ und vielleicht noch „Pingu“ einfallen und das ich insofern bislang stets unwillkürlich mit dem gewissen Ruch hausbackener Spontipädagogik assoziierte. Dass es auch ganz anders geht, zeigte mir dann gestern dieser hübsche, fürderhin mit vielen herrlichen Gags für erwachsene Begleiter angereicherte Film, der eine Masse Punkte infolge seines sagenhaften technischen Aufwandes, seiner erzählerischen Phantasie und seines cleveren, manchmal sogar messerscharfen Witzes sammelt. Ich werde wohl bald dazu schreiten müssen, mir auch den einen oder anderen „Shaun“-Kurzfilm zu Gemüte zu führen, denn ehrlich gesagt hat mir Burtons und Starzaks Werk, von dem ich persönlich mir aus den umrissenen Gründen eben nicht allzu viel erwartet hatte, ordentlich Appetit gemacht. Eine schöne Überraschung ergo und sehr fein!

9/10

MATCHSTICK MEN

„You waited too long. No prize for you.“

Matchstick Men (Tricks) ~ USA 2003
Directed By: Ridley Scott

Roy Waller (Nicolas Cage) ist nicht nur ein erfolgreicher Trickbetrüger, sondern auch ein Vollblutneurotiker, dessen Alltag durch eine nicht enden wollende Abfolge diverser Tics bestimmt wird. Als ihm eines Tages sein Psychopharmakum ausgeht, befolgt er den Rat seines Kumpanen Frank Mercer (Sam Rockwell) und sucht einen Psychiater (Bruce Altman) auf, der Roy dazu bringt, Kontakt mit seiner vierzehnjährigen Tochter aufzunehmen, die er nie kennengelernt hat. Die quirlige Angela (Alison Lohman) bringt dabei langsam aber sicher etwas Sonnenlicht in Roys depressionsnahe Existenz. Schließlich ist Roy sogar bereit, ihr zuliebe sein kriminelles Dasein aufzugeben. Doch da erweist sich Roys und Franks jüngstes Opfer (Bruce McGill) als rachsüchtiger als erwartet…

Als es vor gut 15 Jahren unter etablierten Regisseuren „in“ wurde, stilsichere Gaunerkomödien mit gewissen Retro-Ambitionen zu kreieren, biss auch Ridley Scott an. Seit seinem Debüt „The Duellists“ dürfte Scott keinen solch im positiven Sinne unspektakulären, minimalistischen Film mehr gemacht haben, einen, in dem Bildgewalt, Bombast und Genreanbindung so zweitrangig waren. Auf der Tonspur dudeln Bobby Darin, Sinatra und Herb Alpert anstelle von Hans Zimmers pathetischen Ethnorhythmen und Nicolas Cages gewohnt exaltiertes, in diesem Falle jedoch vortrefflich passendes Spiel übertüncht selbst Scotts inszenatorische Selbsträson. Wie Nic Cage seine ganze Reihe von Zwangsneurosen zum Besten gibt, das zählt wohl zum Besten, was man bis dato von ihm zu sehen bekommen kann. Dass am Ende die moralische Mär vom beschissenen Betrüger steht, der durch eine gewaltige, ihn aus den Angeln hebende Lebensenttäuschung zurück zu sich selbst und in die Solidität findet,- also ein wohlverdientes happy end -, macht „Matchstick Men“ dabei keineswegs über Gebühr säuerlich (wie es zu befürchten stand), sondern untermauert noch sein Bestreben, eine hübsche, kleine Charakterstudie zu formieren. Zudem beweist der Film, dass Scott auch andere Gangarten als die von ihm erwarteten und gewohnten eizulegen imstand ist und damit sogar reüssieren kann.

