BIG

„What is so special about Baskin?“ – „He’s a grown up.“

Big ~ USA 1988
Directed By: Penny Marshall

Josh Baskin (David Moscow) lebt mit seiner Familie in Brooklyn und ist ein ganz normaler Dreizehnjähriger. Nach einem peinlichen Vorfall auf dem Jahrmarkt gerät er an eine abseits stehende Groschenmaschine, einen „Zoltar“, dem er seinen innigsten Wunsch anvertraut: Er möchte groß sein. Am nächsten Morgen findet sich Josh (Tom Hanks) körperlich um rund zwanzig Jahre gealtert. Seine Mom (Mercedes Ruehl) hält ihn für einen Einbrecher und auch seinen besten Freund Billy Kopeki (Jared Rushton) kann Josh nur mit Mühe und Not davon überzeugen, dass er eben so über Nacht erwachsen geworden ist. Leider ist der Jahrmarkt weitergezogen und der Wunschautomat mit ihm. Gemeinsam entwickeln die beiden Freunde den Pan, Josh zunächst in Manhattan „abtauchen“ zu lassen, bis sie den Zoltar ausfindig gemacht haben, so dass Josh sich in seine normale Gestalt zurückwünschen kann. Währenddessen macht Josh eher per Zufall Karriere bei einem Spielwarenkonzern, beginnt eine Affäre mit einer Kollegin (Elizabeth Perkins) und vergisst nach ein paar Wochen, dass er eigentlich ein Kind ist, das zwei Jahrzehnte Biografie übersprungen hat. Glücklicherweise ist da noch Billy, der Josh an seine wahre Vita erinnert.

Penny Marshalls herzensguter Film ist ja mittlerweile ein veritabler Klassiker geworden, der wie wenige Filme außer ihm demonstrieren, dass echte Qualität sich immer noch als nachhalstigstes Erfolgsversprechen bewährt hat. Ungefähr zeitgleich mit „Big“ und doch ganz unabhängig voneinander wurden nämlich bei der Konkurrenz noch drei weitere Body-Switch-Komödien entwickelt, deren inhaltliche Konzeption sich mitunter verblüffend ähnelte: In „Like Father Like Son“ wechselten Vater Dudley Moore und Sohn Kirk Cameron die Körper, in „Vice Versa“ passierte Judge Reinhold und Filmfilius Fred Savage exakt dasselbe und in „18 Again“ schließlich traf es George Burns, der befristet die Rollen mit seinem Enkel Charlie Schlatter zu tauschen hatte. In „Big“ nun, der von all diesen Filmen als letzter fertiggestellt und gestartet werden konnte, weil man auf Tom Hanks in der Hauptrolle insistierte, der jedoch zuvor „Dragnet“ abzudrehen hatte, kam es zwar nicht zu einem Persönlichkeitstausch, das Problem eines Minderjährigen in ungewohnter Rolle jedoch bestimmte auch dessen Sujet. Im Gegensatz zu den Vorgenannten bewahrte sich Penny Marshalls Film zudem seine ernste Note und verzichtete auf klamaukige Ausfälle. Die Frage danach, inwiefern nicht nur seine Individualität einen Menschen ausmacht, sondern auch seine Lebenserfahrungen, seine Entwicklung und seine Gefühlswelt, beantwortet Big in ebensolch sympathischer Weise wie die nach der sozialen Korrumpierung in Zeiten der Yuppie-Ära. Josh Baskin droht irgendwann die Authentizität einzubüßen. Er wird zum von seinem Chef (Robert Loggia) protegierten Karrieristen, pflegt eine sexuelle Beziehung zu einer 15 Jahre älteren Frau und verdrängt allmählich sein früheres Leben und all das, was ihn als veritablen Teenager eigentlich ausmacht. Urplötzlich werden die Meetings im Job wichtiger als mit dem besten Kumpel Spaß zu haben, die Verabredung mit der Geliebten zieht Josh einer zünftigen Geburtstagsparty vor. Josh verliert den Faden zu sich selbst und ergreift ihn sozusagen erst auf den letzten noch möglichen Zielmetern wieder. Das Leben hat ihn zurück und die paar Wochen als Ü-30er werden ihm vermutlich irgendwann vorkommen wie ein nebulöser Albtraum. Der Glückliche.

8/10

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