OLYMPUS HAS FALLEN

„May God bless the United States of America.“

Olympus Has Fallen ~ USA 2013
Directed By: Antoine Fuqua

Trotz seines Status als Secret-Service-Spitzenmann und erster Leibwächter des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Benjamin Asher (Aaron Eckhart), kann Mike Banning (Gerard Butler) es nicht verhindern, dass die First Lady (Ashley Judd) bei einem Unfall nahe Camp David das Zeitliche segnet. Monate später, das schlechte Gewissen nagt unverdrossen weiter an ihm, erhält er die Chance zur Wiedergutmachung: Der nordkoreanische Terrorist Kang (Rick Yune) überfällt in einem Blitzstreich mit seinen Leuten das Weiße Haus und nimmt Präsident Asher und seinen Stab als Geiseln. Kangs Ziele sind der Abzug der Amerikaner aus dem koreanischen Grenzgebiet und die Preisgabe eines atomaren Sicherheitscodes namens „Cerberus“. Unbemerkt kann Banning sich jedoch ins Gebäude schleichen und Kangs Untergebene gnadenlos dezimieren.

Die politischen Implikationen von „Olympus Has Fallen“, um damit mal gleich aufzuräumen, sind von weithin abartiger Gesinnung, mögen im Rahmen der irrealen, science-fiction-artigen Überzeichnung des gesamten Szenarios jedoch ebensogut als ironisch konnotierter Pointillismus wahrgenommen werden. Dahinter, so steht es zumindest zu hoffen, situiert sich weniger die republikanische Suggestion in Richtung bildungsamer Amerikaner und potenzieller Anhänger, Staatsfeinde könnten – stellten sie sich bloß hinreichend clever an – das geschwächte Land dem Erdboden gleich machen, denn eine von sich selbst eher belustigte, reaktionäre „Die Hard“-Variation für die dämmernde Ära Obama. Gleich der Überfall der nordkoreanischen Terroristen, der, inszenatorisch mehr denn grell ausgewalzt, diverse zivile (und noch mehr uniformierte) Opfer fordert, ist an ideologischer Perfidie kaum mehr zu überbieten; im Folgenden offenbaren sich die zudem noch offen rassistisch verbrämten Terroristen als lebensunwerte Freiheitsgegner, denen es mit agilem Gehorsam den Garaus zu machen gilt. Ein derart offen xenophober, faschistoider Dreck wäre ohne die in solchem Falle zwingend notwendige, rezeptive Abstraktion wohl kaum zwei Stunden lang zu ertragen.
Hier und da gibt es zwar immer wieder kleine, plotimmanente Hinweise, die zunächst einen militaristischen Staatsstreich aus dem Inneren vermuten lassen, diese verpuffen jedoch gegen Ende ohne jedwede vormalige Berechtigung. Es bleibt die atavistische Steinzeitmentalität: Jeder ermordete (und gefolterte) Amerikaner verletzt nachhaltig die Retina, jeder von Butlers Figur leidenschaftlich hingerichtete Tote der Gegenseite heilt sie wieder ein klein wenig aus.
Immerhin – die charmante Spitze, dass der als verräterischer Agent Forbes auftretende Dylan McDermott in Wolfgang Petersens exakt zwanzig Jahre älterem (und zwanzig Lichtjahre besserem) „In The Line Of Fire“ ebenfalls als Secret-Service-Agent, darin jedoch noch als psychisch belasteter hero’s best friend zu sehen war, fand ich nett gestaltet.
Brillanter Actionregisseur der er ist, macht Antoine Fuqua nun aber auch aus diesem aggressiv-rechtspopulistischen Imperialistentraum einen, zumindest rein formal betrachtet, sauberen Genrekracher, der ungeachtet seiner Grundhaltung auf solitär affektiver Ebene spannendes Genrekino bietet. Ob ihn das weniger gefährlich macht, muss – und kann, was gut ist – am Ende des Tages jeder für sich entscheiden.