8/10

BLACK HAWK DOWN

„We just lost the initiative.“

Black Hawk Down ~ USA/UK 2001
Directed By: Ridley Scott

Somalia, 3. Oktober 1993: Eine Kombination aus US-Eliesoldaten der Abteilungen „Rangers“ und „Delta Force“ hat den Auftrag, mitten im bürgerkriegsüberlagerten Mogadischu diverse hochrangige Mitglieder aus Aidids Beraterstab zu entführen. Dazu werden Humvees auf dem Boden und bewaffnete Helikopter, so genannte „Black Hawks“, in der Luft eingesetzt. Als zunächst einer und bald darauf noch ein zweiter Hubschrauber von den Somalis abgeschossen wird, entwickelt sich die zunächst erfolgsversprechend angelaufene Operation zu einem Fiasko. Diverse Soldaten müssen sich notdürftig in der verwinkelten Stadt verbarrikadieren und viele Stunden auf Hilfe von außen warten, derweil der Gegner sie tausendfach belagert und angreift.

Der als „Schlacht von Somalia“ in die Militärgeschichte eingegangene, unrühmlich verlaufene Einsatz von US-Truppen gegen den somalischen Warlord Aidid konnte Ridley Scott als groß angelegten, betont naturalistischen, respektive realitätsverhafteten Actionfilm vor historischem Kriegshintergrund verfilmen, nachdem sein Renommee infolge von „Gladiator“ und dem sicherlich in mancherlei Hinsicht streitbaren, in jedem Fall jedoch künstlerisch anerkennenswerten „Hannibal“ wieder deutlich an Gewicht gewonnen hatte. Die für „Gladiator“ bereits hinlänglich perfektionierte Technik, kombattante Aktion sozusagen ‚hautnah‘ und so unmittelbar zu inszenieren, wie die Abgeschlossenheit der Leinwand es eben zulässt, brachte Scott auch in „Black Hawk Down“ zum Einsatz, wenngleich zwischen den jeweiligen Kriegsszenarien knappe 2000 Jahre Zeitgeschichte liegen und hier mit modernstem Tötungsgerät und Feuerwaffen gegeinander gekämpft wird. Die bebende Kamera nebst tosendem Shutter-Effekt ist so dicht dran an den mitgenommen Soldatengesichtern, dass man jede Pore zählen kann. Entsprechend zwingend die durchweg bravourös eingelösten Erwartungen an die Darsteller: Die Allgegenwärtigkeit des gewaltsamen Sterbens, der Todesangst und des Mitleids mit den weniger glücklichen Kameraden äußert sich in Form etlicher in Qualen verformter Antlitze.
Mit seiner bis zur Spitze getriebenen Ästhetik wirft „Black Hawk Down“ somit vor allem die alte, aktualisierte Frage auf, wie gut aussehend und unterhaltsam ein sich authentisch wähnender Kriegsfilm überhaupt sein darf, um seine vorgeschobene, ethische Agenda nicht vollends zur Farce verkommen zu lassen. Auf der anderen Seite wäre zu diskutieren, ob nicht bereits jene filmische Gattung solcherlei Fragen obsolet macht: Wer sich gemeinhin als Rezipient einem hochbudgetierten, von namhaften Künstlern getragenen Kriegsfilm, zumal aus amerikanischer Produktion aussetzt, der sollte die naive Vorstellung, eine aufrichtige Kritik am institutionalisierten Sterben zu erleben, entweder längst beigelegt haben oder zumindest seine diesbezügliche Enttäuschung im Zaum halten. Auch um den kosmopolitischen Diskurs hinsichtlich der Berechtigung von internationalen Einsätzen des selbsternannten Weltpolizei USA drückt sich „Black Hawk Down“ weitgehend erfolgreich herum. In jedem Fall mochte auch der Engländer Ridley Scott ebensowenig darauf verzichten, Josh Hartnett gegen Ende des Films seinem gefallenen Kameraden etwas von „Heldentum“ vorfaseln zu lassen, wie hier und da die US-Flagge im Bildkader zentriert zu zeigen, geschweige denn darauf, die einheimischen Soldaten als amorphe Masse gesichtsloser Flitzezombies dastehen und die hiesigen Kriegstreiber (dies eine beliebte, traditionelle Ad-Absurdum-Führung der Tatsachen) von der Redundanz internationaler Militäreinsätze schwafeln zu lassen.
Am Ende ist „Black Hawk Down“ ganz gewiss kein philosophischer Film und auch keiner, dem ein strikt ideologische Herangehensweise allzu gut täte, dafür aber einer, auf den sein Regisseur als Zeugnis seines handwerklichen Könnens stolz sein darf.

