BONE TOMAHAWK

„Smart men don’t get married.“

Bone Tomahawk ~ USA 2015
Directed By: S. Craig Zahler

Nachdem die beiden Outlaws Buddy (Sid Haig) und Purvis (David Arquette) ein paar Reisende überfallen, ermordet und um ihren Besitz erleichtert haben, flüchten sie in die Berge und stolpern über eine uralte Begräbnisstätte. Dort werden sie von einem seltsamen Wilden attackiert. Ein paar Tage später kommt Purvis, der sich im Gegensatz zu Buddy retten konnte, in das Städtchen Bright Hope. Nach kurzer Zeit landet Purvis bereits im örtlichen Knast, eine Kugel von Sheriff Hunt (Kurt Russell) im Bein. Dieser muss sich am nächsten Morgen wundern, denn nicht nur, dass ein Stallbursche (Jeremy Tardy) grausam ermordet wurde, sind auch noch Purvis, die Ärztin Samantha O’Dwyer (Lili Simmons) und Hunts Deputy Nick (Evan Jonigkeit) spurlos verschwunden. Ein gefundener Pfeil, den der Indianer Professor (Zahn McClarnon) wiedererkennt, gibt schließlich  Aufschluss über das Geschehen: Eine Gruppe evolutionär zurückgebliebener Höhlenmenschen hat das Trio entführt. Zusammen mit dem alten Chicory (Richard Jenkins), dem distinguierten Gunman Brooder (Matthew Fox) und Samanthas Ehemann, dem bereits verletzten Arthur (Patrick Wilson), macht sich Hunt auf, die Entführten zurückzuholen. Was sie bald erleben, könnte schrecklicher kaum sein.

Der relativen Uniformiertheit der jüngeren Western-Generation haut Regiedebütant S. Craig Zahlers Prügel „Bone Tomahawk“ ihren naseweisen Nachwuchsexistenzialismus mit ziemlich derben Hieben um die Ohren. Hier geht es weder um Pioniergeist, noch um Landnahme, weder um Rache, noch Persönlichkeitsfindung. Zahlers einziges, lobenswertes Ansinnen ist die Dekantierung eines kochentrockenen Genrehybriden, der, ebenso wie die beiden Gewaltgrotesken „Machete“ und „Hobo With A Shotgun“ sein Vorbild als gefaketer Trailer in Tarantinos und Rodriguez‘ „Grindhouse“ hätte haben mögen. Nicht wenig spricht dafür – die atmosphärische Anbindung an filmhistorische Vertreter der eher unfeinen Segmente etwa, der leise Dialoghumor, die extreme Konterkarierung angenehm  kontemplativer, bald meditativer Strecken mit wenigen, dafür aber umso krasseren Zäsuren viehischer Brutalität. Zahler holt sich eine Handvoll arrivierter Gaststars, deren kurze Auftritte besonders dem Kenner des Kinos der siebziger und achtziger Jahre viel Wiedersehensfreude bereiten (Sid Haig, Michael Paré, Sean Young, James Tolkan). Doch gelingt „Bone Tomahawk“ trotz alldem ein hinlänglich autarkes Auftreten. Die Prämisse, un- bzw. parazivilisierte Monstermenschen, wie man sie aus der „Wrong-Turn“-Serie oder aus Jack Ketchums teilverfilmtem Kannibalen-Zyklus kennt, in ein Wildwest-Setting zu versetzen, nimmt sich ebenso überfällig wie clever aus. Immerhin gab es in jenem Kontext auch schon Saurier, Dämonen, Zombies und Aliens. Hier sind wiederum nicht die Indianer die klassischen Widersacher, sondern ein Überbleibsel von längst überlebt geglaubten Frühmenschen, Repräsentanten einer evolutionären Sackgasse sozusagen, die in ihrer Entwicklung irgendwann einfach „stehen geblieben“ sind und bis zu ihrer zwangsläufigen Entdeckung im Schatten der dämmernden Moderne überlebt haben. Die Indianer, üblicherweise das, was der Western als „Wilde“ bezeichnet, wissen offenbar um die Existenz jenes primitiven Stammes, verabscheuen ihn jedoch und hüten sein abgelegenes Versteck wie ein offenes Geheimnis. Der Grund dafür wird offensichtlich, als die geisterhaften Gegner etwas näher „charakterisiert“ werden: Weder haben sie jedweden Respekt vor dem menschlichen Körper, noch machen sie einen Hehl daraus, ihn, wie jedes andere Lebewesen, das ihren Weg kreuzt, aufzuessen. Die Urmenschen werden noch weiter entmenschlicht, ihre weitere Existenz als obsolet negiert. In entsprechenden Grenzen hält sich das Mitgefühl angesichts des kurzerhand durchexerzierten Genozids. Für Anthropologen und Ästheten somit eher ungeeignet, für jeden, der pures Genrekino schätzt, derweil eine Pflichtvorstellung.

8/10

Advertisements

3 Gedanken zu “BONE TOMAHAWK

  1. Finde ich sehr spannend, dass Du den Film in Reihe mit den jüngeren Grindhouse Errungenschaften stellst. In der (viel zu kurzen) Liste goutierbarer Horror-Western ein zweifellos überdurchschnittlicher Eintrag. Gleich in Nachbarschaft zu Birds RAVENOUS und dem völlig unterbewerteten EXIT HUMANITY!

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s