5/10

BONE TOMAHAWK

„Smart men don’t get married.“

Bone Tomahawk ~ USA 2015
Directed By: S. Craig Zahler

Nachdem die beiden Outlaws Buddy (Sid Haig) und Purvis (David Arquette) ein paar Reisende überfallen, ermordet und um ihren Besitz erleichtert haben, flüchten sie in die Berge und stolpern über eine uralte Begräbnisstätte. Dort werden sie von einem seltsamen Wilden attackiert. Ein paar Tage später kommt Purvis, der sich im Gegensatz zu Buddy retten konnte, in das Städtchen Bright Hope. Nach kurzer Zeit landet Purvis bereits im örtlichen Knast, eine Kugel von Sheriff Hunt (Kurt Russell) im Bein. Dieser muss sich am nächsten Morgen wundern, denn nicht nur, dass ein Stallbursche (Jeremy Tardy) grausam ermordet wurde, sind auch noch Purvis, die Ärztin Samantha O’Dwyer (Lili Simmons) und Hunts Deputy Nick (Evan Jonigkeit) spurlos verschwunden. Ein gefundener Pfeil, den der Indianer Professor (Zahn McClarnon) wiedererkennt, gibt schließlich  Aufschluss über das Geschehen: Eine Gruppe evolutionär zurückgebliebener Höhlenmenschen hat das Trio entführt. Zusammen mit dem alten Chicory (Richard Jenkins), dem distinguierten Gunman Brooder (Matthew Fox) und Samanthas Ehemann, dem bereits verletzten Arthur (Patrick Wilson), macht sich Hunt auf, die Entführten zurückzuholen. Was sie bald erleben, könnte schrecklicher kaum sein.

Der relativen Uniformiertheit der jüngeren Western-Generation haut Regiedebütant S. Craig Zahlers Prügel „Bone Tomahawk“ ihren naseweisen Nachwuchsexistenzialismus mit ziemlich derben Hieben um die Ohren. Hier geht es weder um Pioniergeist, noch um Landnahme, weder um Rache, noch Persönlichkeitsfindung. Zahlers einziges, lobenswertes Ansinnen ist die Dekantierung eines kochentrockenen Genrehybriden, der, ebenso wie die beiden Gewaltgrotesken „Machete“ und „Hobo With A Shotgun“ sein Vorbild als gefaketer Trailer in Tarantinos und Rodriguez‘ „Grindhouse“ hätte haben mögen. Nicht wenig spricht dafür – die atmosphärische Anbindung an filmhistorische Vertreter der eher unfeinen Segmente etwa, der leise Dialoghumor, die extreme Konterkarierung angenehm  kontemplativer, bald meditativer Strecken mit wenigen, dafür aber umso krasseren Zäsuren viehischer Brutalität. Zahler holt sich eine Handvoll arrivierter Gaststars, deren kurze Auftritte besonders dem Kenner des Kinos der siebziger und achtziger Jahre viel Wiedersehensfreude bereiten (Sid Haig, Michael Paré, Sean Young, James Tolkan). Doch gelingt „Bone Tomahawk“ trotz alldem ein hinlänglich autarkes Auftreten. Die Prämisse, un- bzw. parazivilisierte Monstermenschen, wie man sie aus der „Wrong-Turn“-Serie oder aus Jack Ketchums teilverfilmtem Kannibalen-Zyklus kennt, in ein Wildwest-Setting zu versetzen, nimmt sich ebenso überfällig wie clever aus. Immerhin gab es in jenem Kontext auch schon Saurier, Dämonen, Zombies und Aliens. Hier sind wiederum nicht die Indianer die klassischen Widersacher, sondern ein Überbleibsel von längst überlebt geglaubten Frühmenschen, Repräsentanten einer evolutionären Sackgasse sozusagen, die in ihrer Entwicklung irgendwann einfach „stehen geblieben“ sind und bis zu ihrer zwangsläufigen Entdeckung im Schatten der dämmernden Moderne überlebt haben. Die Indianer, üblicherweise das, was der Western als „Wilde“ bezeichnet, wissen offenbar um die Existenz jenes primitiven Stammes, verabscheuen ihn jedoch und hüten sein abgelegenes Versteck wie ein offenes Geheimnis. Der Grund dafür wird offensichtlich, als die geisterhaften Gegner etwas näher „charakterisiert“ werden: Weder haben sie jedweden Respekt vor dem menschlichen Körper, noch machen sie einen Hehl daraus, ihn, wie jedes andere Lebewesen, das ihren Weg kreuzt, aufzuessen. Die Urmenschen werden noch weiter entmenschlicht, ihre weitere Existenz als obsolet negiert. In entsprechenden Grenzen hält sich das Mitgefühl angesichts des kurzerhand durchexerzierten Genozids. Für Anthropologen, Anthroposophen und Ästheten somit eher ungeeignet, für jeden, der pures Genrekino schätzt, derweil eine Pflichtvorstellung.