8/10

G.I. JANE

„When I want your opinion, I’ll give it to you.“

G.I. Jane (Die Akte Jane) ~ USA 1997
Directed By: Ridley Scott

Die sich vordergründig als Feministin aufspielende Senatorin DeHaven (Anne Bancroft) sorgt dafür, dass probeweise ein weiblicher Anwärter die Grundausbildung der Navy SEALs teilnehmen darf. Die dafür perfekte Dame findet sich in der Militärkarrieristin Jordan O’Neil (Demi Moore), die schon lange die mangelnde Chancengleichheit beim Kommiss beklagt. Das unmenschliche Training vor Ort, weniger eine Ausbildung denn eine Tortur, die dazu dient, die Belastungsgrenzen der Aspiranten auszuloten, besteht Jordan im Gegensatz zu fast der Hälfte ihrer maskulinen Mitanwärter – trotz diverser zusätzlicher Despektierlichkeiten, die ihr in ihrer Rolle als Frau in die Bahn geworfen werden. Dann jedoch soll eine Intrige für den Abbruch ihrer Ausbildung sorgen. Doch auch diese umschifft Jordan und erweist sich zudem im Kampfeinsatz als hervorragende Soldatin.

Mit „G.I. Jane“ erreichte Ridley Scott, dessen beklagenswertes Changieren ich bereits im vorhergehenden Eintrag erwähnte, seinen bisherigen Tiefpunkt, vor allem in inhaltlich-ideologischer Hinsicht. Sein „G.I. Jane“ ist ein Hohelied auf Militarismus und Kampfesbereitschaft, eine unverhohlen rechtslastige, propagandistische Fanfare, wie sie vermutlich seit Eastwoods „Heartbreak Ridge“, von dem der vorliegende Film ein Quasi-Remake ist, der sich jedoch immerhin noch unter anderen periodischen Vorzeichen lesen lässt, im großbudgetierten Studiokino nicht mehr zu sehen war. „G.I. Jane“ stellt, anders als man vielleicht annehmen könnte, nicht etwa ein feministisches Statement dar und ist auch als Beitrag zur Gender-Debatte unerheblich. Er plädiert lediglich dafür, jedem und jeder, unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe oder sonstige Individualmerkmalen, das Recht zuzugestehen, sich militärisch engagieren zu dürfen und sich von Amerikas Feinden den Hintern wegschießen zu lassen. Dass sich für die entsprechende Rolle ausgerechnet Demi Moore, deren Karrierepfade um diese Zeit ohnehin höchst verschlungene Wendungen nahmen (man denke nur an Andrew Bergmans seltsamen „Striptease“), zur Verfügung stellte, passt gewissermaßen ins Gesamtbild wie Arsch auf Eimer. Zwar betont „G.I. Jane“ vordergründig die Egalität der Geschlechter in Ausbildung und Einsatz, das hält die Kamera jedoch keineswegs davon ab, Jordan O’Neils schwitzige Workouts in eindeutig fetischisierter Weise einzufangen. Jene mehr denn zweifelhafte Szene, in der sie ihre öffentliche Kredibilität gegen den misogynen Schinder Urgayle (Viggo Mortensen) erringt, nachdem er sie zusammengeschlagen und fast vergewaltigt hat (was im späteren Verlauf unzweideutig für eine seltsam paraphile Anziehungskraft zwischen den beiden sorgt), besorgt den Rest. Tatsächlich ist Jordan O’Neil als fiktive Figur dieses überaus magerhirnigen Films auch am Ende, nachdem sie sich in jeder denkbaren Art und Weise „bewiesen“ hat, noch meilenweit davon entfernt, geschlechtsunabhängige Anerkennung zu finden, aber das ist dann auch egal. Böse Zungen würden dieses Gürkchen, ganz reaktionär, lapidar und stammtischjargonmäßig, vielleicht auch analog zur Protagonistin, als „Rambo mit Titten“ bezeichnen und hätten damit nicht einmal übergebührlich Unrecht. Ich hingegen, ganz der neutrale Eckensteher, begnüge mich mit einem salomonischen „unterdurchschnittlich“.

