THE REVENANT

„You stand in front of a tree. If you look at its branches, you swear it will fall. But if you watch the trunk, you will see its stability.“

The Revenant ~ USA 2015
Directed By: Alejandro Gonzalez Iñárritu

Eine Gruppe Trapper bereitet sich in den winterlichen Rocky Mountains mit ihren erbeuteten Fellen auf die Rückkehr aus der Wildnis vor, als  Arikara-Indianer sie überfallen und den Großteil der Männer niedermetzeln. Einige wenige, darunter der erfahrene Scout Glass (Leonardo Di Caprio), sein halbblütiger Sohn Hawk (Forrest Goodluck) und der zerknirschte Fitzgerald (Tom Hardy), können mit einem Boot auf dem Missouri entkommen, müssen jedoch bald den Umweg durch die Berge antreten, weil die Arikara sie sonst einholen würden. Hier wird Glass von einem Grizzly angefallen, der ihn schwer verletzt. Fitzgerald würde den Verwundeten am Liebsten zurücklassen, bietet dann jedoch an, die Übrigen weiterziehen zu lassen und Glass bis zu dessen nahendem Tode zu bewachen. Als Fitzgerald schließlich Glass zu ersticken versucht, geht Hawk dazwischen und wird von Fitzgerald erstochen. Jener macht sich daraufhin auf, die anderen einzuholen und überlässt Glass seinem Schicksal. Dieser beginnt, sich aller Widernisse zum Trotz Richtung Zivilisation zurückzuschleppen. Der unbändige Gedanke an Rache hält ihn am Leben.

„The Revenant“ sollte zunächst von Chan-wook Park und von John Hillcoat verfilmt werden, die das Projekt jedoch jeweils weiterreichten.  Iñárritu machte daraus einen sehr ansehnlichen, harten Abenteuerwestern, der die lange Tradition der Gattung in Literatur und Film nicht eben neu erfindet, aber zumindest doch auffrischt.
Hugh Glass‘ Geschichte trägt dabei sehr biblische Züge und hat Manches von einer Passionsgeschichte. Nachdem sein Leben ohnehin von Entbehrungen und Gräueln gezeichnet ist – Glass verlor einst seine Pawnee-Frau bei einem von französischen Soldaten verübten Gemetzel und musste seinen Jungen allein aufziehen – erwartet ihn das größte Leid noch: Nach der furchtbaren Bärenattacke (die, alles was recht ist, immens realistisch und packend inszeniert ist, der entsprechenden Szene in  „Backcountry“ jedoch nicht das Wasser abgräbt) tötet man seinen geliebten Sohn und überlässt ihn selbst dem Ableben, wahlweise durch seine Verletzungen, durch Erfrieren oder Verhungern. Doch mit den spirituellen, mantraartig widerhallenden Worten seiner verstorbenen Frau im Hinterkopf und natürlich mit dem Zorn des Gerechten bewältigt er das Unmögliche: Er schafft den Weg zurück. Dabei ereilt ihn noch mehrfach beinahe der Tod aufgrund unterschiedlichster Ursachen: Er muss gegen die ihn immer noch verfolgenden Arikara kämpfen und ein paar französischen Herumtreibern, die ein Indianermädchen (Melaw Nakehk’o) gekidnappt haben, selbiges abjagen. Er stürzt aus riesiger Höhe in eine Baumkrone und muss sich in den zuvor ausgeweideten, toten Körper eines Pferdes betten, um den eisigen Nachtfrost überstehen zu können. Am Ende bekommt er zwar seine Rache, seine zerschundene Existenz wird dadurch jedoch auch kaum mehr aufgewertet. Ob Glass nach seiner erfüllten Privatmission überhaupt noch das Leben wählt, lässt das Ende des Films offen.
Man bekommt von Iñárritu also zweieinhalb Stunden exquisiten Leidens geboten, eingebettet in eine menschenfeindliche, grau verhangene Natur, die zwar nicht mit beeindruckend schönen Bildern geizt, deren Genuss sich angesichts der Qualen des Helden jedoch fragwürdig gestaltet. Ob man soweit gehen soll oder kann, „The Revenant“ als Allegorie wider die Zwangsenteignungen der Indianervölker und die Zivilisationsschaffung der weißen Pioniere zu betrachten, müsste noch weiter überprüft werden. Die darstellerisch größte Attraktion – auch wenn sein physischer Einsatz kaum einem Vergleich mit dem des Hauptdarstellers standhält – ist einmal mehr Tom Hardy. Ich habe das irgendwo schonmal erwähnt, aber gestern wurde es mir wieder mehr als gewahr: Brando hat einen legitimen Erben.

8/10

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