8/10

I CACCIATORI DEL COBRA D’ORO

Zitat entfällt.

I Cacciatori Del Cobra D’Oro (Der Fluch des verborgenen Schatzes) ~ I 1982
Directed By: Antonio Margheriti

Während des Pazifikkrieges machen zwei alliierte Freunde und Soldaten, der Amerikaner Bob Jackson (David Warbeck) und der Brite Dave Frank (John Steiner), Bekanntschaft mit einer sagenhaften Götzenfigur der Eingeborenen, der „Goldenen Kobra“. Diese soll magische Kräfte besitzen und seinem Besitzer gewaltige Macht verleihen. Neben dem Geheimdienst, der Frank und Jackson mit der Aufgabe betraut, das Artefakt sicherzustellen, interessieren sich auch ein Professor Greenwater (Luciano Pigozzi) und dessen Nichte June (Almanta Suska) für die Goldene Kobra, zumal Jackson Junes als verschollen geltende Zwillingsschwester Deborah (Almanta Suska) bei den Eingeborenen gesehen hat. Gemeinsam macht man sich auf in den Dschungel, die Angehörigen des Kobra-Kults stets dicht auf den Fersen.

Die Hochzeit der italienischen Plagiatskultur brachte neben etlichen Variationen anderer filmischer Tonangeber jener Tage selbstredend auch eine Aufbereitung des Mega-Erfolges „Raiders Of The Lost Ark“ hervor, die von Antonio Margheriti gewohnt ökonomisch und pragmatisch hergestellt wurde. So bleibt mit Ausnahme einer weniger Requisiten das zeitliche Setting des Zweiten Weltkriegs bloße Behauptung. Gedreht wurde, wie bereits der kurz zuvor entstandene, jedoch wesentlich sehenswertere „L’Ultimo Cacciatore“, in der Hauptsache auf den für filmische Zwecke kostengünstigen Philippinen, ohne sich allerdings die Mühe zu machen, das notwendige Zeitkolorit auferstehen zu lassen. Zunächst sieht es dann aus, als nähmen die Japaner die Rolle der Nazis aus „Raiders“ ein, dann jedoch bleibt es bei einem mysteriösen Betrüger, der nach den ersten Minutren das Zeitliche segnet. Zum Hauptgegner werden stattdessen die Eingeborenen ernannt, die jenem diffusen Kobra-Kult huldigen, der eigentlich kein anderes Ziel verfolgt als das, sein Heiligtum vor den Alliierten zu schützen. Die eigentlichen Ziele dieser archaischen Sekte bleiben im Dunkeln, man erfährt nur, dass die Jungs irgendwie böse sind und durch ihren Götzenglauben weich in der Birne. Die Goldene Kobra übernimmt natürlich die Funktion der Bundeslade, die bei Indiana Jones die Nazis in ihren Besitz bringen wollen, um damit erfolgreich den kommenden Krieg zu bestreiten und deren entfesselte, göttliche Magie man ja am Ende recht intensiv illustriert bekommt. Die Kobra indes kann eigentlich nichts, außer nett glänzen und allzu gierige Zeitgenossen zum Abrutschen in heiße Lava zu bewegen. Dem Film selbst geht es da nicht wesentlich besser. Da „I Cacciatori Del Cobra D’Oro“ sich als gemeinhin familienfreundliches Produkt begreift, das exploitative Elemente weitestgehend entbehrt, beschränken sich die Schauwerte auf ein paar (wie bei dem Achtziger-Margheriti übliche) Explosionen sowie einige schlampig zusammengestoppelte Plot-Idiotien. Ansonsten ein reines Komplettistenstück.

4/10