4/10

WHITE SQUALL

„You can’t run from the wind.“

White Squall ~ USA/UK 1996
Directed By: Ridley Scott

Florida, 1961: Skipper Chris Sheldon (Jeff Bridges) besitzt eine Schulyacht, die „Albatross“, auf der Jungstudenten im Zuge eines mehrwöchigen Karibiktörns ein Seemannsexamen ablegen und nebenbei ein paar Scheine für Literatur oder Naturwissenschaft erwerben können. Zu Sheldons pädagogischem Konzept gehört vor allem, dass die jungen Männer lernen, ihre Individualismen abzulegen und zu einer verschworenen Gemeinschaft heranwachsen. Obschon sich nicht jeder der höchst unterschiedlichen Mitreisenden fügen mag, trägt Sheldons Rezept gemeinhin Früchte: Die psychisch teils schwer vorbelasteten Einzelgänger bilden bald eine funktionierende Crew, die sich alle möglichen Hindernissen erfolgreich entgegenstellt – bis ein gewaltiges Unwetter nebst einer gefürchteten „weißen Bö“ die Albatross zum Kentern bringt und vier Todesopfer fordert – darunter Sheldons Frau Alice (Caroline Goodall). In einem nachfolgenden Prozess wird verhandelt, ob Sheldon sein Kapitänspatent behalten darf.

Trotz seines fantastischen „Thelma & Louise“ bildeten die neunziger Jahre Ridley Scotts kreativ streitbarste und wohl tatsächlich schwächste Schaffensphase. Das „Loch“ deutete sich bereits in Form des von mir persönlich zwar geschätzten, weithin jedoch wenig respektierten Entdeckerepos‘ „1492: Conquest Of Paradise“ an und fand dann in den folgenden beiden Arbeiten eine art antizipierter Befürchtung: Der einstmals große Stilist, der ehedem das SciFi-Genre um zwei seiner bedeutsamsten Beiträge bereichern konnte, schien in die Beliebigkeit der routinierten Solidität abzurutschen. Der sich auf eine authentische Begebenheit berufende „White Squall“ trägt davon eindrucksvoll Zeugnis. Schon bei seiner Premiere oftmals als maritimer „Dead Poet’s Society“ belächelt, wirkt „White Squall“ in seiner Gesamtheit tatsächlich derart zerfasert, dass er am Ende keine klare Richtung mehr erkennen lässt. Zu Beginn erliegt Scott noch allzuoft der Faszination, seine hübschen jungen Männer in der sonnendurchfluteten, salzluftigen Takelage abzulichten, während dann später die höchst laienpsychologisch dargelegte Charakterisierung der Studenten hinzukommt, die so ziemlich kein vorstellbares Klischee unberührt lässt (fehlt eigentlich nur der unsportliche Dicke, aber der hätte wohl nicht gut zu dem ästhetischen Konzept des Films gepasst) bis hin zu der unausweichlichen Konsequenz, dass der zuvor hartärschige Skipper am Ende gebrochen dasteht und sich nun auf die Loyalität „seiner Jungs“ verlassen kann. Das alles ist schon recht schwer zu schlucken. Eine wirklich denkwürdige, an die Nieren gehende Szene gibt es immerhin, als einer der Mitfahrenden (Jeremy Sisto) seinen pathologischen Vaterhass an einem unschuldigen Delfin auslässt. Da erreicht „White Squall“ dann zumindest einmal jene emotionale Unmittelbarkeit, die der ganze Film benötigt hätte. Zwei Rocksteady-Nummern und Stings final eingespieltes „Valpariso“ erfreuen auf der Tonspur das Musikliebhaberherz – das war’s aber auch an Besonderem. Jeff Ronas bittersüßer Flötenscore klingt verdächtig danach, als habe James Horner für „Titanic“ vorgeprobt und der gute Jeff Bridges, als schmucker Schönling noch in seiner Prä-Lebowski-Phase, verkauft sich harsch unter Wert.
„White Squall ist so dermaßen medioker, dass er erst gar keines weiteren Ereiferns bedarf.

5/10